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Pestizide: Experte bezweifelt, dass EU-Verbot den Bienen hilft

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Experte bezweifelt Vorteile  

EU-Staaten verbieten drei bienenschädliche Neonikotinoide

29.04.2018, 11:07 Uhr | dpa

Pestizide: Experte bezweifelt, dass EU-Verbot den Bienen hilft. Biene im Anflug auf eine Süßkirschblüte (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Biene im Anflug auf eine Süßkirschblüte: Die verbotenen Insektizide sind schädlich für Honigbienen. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Die EU-Staaten haben über ein Freilandverbot für einige bienenschädliche Insektizide abgestimmt. Ergebnis: Drei sogenannte Neonikotinoide dürfen nicht mehr auf Äckern verwendet werden. Doch am Verbot scheiden sich die Geister. Ein Wissenschaftler fürchtet gar, dass das Verbot den Insekten langfristig schaden könnte.

Von den einen bejubelt, von den anderen bedauert: Das Verbot der Neonikotinoide soll dem Bienensterben entgegenwirken. Neonikotinoid-Insektizide können Untersuchungen zufolge das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit von Wild- und Honigbienen beeinträchtigen, sie lähmen oder töten. Ohne die bestäubenden Insekten seien dramatische Folgen für die Landwirtschaft zu befürchten, vor allem für den Obstbau, sagen Umweltschützer und viele andere Fachleute.

Auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte jüngst: "Was der Biene schadet, muss weg vom Markt." Sie sprach von einem "guten Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa". Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, das Artensterben aufzuhalten, "ist eine der zentralen politischen Aufgaben unserer Zeit". Die Entscheidung in Brüssel sei aber nur einer der Bausteine, um das Insektensterben aufzuhalten.

Pestizide schaden Bienen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte kürzlich die Gefahren für Bienen und Hummeln durch Neonikotinoide bestätigt. Für die drei Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid gilt seit 2013 bereits ein Teilverbot, das nun ausgeweitet wird. Dann dürfen die Mittel nur noch in Gewächshäusern verwendet werden.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat sich gegen ein umfassendes Freilandverbot ausgesprochen. "Dies darf aber beispielsweise nicht auf nicht-blühende Kulturen wie Zuckerrüben ausgedehnt werden", sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Den Rapsbestand zu erhalten sei wichtiger als ein Pestizidverbot

Doch das beschlossene EU-Freilandverbot für drei bienenschädliche Pflanzenschutzmittel ist unter Fachleuten umstritten. "Das generelle Verbot sehe ich nicht unkritisch", sagt der Agraringenieur und Imker Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Er hätte sich eine detaillierte fachliche Diskussion gewünscht. "Der gesamte Naturhaushalt hätte in den Blick genommen werden müssen." Für das Überleben der Bienen sei es wichtiger, den Rapsbestand als entscheidende Nahrungsquelle zu erhalten als drei Neonikotinoide aus dem Ackerbau zu verbannen.

"Das wäre ein dramatischer Bumerang"

Die sogenannte Beizung, also das direkte Behandeln des Saatgutes mit Pflanzenschutzmitteln, ist mit der Entscheidung nicht mehr möglich. Es sei zu vermuten, dass die Bauern andere Wirkstoffe großflächig auf die Äcker brächten, die neben Schädlingen nützliche Kleinstlebewesen wie Käfer und Spinnen vernichten, meinte Wallner. Der für die Landwirte künftig aufwendigere Pflanzenschutz insbesondere beim von Bienen bevorzugten Raps könne sie zu einem Umstieg auf Sojapflanzen bewegen. "Das wäre dann ein dramatischer Bumerang", sagt Wallner.

"Diese Entscheidung bringt den Bienen gar nichts"

"Den wenigsten Imkern und Politikern ist bewusst, dass diese Entscheidung den Bienen gar nichts bringt und die Ersatzmaßnahmen die Lage verschlechtern können." Spritzmittelspuren im Honig seien an seinem Institut in den vergangenen Jahren nicht nachweisbar gewesen, betont Wallner, der das Rückstandslabor leitet.

Das größte Problem für das Überleben der Bienen ist nach Auskunft Wallners der Verlust von blühenden Pflanzen. "Die Tiere finden weder auf den Wiesen noch in den Hausgärten blühende Pflanzen und Kräuter." Vor allem die Wildbienen leiden nach seinen Worten unter den "grünen Wüsten". Unter den 560 Wildbienenarten mit einem Flugradius von gerade mal wenigen hundert Metern seien viele hoch spezialisiert.

"Wenn die Glockenblumen-Scherenbiene keine Glockenblumen findet, wird sie untergehen", sagt der Experte. Er gibt die Zahl der Bienenvölker in Deutschland mit rund einer Million an.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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