Sie sind hier: Home > Heim & Garten > Haushaltstipps > Müll >

Verpackungsabfälle nehmen weiter zu

Immer mehr Müll  

Verpackungsabfälle nehmen weiter zu

31.10.2018, 14:47 Uhr

Verpackungsabfälle nehmen weiter zu . Bio-Lebensmittel in Plastik: Kunststoffverpackungen nehmen weiter zu und belasten die Umwelt.  (Quelle: imago/Jochen Tack)

Bio-Lebensmittel in Plastik: Kunststoffverpackungen nehmen weiter zu und belasten die Umwelt. (Quelle: Jochen Tack/imago)

Politik, Industrie, Handel, Bürger – alle wollen Verpackungs- und Plastikmüll vermeiden. Trotzdem werden in Deutschland mehr Verpackungen produziert als je zuvor.

Ungeachtet aller Bekenntnisse zur Müllvermeidung werden Kunststoffverpackungen laut Experten in absehbarer Zeit nicht aus dem Alltag verschwinden. "Ich glaube nicht, dass Kunststoffe schnell ersetzt werden können", sagt Sven Sängerlaub, Manager am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising. "Kunststoff-Verpackungen haben viele Vorteile: Sie sind sehr dünn, leicht und weisen Barriereeigenschaften auf."

Plastikalternativen erfordern viel Energie in der Herstellung

Das sind handfeste Pluspunkte für Industrie und Handel: "Barriereeigenschaften" bedeutet, dass viele Kunststoffe undurchlässig für Feuchtigkeit oder Luft sind. Glas, Blech oder Aluminium sind "wesentlich dicker oder erfordern mehr Energie in der Herstellung", wie Sängerlaub sagt. Dennoch hätten diese Nicht-Kunststoffe Vorteile für viele Anwendungen.

Weniger Inhalt in mehr Verpackung

Sowohl Verpackungsproduktion als auch die Menge des Verpackungsmülls sind seit Beginn des Jahrtausends gestiegen. Dabei spielen nicht nur die Bedürfnisse der Wirtschaft eine Rolle, auch das Konsumverhalten der Bürger ist maßgeblich. Eine wachsende Zahl von Single-Haushalten bedeutet, dass mehr Produkte in Kleinpackungen angeboten werden – mehr Verpackung für weniger Inhalt.

"In den Supermärkten werden immer mehr Convenience-Produkte angeboten, die ebenfalls in Kunststofffolie eingepackt werden müssen, etwa geschälte Bananen oder Zitronen", sagt Ulf Kelterborn, Hauptgeschäftsführer der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen.

Tausende Tonnen mehr Verpackung

Die Entwicklung lässt sich an nackten Zahlen ablesen: 2017 wurden in Deutschland laut Zahlen der Verpackungsbranche knapp 4,4 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen produziert, knapp 100.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Daran ändert auch der öffentlichkeitswirksame Vorstoß vieler Supermarktketten nichts, die Plastiktüten verbannt haben.

"Es gibt die ganz grobe Faustformel, wonach in einem verpackten Lebensmittel zehnmal mehr Ressourcen stecken als in der Verpackung", sagt Fraunhofer-Experte Sängerlaub. "Wenn Sie ein Stück Rindfleisch haben, muss vorher das Tier aufgezogen und gefüttert werden. In einem Stück Fleisch steckt so viel Energie, dass man das Wegwerfen auf jeden Fall vermeiden sollte."

Produkte müssen haltbar bleiben

Die Verpackungsbranche argumentiert, dass Kunststoffverpackung die Haltbarkeit von Lebensmitteln erhöht – und so Verschwendung reduziert. "Nicht verpackte Salatgurken trocknen wesentlich schneller aus", sagt Kelterborn. "Der Anteil nicht mehr genießbarer Gurken, die schon vom Handel weggeworfen würden, wäre um ein Vielfaches höher."

Der Einzelhandel sei ein Geschäft mit geringen Margen, meint er. "Verpackungen kosten Geld, und dementsprechend werden auch keine Verpackungen verwendet, die nicht benötigt werden." Das sei eher eine Frage des Verbraucherverhaltens. "Wenn die Verbraucher eine gewisse Auswahl wollen, kommen Sie ohne Verpackung nicht aus."

Lange Haltbarkeit als Problem

Unter Umweltgesichtspunkten ist vor allem die Langlebigkeit der Verpackungsabfälle großes Problem. Auf den Gipfeln Südtirols und des Trentino stoßen Bergsteiger etwa auf rostige Konservendosen – hundert Jahre alte Hinterlassenschaften des Ersten Weltkriegs, denn im Hochgebirge kommt keine Müllabfuhr vorbei. Plastikabfälle zersetzen sich noch langsamer als Blech. Der schwimmende Müllteppich im Pazifik soll nach Schätzungen mittlerweile die Größe Europas erreicht haben.

Zudem erschwert der technische Fortschritt Recycling. "Früher gab es einfache Pappverpackungen, heute haben wir mehrschichtige Verbundmaterialien", sagt Rolf Buschmann, Experte für technischen Umweltschutz bei der Umweltorganisation BUND. "Die sind so komplex aufgebaut, dass die Wiederverwertbarkeit stark in Frage steht. 52 Prozent der Verpackungen, die im Gelben Sack landen, sind nicht recycelbar."

Darum riecht Recycling-Kunststoff oft unangenehm

In der Tat: "PET aus Flaschen ist derzeit der einzige Kunststoff, der in der EU nach der Wiederaufarbeitung für den direkten Lebensmittelkontakt verwendet wird und zugelassen ist", sagt Frauenhofer-Experte Sängerlaub. "Es ist technisch schwierig, Kunststoffe beim gegenwärtigen Recycling rein zu bekommen. Es bleiben oft Rückstände anderer Verpackungsmaterialien, bisweilen auch geringe Mengen Lebensmittelreste." Das fällt auch Otto Normalverbraucher auf: Recycling-Kunststoff riecht häufig unangenehm.

Indes macht auch die EU Druck im Kampf gegen Plastik: Sie will Wattestäbchen, Strohhalme und Einweggeschirr untersagen. Die Bundesregierung unterstützt den Vorschlag der EU-Kommission für ein Verbot. "Wir werden in Brüssel entschieden für ein Verbot von überflüssigem Einweg-Plastik eintreten", sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Doch vom EU-Ziel, wonach bis 2030 nur wiederverwertbare Materialien in Verpackungen zum Einsatz kommen sollen, sind Wissenschaft und Industrie noch weit entfernt: "In diesem Bereich gibt es noch viel Forschungsbedarf", sagt Frauenhofer-Experte Sängerlaub.

Nicht nur der Konsument hat Schuld

Der BUND hält nichts davon, allein das Konsumverhalten der Bürger verantwortlich zu machen: "Industrie und Handel haben eine Verantwortung, dass dieser Wahnsinn aufhört", sagt Buschmann. "Wir brauchen Anreize und den Druck aus der Politik, das in die richtige Richtung zu drücken." 

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Diese Winterjacken sind diese Saison im Trend
bei TOM TAILOR
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Heim & Garten > Haushaltstipps > Müll

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018