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Dramatischer Rückgang: Immer weniger Vögel in Europa

Dramatischer Rückgang  

Immer weniger Vögel in Europa

30.01.2019, 15:55 Uhr | Ulrike von Leszczynski, dpa, sah

Dramatischer Rückgang: Immer weniger Vögel in Europa. Eine Feldlerche: Der Bestand der Feld- und Wiesenvögel in Europa ging vom Beginn der Zählungen ab 1980 bis 2016 um 57 Prozent zurück. (Quelle: dpa/Andreas Neuthe/ZB)

Eine Feldlerche: Der Bestand der Feld- und Wiesenvögel in Europa ging vom Beginn der Zählungen ab 1980 bis 2016 um 57 Prozent zurück. (Quelle: Andreas Neuthe/ZB/dpa)

Die Wintervögel machen sich rar in Gärten und Parks. Experten sind unsicher, ob die Bestände schrumpfen oder doch der milde Winter dafür verantwortlich ist. Fest steht: Die Zahl der Feld- und Wiesenvögel in Europa ist deutlich zurückgegangen.

In Deutschlands Gärten und Parks sind in diesem Jahr weniger Wintervögel zu sehen. Zehntausende Naturliebhaber meldeten im Januar im Schnitt 37 Vögel, die sie bei der Zählaktion "Stunde der Wintervögel" innerhalb von 60 Minuten beobachteten.

"Das ist die zweitniedrigste Zahl nach dem Rekordminus von 34,4 im Jahr 2017", sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 2011 seien noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet worden. Am häufigsten zu sehen waren 2019 Haussperlinge, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Laut einer aktuellen Studie ist in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der Feld- und Wiesenvögel in Europa dramatisch zurückgegangen.

Hohes Amselsterben

Eine Amsel im Apfelbaum: Vogelschutzexperten sorgen sich um den Bestand von Amseln. (Quelle: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)Eine Amsel im Apfelbaum: Vogelschutzexperten sorgen sich um den Bestand von Amseln. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Sorgen macht den Nabu-Vogelschützern vor allem die Amsel. Sie fuhr mit nur 2,67 Vögeln pro Garten 2019 ihr bisher schlechtestes Ergebnis ein. "Der sehr trockene Juli 2018 war schlecht für das Überleben der Jungvögel, da die Amseln kaum Regenwürmer finden konnten", sagt Nabu-Experte Lars Lachmann.

Doch der Hauptgrund könnte die im Sommer 2018 grassierende Usutu-Epidemie sein. Das Virus aus Afrika, das vermutlich über Zugvögel eingeschleppt wurde, sorgt seit Mitte der neunziger Jahre für kleinere Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen.

Weniger Vögel: Was ist der Grund?

Der Grund für das verstärkte Ausbleiben der Vögel könnte aber auch der relativ milde Winter sein. "Damit kommen weniger Vögel in die Gärten, weil sie in schneefreien Wäldern noch genug zu fressen finden", ergänzt Miller. Ob ein tatsächlicher Rückgang der Bestände die Ursache sein könnte, müsse aufmerksam verfolgt werden. In diesem Jahr hatten 138.000 Naturliebhaber die Ergebnisse ihrer Zählungen an den Nabu gemeldet. Das war ein neuer Teilnehmerrekord seit dem Start der großen wissenschaftlichen Mitmach-Aktion im Jahr 2011.

Vor allem die klassischen Futterhausbesucher wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen ließen sich in diesem Winter seltener sehen. Doch auch die Zahlen anderer Waldvögel wie Kleiber, Eichelhäher, Buntspechte und Gimpel liegen niedriger als im langjährigen Mittel. Offenbar seien auch weniger Vögel aus dem Norden und Osten Europas nach Deutschland gekommen, da der Winter in ganz Europa bisher eher mild war, folgert der Nabu.

Europaweites Problem

Ein Kiebitz auf einer Wiese: Kiebitze sind Bodenbrüter und gelten als gefährdet. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)Ein Kiebitz auf einer Wiese: Kiebitze sind Bodenbrüter und gelten als gefährdet. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Aus Daten des europaweiten Vogelmonitoringprogramms PECBMS geht hervor, dass die europäischen Bestände der Feld- und Wiesenvögel in Europa seit Beginn der Zählungen ab 1980 bis 2016 um 57 Prozent zurückgingen. Von dem Rückgang betroffen waren zum Beispiel der Kiebitz und die Goldammer, ein typischer Bewohner der Feldmark mit Acker- und Grünland.

Als Hauptgrund für die Entwicklung sieht Petr Vorisek, der an dem Projekt beteiligt ist, die Intensivierung der Landwirtschaft. Zudem seien die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker spürbar.

Für die Studie wurden Daten aus 28 Ländern zu über 170 Arten zusammengetragen. Weit besser als den Feldvögeln erging es den Waldvögeln, deren Bestand im beobachteten Zeitraum nur um sechs Prozent zurückging. Eine moderate Abnahme war unter anderem bei Tannenmeisen, Erlenzeisigen und Wintergoldhähnchen zu verbuchen. Die Zahl der Grauspechte und Kleiber nahm sogar leicht zu.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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