Sie sind hier: Home > Heim & Garten > Energie > Heizung >

Gebäudereport 2015: Dämmen die Deutschen noch zu wenig?

Dämmen die Deutschen noch zu wenig?

05.03.2015, 10:01 Uhr | rw, zuhause.de

Gebäudereport 2015: Dämmen die Deutschen noch zu wenig?. dena-Gebäudereport 2015: Dämmen die Deutschen noch zu wenig? (Quelle: imago images/Westend61)

dena-Gebäudereport 2015: Dämmen die Deutschen noch zu wenig? (Quelle: Westend61/imago images)

Deutsche Privathaushalte zahlten 2013 etwa 53,7 Milliarden Euro für Heizung, Warmwasser, Klimatisierung und Beleuchtung. Das geht aus dem Gebäudereport 2015 der Deutschen Energie-Agentur (dena) hervor. Sie sieht nach wie vor großes Einsparpotenzial durch einen energieeffizienteren Gebäudebestand. Aber warum dämmen die Deutschen dann so wenig? Viele haben gute Gründe. Doch mit der richtigen Strategie kann sich die Modernsierung des Hauses auf Dauer durchaus bezahlt machen.

2013 hätten die deutschen Privathaushalte inflationsbereinigt fast zehn Milliarden Euro mehr für Gebäudeenergie ausgegeben als noch vor zehn Jahren, erklärt die dena mit Blick auf den jüngst veröffentlichten Gebäudereport. Die Zahlen zeigten aber zugleich auch, wie wirkungsvoll die energetische Gebäudemodernisierung ist: Ohne die erheblichen Verbrauchseinsparungen durch energetische Modernisierungen und energiebewusstes Nutzerverhalten in diesem Zeitraum wären es nämlich sogar über 20 Milliarden Euro mehr gewesen, so die dena.

Modernisierungsbedarf bei Dämmung und Heizungen in Deutschland

Trotzdem gäbe es noch immer ein erhebliches Potenzial für weitere Effizienzsteigerungen. "Der Gebäudesektor bleibt mit einem Anteil von 38 Prozent am Endenergieverbrauch Deutschlands eines der wichtigsten Handlungsfelder zur Steigerung der Energieeffizienz", so die Macher des Gebäudereports. Rund zwei Drittel des Energieverbrauchs im Gebäudesektor entfallen auf Wohngebäude. Ältere Häuser, die vor 1978 gebaut wurden, haben daran mit rund 70 Prozent den Löwennanteil. Gerade hier attestiert der Gebäudereport noch erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.

"Erhebliches Potenzial liegt einerseits in der Erneuerung veralteter Heizungsanlagen, andererseits bei bisher ungedämmten Außenwänden, Dächern und Kellerdecken, Fenstern und der Wohnraumlüftung", heißt es in der Studie. Noch immer sind demzufolge rund 65 Prozent der Fassaden, 35 Prozent der Dächer beziehungsweise der obersten Geschossdecken und etwa 80 Prozent aller Kellerdecken älterer Gebäude nicht gedämmt. Über die Hälfte (ca. 55 %) der Heizungsanlagen wurde laut Gebäudereport vor 1997 installiert.

Erst im Dezember 2014 mahnte auch Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), "dass das Alter von Heizungsanlagen in Deutschland bedenklich ist". Hintergrund war die BDEW-Studie "Wie heizt Deutschland?", laut der Heizungsanlagen in Deutschland im Schnitt 17,6 Jahre alt sind. 36 Prozent aller Heizungsanlagen seien bereits vor dem Jahr 1995 eingebaut worden und entsprächen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.

Gründe für den Sanierungsstau

Aber warum zögern so viele Deutsche, wenn es darum geht, die Modernisierung ihres Hauses voranzutreiben? Immerhin ließe sich doch wertvolle Energie einsparen, deren Preis in den nächsten Jahren vermutlich weiter steigen wird. Ein wichtiger Grund könnten die Amortisierungszeiträume sein. Wer sein Haus modernisiert, muss dafür erst einmal richtig viel Geld in die Hand nehmen. Schon Einzelmaßnahmen wie der Austausch alter Fenster, die Fassadendämmung oder der Austausch einer alten Heizung schlagen schnell mit fünfstelligen Beträgen zu Buche. Das Geld muss man nicht nur erst einmal haben. Man möchte es auch durch Energieeinsparungen innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder herausbekommen.

Um die Amortisierungszeiträume zu verkürzen und der Gebäudesanierung dadurch neuen Schub zu verleihen, hatte die Bundesregierung im Dezember 2014 umfangreiche steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für die Kosten von Dämm- und Heizungsmodernisierungsmaßnahmen ab 2015 in Aussicht gestellt. Keine drei Monate später ruderte die Koalition dann zurück und kippte den angekündigten Steuerbonus von immerhin einer Milliarde Euro jährlich wieder. Man habe sich innerhalb der Koalition nun doch nicht über eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung einigen können.

"Das Förderprogramm ist ein dringend benötigter Impuls für den Markt der energetischen Gebäudemodernisierung", erklärte dazu Stephan Kohler, Sprecher der von der dena initiierten Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea). Außerdem wirke sich eine solche unstetige Politik massiv auf die Akzeptanz und das Vertrauen der Bürger aus, die für die Umsetzung der Energiewende dringend benötigt würden. Zwar gibt es bereits jetzt staatliche Fördermittel für die energetische Sanierung. Doch Branchen- und Umweltverbände sind sich in der Analyse einig, dass steuerliche Anreize das effektivste Instrument sind, um den Sanierungswillen von Hauseigentümern zu erhöhen.

Vor allem ältere Hauseigentümer tolerieren aus verständlichen Gründen keine allzu langen Amortisierungszeiträume. Eine Dämmmaßnahme, die sich frühestens in 30 Jahren rechnet, erscheint einem 65-Jahrigen in wirtschaftlicher Hinsicht wenig verlockend. Wie der dena-Gebäudereport zeigt, sind aber gerade ältere Häuser mit ihrem höheren Sanierungsbedarf oft im Besitz älterer Eigentümer. Mehr als die Hälfte aller vor 1990 gebauten Wohngebäude gehören über 60-Jährigen.

Wie Sie rentabel dämmen und modernisieren

Damit man Investitionskosten für die energetische Modernisierung des eigenen Hauses möglichst schnell wieder heraus bekommt, ist das richtige Konzept das A und O. Die meisten Hauseigentümer scheuen wegen der hohen Kosten vor einer Totalsanierung zurück. Aber gerade wenn man nach und nach unterschiedliche Einzelmaßnahmen in Angriff nehmen möchte, kommt es auf den richtigen Fahrplan für die energetische Sanierung an. Es ist beispielsweise wenig sinnvoll, zuerst seine Heizung auszutauschen und wenige Jahre später die Fassade zu dämmen. Durch die Dämmung reduziert sich dann der Energiebedarf und man hat eine zwar moderne aber überdimensionierte Heizungsanlage, weil sie noch auf den höheren Energiebedarf vor der Dämmmaßnahme ausgelegt ist.

Eine unabhängige Energieberatung steht am Anfang des Modernisierungsprozesses

Bevor man kostenintensive Investitionen in Angriff nimmt, sollte man also unbedingt fachkundigen Rat einholen. Unverzichtbar ist eine unabhängige Energieberatung am Anfang des Modernisierungsprozesses. Der Sachverständige wird vor Ort eine Ist-Analyse des gesamten Hauses vornehmen auf der Grundlage einen Fahrplan über Art und Reihenfolge der sinnvollen Maßnahmen erarbeiten.

Seit 1. März 2015 hat sich die staatliche Förderung für die Energieberatung erhöht. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst sie mit bis zu 800 Euro pro Ein- und Zweifamilienhaus und bis 1100 Euro pro Mehrfamilienhaus. Der Zuschuss darf aber 60 Prozent der Kosten nicht übersteigen. "Außerdem muss der Berater unabhängig sein", schreibt das BAFA auf seinen Webseiten. Wirklich unabhängige Energieberater vermitteln auf Anfrage beispielsweise der Verband Privater Bauherren, der Bauherrenschutzbund oder die örtlichen Verbraucherzentralen.

Zwar haben auch viele Handwerker, Baustoffhändler, Bauunternehmer und Mitarbeiter von Energieversorgungsunternehmen mittlerweile die Zusatzqualifikation zum geprüften Gebäudeenergieberater erworben. Sie erkennt das BAFA aber nicht als unabhängig an, weil sie bei ihrer Analyse und Beratung womöglich wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen und in der Erwartung eines lukrativen Auftrags zu allererst innerhalb ihres eigenen Fachgebiets Investitionsbedarf attestieren könnten.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Heizölpreis
AnzeigeHeizölpreisrechner

Preis berechnen und Heizöl online bestellen

 

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal