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Bienensterben – Werden schädliche Pestizide von den Feldern verbannt?

dpa, Tom Nebe

13.03.2018Lesedauer: 3 Min.
Biene sammelt Nektar: Auf unterschiedlichen Wegen nehmen Bienen für sie gefährliche Neonicotinoide auf.
Biene sammelt Nektar: Auf unterschiedlichen Wegen nehmen Bienen für sie gefährliche Neonicotinoide auf. (Quelle: Matthias Balk/dpa-bilder)
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Die in der Landwirtschaft eingesetzten Neonicotinoide sind schädlich für Bienen. Eine neue Studie der EU-Behörde Efsa könnte Folgen haben. Forscher loben sie, Politiker fordern Konsequenzen.

Die potenziell tödliche Gefahr lauert in Blütenpollen und Nektar, im aufgewirbelten Staub bei der Aussaat, im Wasser: Auf unterschiedlichen Wegen nehmen Bienen für sie gefährliche Neonicotinoide auf. Diese Mittel können die Insekten Experten zufolge bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen, töten oder Lernvermögen und Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen.

Insektizid schädigt Honigbienen, Wildbienen und Hummeln

Landwirte setzen die Pestizide als Saatgutbeizmittel ein, um die angebauten Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Damit können sie aber Bienen schaden. Das ist keine neue Erkenntnis und wurde jetzt durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) verdeutlicht.

Die Experten der Behörde mit Sitz im italienschen Parma werteten diverse wissenschaftliche Studien zu dem Thema aus. "Insgesamt wurde das Risiko für die drei bewerteten Bienentypen bestätigt", sagt der Leiter der Bereichs Pestizide der Efsa, Jose Tarazona. Untersucht wurde die Gefahr für Honig- sowie Wildbienen und Hummeln.

Das Problem mit den Sondergenehmigungen

Bereits im Dezember 2013 wurde der Einsatz von Neonicotinoiden EU-weit beschränkt. Die drei Insektizide dürfen etwa nicht auf Rapssaat und beim Anbau von Kirschen, Äpfeln oder Gurken angewendet werden. Alles Pflanzen, die von Bienen gerne besucht werden. Doch es gibt zahlreiche Sondergenehmigungen, etwa für Wintergetreide.

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Der Beschluss vor vier Jahren ging ebenfalls zurück auf eine Risikobewertung der Efsa. Die Behörde erhielt jedoch damals den Auftrag, weitere Erkenntnisse zur Wirkung der entsprechenden Insektizide mit den sperrigen Namen Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid zu sammeln. 2016 hat die Efsa dann eine erste überarbeitete Version der Empfehlung veröffentlicht, auf deren Basis die EU-Kommission vor knapp einem Jahr ein komplettes Freiland-Verbot vorgeschlagen hatte.

Ein Bann einerseits von den Feldern, Gewächshäuser andererseits jedoch ausgenommen? Die EU-Staaten wollten für ihre Entscheidung darüber erst den fertigen Bericht abwarten.

Umweltschützer fordern Verbot – Politik noch zurückhaltend

Der liegt nun vor. Und die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Umweltschutzorganisationen forderten ein Verbot. Die Grünen ebenfalls: "Die Bienengifte müssen jetzt schleunigst vom Acker – der Frühling darf nicht noch stummer werden", sagt deren Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, Harald Ebner.

Die scheidende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) forderte: "Die EU-Mitgliedstaaten sollten über so ein Verbot bald abstimmen, und die Bundesregierung muss dann Ja sagen." Sie gehe davon aus, dass das Ja des für die Abstimmung zuständigen Landwirtschaftsministers auch in einer künftigen Bundesregierung Bestand habe. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte Anfang Dezember in der ARD-Talkshow "Hart aber fair" gesagt: Wenn sich in der Efsa-Studie herausstelle, dass die Stoffe schädlich seien, "dann müssen sie komplett verboten werden".

Industriestudien kommen zu anderer Bewertung

Kritik kam vom Neonicotinoid-Hersteller Bayer . Das Chemie- und Pharmaunternehmen teilte mit, man sei mit den Ergebnissen der Risikobewertung für die Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin grundsätzlich nicht einverstanden. Die Schlussfolgerungen stünden im Widerspruch zu anderen umfassenden wissenschaftlichen Beurteilungen zur Bienengesundheit.

Mit dem Thema betraute Forscher beurteilen das anders. "Die Efsa gibt aus meiner Sicht die Datenlage der vertrauenswürdigen wissenschaftlichen Literatur ziemlich korrekt wieder", sagte Randolf Menzel, Neurobiologe von der Freien Universität Berlin. Menzel hat fast sein ganzes Forscherleben Bienen und Hummeln gewidmet. "Diese drei Neonicotinoide sind in der Tat höchst gefährlich für die bestäubenden Insekten", betonte der emeritierte Professor.

Menzel richtete einige kritische Worte Richtung Industrie. Mit dem Efsa-Report würden manche Berichte, die keine Effekte gefunden hatten, zurückgewiesen – "insbesondere solche, die mit Mitteln der Industrie durchgeführt wurden." Das sei ein "bemerkenswertes Ergebnis", denn die Behörde sei nicht gerade dafür bekannt, besonders kritisch zu sein, wenn es um die Aussagen der Industrie gehe.

Anderes Denken von Landwirtschaft gefordert

Wirklich Neues liefert der Efsa-Report laut Alexandra-Maria Klein nicht. Er sei eine gut durchdachte und durchgeführte Zusammenfassung von Studien, alles sei kritisch diskutiert, erklärte die Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie der Universität Freiburg. Klein wies auf die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Pestiziden hin und sieht möglichen Handlungsbedarf im Agrarbereich. "Wenn es durch diese und weitere Studien zu immer strikteren Verboten von Pestiziden kommt (...), dann muss die Landwirtschaft mit neuen Anbau- und Managementkonzepten antworten."

Zunächst reden aber die Politiker in Brüssel. Auf Basis des Efsa-Berichts ist nach Angaben der EU-Kommission geplant, dass die Mitgliedsstaaten am 22. März über den Vorschlag des Freiland-Verbots diskutieren. Ob dabei schon eine Entscheidung fällt, ist unklar.

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Von Jennifer Buchholz
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