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Dämmung: Viele Dämmstoffe halten nicht, was sie versprechen

Experten warnen vor Allzweckdämmung

10.12.2013, 09:34 Uhr | zuhause.de

Dämmung: Viele Dämmstoffe halten nicht, was sie versprechen. Eine Allzweckdämmung ist nicht sinnvoll. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Allzweckdämmung ist nicht sinnvoll. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer sein Haus sinnvoll dämmt, kann jede Menge Energie sparen. Die allgemeine Dämmbereitschaft sorgt auch dafür, dass immer neue Produkte auf den Markt kommen, die noch dünner sind und sich noch besser verarbeiten lassen sollen. Insbesondere für das nachträgliche Dämmen alter Häuser sind die vermeintlichen Allzweckprodukte verlockend. Allerdings sollten Hausbesitzer nicht alles glauben, was ihnen die Werbung verspricht, warnt der Verband Privater Bauherren (VPB): Einen Allzweckdämmstoff, preiswert und dazu heimwerkerleicht zu verbauen, den gibt es nach Ansicht der Experten noch nicht. Sie raten deshalb zur Vorsicht.

Ob im Neubau oder bei der energetischen Sanierung von Altbauten – die Bauherren greifen fast automatisch zum Wärmedämmverbundsystem. Kein Wunder, wenn immer neue Materialien auf den Markt kommen. Einige Baustoffe sind angeblich so perfekt, dass sie sich außen, innen, zwischen den Sparren und rund um die Fenster eignen. "Ein solches Universalmaterial, dazu noch dünn, gut und preiswert, gibt es auf dem Markt aber nicht", warnt Ulrich Schiffler, Bausachverständiger des VPB in Bremen.

Gute Dämmung erkennen

Hersteller locken mit Dämmstoffen von der Rolle, die nur drei Zentimeter dick sind. "Das klingt natürlich toll für alle Heimwerker, die die Bahnen selbst verkleben wollen. Nur sollten sie zuvor unbedingt mal einen Blick auf die Laborwerte werfen. Wenn eine Dämmmatte im Messlabor nur einen Wert von R = 1,3 erreicht, dann entspricht das ziemlich genau dem Wert von vier Zentimeter dickem Polystyrol der heute üblichen Normalqualität WLG 035. Das ist sehr wenig! Gleichzeitig kostet das neue Material erheblich mehr." Was die einzelnen Kennwerte bedeuten und worauf man beim Dämmungskauf achten sollte.

Der Sachverständige sieht auch Probleme bei der Verarbeitung. "Wärmedämmung ist kein Fall für den Heimwerker, sie muss aufs Haus abgestimmt sein, berechnet, bis in die Details geplant und dann sehr sorgfältig aufgebracht werden. Hängt die Dämmschicht später mehr oder weniger lose an der Wand, wird sie unterlüftet. Das heißt, die Kaltluft kann zwischen Wärmedämmung und Wand. Damit wird der Wärmeschutz noch schlechter, als er ohnehin schon ist."

Kennwerte richtig interpretieren

Ulrich Schiffler wundert sich immer wieder über die Leichtgläubigkeit der Menschen. "Sie glauben der Werbung, statt sich über das Produkt tatsächlich zu informieren. So fallen sie auf Zulassungsnummern und Zertifikate herein und hinterfragen diese nicht einmal. Was bedeutet es schon, wenn die Werbung ein Produkt für seine Brandklasse B2 lobt? Das klingt toll, heißt aber nur, dass das Produkt brandschutztechnisch gerade mal so gut ist wie das herkömmliche Styropor. Warum sollte jemand für ein solches Produkt viel mehr bezahlen als für die alten Baustoffe?"

Innendämmung: Bei falscher Verlegung droht Schimmel

"Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt, den viele gar nicht kennen: Eine Zulassung attestiert immer nur die öffentlich-rechtliche Verwendbarkeit. Das heißt, es ist nicht verboten, dieses Produkt zu verwenden. Wozu es im Einzelnen dann wirklich taugt, das wird über die Zulassung nicht definiert." Der Sachverständige warnt auch davor, Innendämmungen in Heimarbeit zu erledigen. "Innendämmung ist eine höchst diffizile Sache. Wer hier Fehler macht, der holt sich enorme Schäden ins Haus." Eine falsch angebrachte Innendämmung ist häufig Ursache für Schimmelbefall.

Auch positive Erfahrungsberichte im Internet sollte man erst einmal kritisch betrachten."Die viel beschworene Schwarmintelligenz im Internet, wo "Freunde" anderen mitteilen, wie toll dies oder jenes ist, taugt nicht zur Beurteilung von Baustoffen", beobachtet der Experte. "Hier werden zum einen häufig bestellte Beiträge platziert, die ein Produkt als Erfolgsgeschichte verkaufen. Zum anderen werden oft sogar Verwendungen empfohlen, für die das Produkt gemäß seiner Zulassung ausdrücklich nicht verwendet werden darf!" Der VPB rät allen, die bauen oder sanieren, sich im Vorfeld mit den Baustoffen zu beschäftigen und dabei nicht auf Siegel oder Zulassungen zu vertrauen, ohne zu prüfen, was sich dahinter wirklich verbirgt.

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