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Wein: Investment in Wein

Gutes Geld mit dem roten Gold

14.10.2013, 18:53 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Wein: Investment in Wein. Worauf Sie beim Investment in Wein achten müssen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Worauf Sie beim Investment in Wein achten müssen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn er keine Rendite bringt, dann wird er eben getrunken – diese Einstellung ist der Anfang aller Dinge beim Wein-Investment. Denn sie schützt Sie vor Enttäuschungen, die trotz aller Rendite-Chancen bestehen. wanted.de listet die Faktoren zum erfolgreichen Wein-Investment auf.

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Sachwerte sind gefragt: Die Notenbanken der Welt drucken Geld und pumpen mit dem Ankauf eigener Staatsanleihen Milliarden in den Markt, um die Konjunktur anzukurbeln und Schuldenstaaten zu retten. Ergo sinken die Zinsen – einige Banken in Deutschland bieten zurzeit 0,1 Prozent für Festgeld. Was liegt angesichts dieser mickrigen Zinsen näher, als die Jagd nach Rendite durch den Kauf eines guten Weines mit dem Genuss zu verbinden.

Wein brachte in den vergangenen Jahren sagenhafte Gewinne, hochwertiger Rebensaft hat sich international mittlerweile sogar als eigene Anlageklasse etabliert: So hat das Londoner Auktionshaus Sotheby's bei einer Auktion im Oktober 2010 in Hongkong für eine Flasche 1869 Lafite-Rothschild einen Preis von 232.369 Dollar, also 170.400 Euro, erzielt.
Wertsteigerungen sind kein Wunder, denn die Anbaufläche von Wein ist nicht beliebig vermehrbar – gleichzeitig wächst die reiche Mittelschicht in den Schwellenländern und die Weltbevölkerung sowieso. >>

Zudem verschwindet durch die Verkostung kontinuierlich ein Teil der Ware vom Markt – wenn Sie also diszipliniert sind, werden Ihre Bestände immer wertvoller.

Auch Wein kann Verluste bringen

Doch auch Weinpreise schwanken – genau wie bei jeder Wertanlage spielen Rezessionen wie in Südeuropa oder steigende Zölle wie in China für Premier Crus eine wichtige Rolle. Und gerade bei Bordeaux-Weinen hat der Weinpapst Robert Parker in den vergangenen Jahren für kräftige Preissteigerungen gesorgt, die einige als Blase kritisieren. Mittlerweile sind die Preise wieder abgekühlt: Der Liv-ex Fine Wine 100, das ist der Leitindex der Londoner Internet-Weinbörse Liv-ex für edle Weine, der die Preise von 100 überwiegend französischen Tropfen abbildet, hat einst mit rund 95 Punkten begonnen. Rund zehn Jahre später erreichte er im Spätsommer 2011 über 350 Zähler. Ende April 2013 stand der monatlich ermittelte Index aber nur noch bei 276,17 Punkten.

Lesen Sie sich ein und kaufen Sie nur die besten Weine

Der wichtigste Tipp für alle Anleger lautet: Machen Sie sich schlau, damit Sie wissen, was Sie kaufen. Lesen Sie den "Decanter", und den "Wine Spectator". Die dort hoch gerankten Weine versprechen die höchste Wertsteigerung. Und studieren Sie den Wirtschaftsteil, um die Welt zu verstehen. Das große Wachstum beim Wein kommt zurzeit vor allem aus der neuen Supermacht China, hier gilt: je teurer, desto besser. Die Chinesen setzen auf schwere Bordeaux-Weine. Nicht umsonst verkaufte Robert Parker seinen Anteil am Wine Advocate im Dezember 2012 für zwölf Millionen Dollar – für den Weinpapst hat sich das Thema Rebensaft also definitiv gelohnt. Natürlich ist nun die Unabhängigkeit seines Briefes dahin, dennoch ist er für Sie eine wichtige Quelle: Presseberichen zufolge werden malaysische Investoren den Newsletter weiterlaufen lassen – und damit den chinesischen Markt bedienen. Ein Büro in Singapur soll dabei weiterhelfen. Neuer Großaktionär ist ein Manager namens Soo Hoo Khoon Peng, der laut dem Wein-Magazin Decanter enge Beziehungen zum Händler Hermitage Wine unterhält. Was also künftig der Wine Advocate empfiehlt, dürfte auf dem chinesischen Markt bestens einschlagen. Wie der Rest der Weinwelt auf die angeschlagene Unabhängigkeit reagiert, ist eine andere Frage.

Nur edle Tropfen mit einem Ranking von 96-100 Punkten taugen als Investmentweine. Die Blue Chips – also das Pendant zu den besten Aktien in einem Börsen-Index – haben mit wenigen Ausnahmen 99/100 oder 100/100 Punkte. Vergessen Sie angebliche Schnäppchen – jedes Jahr versuchen Dutzende neue Rote – und diese stellen das Gros der Investment-Weine –  in den Markt für Top-Weine vorzustoßen. Kaufen Sie ältere Jahrgänge, deren Qualität bereits feststeht.
Die Risiko-Alternative für den privaten Sammler: neuen Wein kaufen, bevor er in der Flasche ist, das wird "subskribieren" genannt. Bei einem Kauf en primeur, also zum ersten möglichen Kauftermin vor der Flaschenabfüllung, gehen Sie aber eine Wette auf die Zukunft ein. Doch gleich die Einschränkung: Otto Normalverbraucher kommt an Spitzenweine nur schwer heran – die Top-Weingüter verkaufen ihren Wein nicht an Jedermann, sondern nur an ausgesuchte Händler. Auktionshäuser wie die weltweit wichtigen Christies und Sotheby’s, aber auch Koppe & Partner, MWC oder Wermuth, Steinfels in der Schweiz verkaufen jährlich Weine für mehrere Millionen Euro. Hier können Sie ihren Wein auch wieder loswerden.
Nur maximal ein bis fünf Prozent aller produzierten Weine eignen sich als Anlageprodukt. Beim Investment dominiert Frankreich, Kalifornien ist im Kommen. Italiener und Spanier rangieren dahinter, Deutschland, Australien und Südafrika haben allenfalls Außenseiter-Chancen. Streuen Sie Ihre Käufe ein wenig, aber konzentrieren Sie sich vor allem auf Bordeaux, Burgund und Cotes du Rhone. Hier gibt es die Weingüter mit der ältesten handwerklichen Tradition und den besten Verbindungen zu den Gourmet-Tempeln von Paris. >>

Zudem sind sie durch Robert Parker weltweit bekannt geworden. Kaufen Sie nur die Top-Marken, etwa Chateau Pétrus, Chateau Mouton-Rothschild, Haut Brion, Chateau Margaux oder Chateau Latour. In Italien ist Sassicaia gefragt, bei Weißen schaffen es fast nur Champagner von Krug oder Louis Roederer in die höchsten Investment-Sphären.

Geben Sie Ihr gutes Geld vor allem nicht blind an einen dubiosen Berater. In den vergangenen Monaten häuften sich die Beschwerden über zwielichtige Firmen, die zwar über Weinfonds das Kapital der Anleger einkassierten, aber keinen Wein lieferten. Bei Fonds müssen Sie aufpassen, dass die Spreads – also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs nicht zu groß ist. Große und renommierte Weinhändler wie Carl Tesdorpf oder Belvini beraten Sie gerne beim Kauf.
Immer wieder ein Streitpunkt bei Sammlern ist die richtige Lagerung: Der Wein muss liegen, damit der Korken nicht austrocknet. Nur wenn Flasche und Etikett unversehrt sind, lassen sich Top-Preise erzielen. Wichtig ist ein Keller mit konstanten Temperaturen von jahrein, jahraus zehn bis 14 Grad Celsius – am besten ein historisches Haus mit gestampftem Lehmboden, der überschüssige Feuchtigkeit aufnimmt und bei Trockenheit wieder abgibt. Das hat nicht jeder: Die Anschaffung eines isolierten Kellerraumes mit speziellen Weinklimageräten, Regalen und Platz für Holzkisten kann tausende von Euros verschlingen. Der Wein muss erschütterungsfrei lagern und darf selten Licht abbekommen. Die Luftfeuchtigkeit sollte konstant bei 65 bis 85 Prozent liegen. Die Alternative: Sie gehen gleich zum Profi. Die Winebank in Eltville am Rhein bietet wohltemperierte Privat-Depots in einem echten Weinkeller.
Kaufen Sie auch große Flaschen – viele Genießer ziehen eine Magnum- (1,5 Liter) oder Doppelmagnum-Flasche (drei Liter) beim Ausschenken zu besonderen Anlässen der herkömmlichen Größe vor. Legen Sie mindestens 5000 Euro, besser 10.000 bis 12.000 Euro für ein Investment beiseite.
So viel müssen Sie für eine Zwölfer-Kiste mit gutem Bordeaux hinblättern. Kaufen Sie daher auch Top-Weine in der Kiste – suchen Sie nach der Bezeichnung Original Holzkisten (OHK) mit Herkunftsnachweis. Beim Wiederverkauf werden Sie feststellen, dass zwölf Flaschen in der OHK um einiges mehr bringen als 12 Einzelflaschen, die Kiste bietet ja auch Schutz. Bewahren Sie alle Dokumente auf – Sie sollten den Weg des Weines lückenlos nachvollziehen können.
Fazit: Bedenken Sie: Wein ist kein Gut, das sich bei jeder Sparkasse schnell zu Geld machen lässt – hier ist Geduld gefragt. Sie sollten für Ihr Investment in Top-Weine fünf bis zehn Jahre einrechnen. Dann erst gelangen viele junge Spitzenweine zur ersten Trinkreife, dann steigt die Nachfrage und das Angebot schrumpft.

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