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Meinung Milliarden für E-Auto-Batterien Die Schnapsidee vom Deutschland-Akku

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld 10.12.2019, 14:31 Uhr
Ein E-Auto an einer Ladestation: An technischen Universitäten wird mit Hochdruck an neuen Batterie-Generationen geforscht.
Ein E-Auto an einer Ladestation: An technischen Universitäten wird mit Hochdruck an neuen Batterie-Generationen geforscht. (Quelle: Imago Images/Cavan Images)

Es scheint nichts Aufregenderes für die deutsche Wirtschaft zu geben als die Herstellung von Batteriezellen. Doch auf diesen Plänen liegt kein Segen.

Lange galten Batterien als das langweiligste Produkt überhaupt. Die billige Massenfertigung mäßig leistungsfähiger Stromspeicher sei nichts für Deutschland, spottete die deutsche Industrie über Energiewende-Missionare aus der Politik. Damals wollte noch niemand ein E-Auto kaufen. Kaum jemand suchte nach einem Speicher für die Solarenergie vom eigenen Dach, geschweige denn nach einer Großbatterie für überschüssigen Ökostrom. Der technische Durchbruch für innovative Speicher werde frühestens für die Mitte der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts erwartet – diesem müsse man gelassen entgegensehen. So hieß es.

Elektromobilität bisher sehr kostenintensiv

Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Im Augenblick sieht es so aus, als gäbe es nichts Aufregenderes, als künftig europäische Lithium-Ionen-Batteriezellen für Elektromobile zu bauen. 1,25 Milliarden Euro an Subventionen ließ sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) von der Europäischen Kommission absegnen. Frankreich ist mit einem Förderetat von etwas weniger als einer Milliarde Euro dabei. Fünf weitere Länder und 17 Unternehmen ziehen in der geplanten europäischen Batterieallianz mit. Mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro Staatshilfe starten die Länder Europas ihre Aufholjagd. Diesmal werde sich der alte Kontinent nicht abhängen lassen, sagen die Wirtschaftsminister in finsterer Entschlossenheit. Man sei zwar spät dran, doch noch sei Europa nicht verloren. Angesichts der geballten politischen Energie für das Thema scheut man sich fast, es zu sagen: Aber wahrscheinlich lagen die Autohersteller in der Vergangenheit mit ihrer Zurückhaltung weniger falsch als mit ihrer Begeisterung heute.

Klar ist, dass sehr schnell sehr viele sehr gute Batterien gebaut werden müssen. Das wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit lang auf der Basis der Lithium-Ionen-Technologie passieren, bei der Lithium-Ionen beim Laden und Entladen zwischen den Elektroden wandern. In den nächsten Jahren müssen diese Batterien kleiner, leistungsfähiger, langlebiger und schneller ladbar werden, nach Möglichkeit auch preiswerter. Nur wenn diese Herausforderung bewältigt wird, hat die E-Mobilität tatsächlich eine echte Chance.

Leistungsfähige Speicher werden gebraucht

Doch es geht nicht nur um Mobilität. Fast noch wichtiger ist die Rolle vieler dezentraler Speicher für die Energiewende. Wenn in zwanzig Jahren alle Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet sind, müssen sehr leistungsfähige Speicher dafür sorgen, dass auch nachts und an sonnen- und windarmen Tagen Strom fließt. An der strategischen Bedeutung der Speicherproduktion herrscht also kein Zweifel.

Aber warum müssen diese Batterien jetzt in Deutschland gebaut werden? Das Land mit den weltweit höchsten Strompreisen soll sich ausgerechnet um die energieintensive Endfertigung einer Technologie bewerben, die mit Sicherheit in zehn oder 15 Jahren durch eine bessere abgelöst werden wird? Klingt erst einmal nicht besonders überzeugend.

Markt für Elektroauto-Batterien wird wachsen

Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet vor, dass Batterien für 40 Prozent der Wertschöpfung eines E-Autos gut sind. Wer die Batterien lieber importieren wolle, verzichte auch auf den Gewinn, auf Produktions-Standorte und vor allem auf Arbeitsplätze. Die Europäische Kommission schätzt zudem, dass der Markt enorm wachsen wird. In den kommenden fünf Jahren würden europaweit 250 Milliarden Euro für Auto-Batterien ausgegeben.

Kein Wunder, dass Europas Politik die Unternehmen drängt, dabei zu sein. Wer fürchtet, dass Digitalisierung und Klimaschutz in der Industrie demnächst schon hunderttausende Jobs vernichten, findet es verlockend, sich im stark wachsenden Segment der Speicherherstellung zu engagieren.

Lithium-Ionen-Technologie wird bald abgelöst

Und doch ist es nicht klug, jetzt staatlicherseits große neue Batteriefabriken anzuregen. Zum einen wird der erwartete Gewinn an Geld und Arbeitsplätzen nicht so groß sein, wie vom Wirtschaftsministerium erhofft: Denn schon heute findet ein guter Teil der Wertschöpfung in Deutschland statt, in den Fabrikhallen der chemischen Industrie. Es würde sich also gar nicht so viel Potenzial nach Europa verlagern, wenn nun auch die Endfertigung hier stattfinden soll. Bei BASF werden beispielsweise die Komponenten und Materialien für moderne Batterien hergestellt. Das Unternehmen plant eine neue Kathodenfabrik in Brandenburg. Wenn diese Kathoden – Batterien brauchen zwei Pole, um laden und entladen zu können, eine Kathode und eine Anode – beispielsweise demnächst an die Batteriezell-Fertigung von Tesla in Grünheide bei Berlin geliefert werden, fällt der zusätzliche Gewinn nicht mehr so spektakulär aus.

Zum anderen wird an technischen Universitäten mit Hochdruck an neuen Batterie-Generationen geforscht. Schon in wenigen Jahren könnten die heute gebräuchlichen Lithium-Ionen-Module durch Feststoffbatterien oder andere Speicher abgelöst werden.


Für die Lithium-Ionen-Technologie aber ist abzusehen, dass die jetzt angelockten Firmen den Standort solange bespielen, wie das Staatsgeld fließt. Wenn die Stütze versiegt, werden die Arbeitsplätze vermutlich wieder dahin verlegt, wo sie heute sind: nach Asien, vor allem nach China und Korea.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast „Tonspur Wissen“.

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