Sie sind hier: Home > Leben > Essen & Trinken >

Craft Beer: Das ist der neue Biertrend

Craft Beer: Das ist der neue Biertrend

01.07.2013, 13:01 Uhr | Frank Lanksy, wanted.de

Craft Beer: Das ist der neue Biertrend. Brauen Sie doch mal Ihr eigenes Bier.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Brauen Sie doch mal Ihr eigenes Bier. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kampfansage an der Bierfront: Wenn es nach den Anhängern der Craft-Beer-Bewegung geht, dann braucht Deutschland neue und bessere Biere. Diesen Maximalisten sind viele heimische Biere zu herkömmlich und nicht exotisch genug – und deshalb müssen intensive und zum Teil extreme Sorten den Genießer von eingefahrenen Wegen abbringen. wanted.de hat sich umgeschaut.

Eine neue Genuss-Welle rollt durch das Land: Exklusives Craft Beer ist sprichwörtlich in aller Munde. Sagen zumindest die Profis, die für die Feinschmecker in Deutschland edle Manufaktur-Biere brauen. Das große Vorbild ist die USA, wo kleine Brauereien mit überraschenden Designer-Bieren auf sich aufmerksam machen. "Wer Bier mit Amerika in Verbindung bringt, denkt unweigerlich an Lightbiere ohne Geschmack. Dieses Vorurteil sollten Sie vergessen," erläutert Manuel Giesinger vom Bier-Blog Bier-Entdecken.de auf Anfrage von wanted.de. Und weiter: "Der Trend hin zu Craft Beer schwappt über den großen Teich. Die Nachfrage der Bierliebhaber hierzulande ist hoch und zeigt den Wunsch nach Bieren, die sich vom Mainstream abheben."

Ausgerechnet also Amerika soll das Vorbild für die neue deutsche Bierkultur sein. Nach der Prohibition hatten nur rund 30 Brauereien überlebt – und die mussten sich dank des riesigen Marktes nicht großartig um Qualität oder Vielfalt kümmern. >>

Das störte viele kleine Bier-Enthusiasten, die sich nun einfach ihr eigenes Bier brauten. Diese Homebrewer wurden Ende der 60er Jahre legalisiert. Daraus wurden vielfach Microbreweries, die den Pub um die Ecke belieferten. Und schließlich entstanden größere Manufakturen, die fast vergessene Biersorten reanimierten und heute noch lange nicht so groß sind, wie die Industriekombinate der Brauerei-Wirtschaft.

Da die Banken in Amerika bis zur Finanzkrise 2009 freizügig neue Darlehen vergaben, entstanden viele interessante neue Firmen. Heute gibt es in den USA rund 2500 Brauereien, mehr als 1000 sind in Planung. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 1400 Brauereien.

Edle Zutaten, neue Sorten, hoher Preis

Was aber genau ist ein Craft Brewer? Dies ist die Definition des US-Verbandes Craft Brewers Association: Erstens: Größe: Maximal sechs Million Barrel Ausstoß pro Jahr.

Das sind etwa sieben Millionen Hektoliter – alle deutschen Brauer liegen unter dieser Grenze. Zweitens: Traditionelle Herstellung. Drittens: Kein Global Player. Soll heißen: Weniger als 25 Prozent der Anteile sind in Besitz bei einem Großkonzern aus der Brauerei-Industrie.
Braufactum-Chef Marc Rauschmann gibt seine eigene Definition mit dazu: Für ihn ist ein Craft Brewer ein Brauer, der in engem Kontakt zur Szene steht, neue Stile und exotische Sorten anbietet. Die Radeberger-Tochter wurde im Mai 2010 gegründet, um interessante Nischen für hochpreisige Luxus-Biere zu erschließen. Tatsächlich sind fast alle Craft Biere um einiges teurer, als andere Gerstensäfte.

Bitterbier ist Trumpf Doch wer sich im Markt umschaut, stellt schnell fest, dass die Szene um die Sorte India Pale Ale kreist. Pale Ale ist eine alte britische Sorte obergäriges Bier; mit einer Extra-Portion Hopfen wurde es für den Transport in die Kronkolonie Indien vor dem Umkippen bewahrt. "Wir holen die Genießer mit diesem bitteren Stil beim Pils ab", erläutert Rauschmann im Gespräch mit wanted.de. Und er schwärmt von den vielen Geschmacksrichtungen, die diese dunkelgoldene, fruchtige Sorte mit sich bringt. Doch er warnt auch: "Ein IPA mit  den tollen Hopfenaromen und der höheren Bitterkeit leidet rasch, wenn man es nicht angemessen kühl transportiert und lagert oder schnell trinkt." Der Braufactum-Chef verweist auf die geschlossene Kühlkette seiner Firma: Die Biere stehen gekühlt im Lager und werden mit einem Kühl-Laster an die Märkte ausgeliefert. Im Supermarkt stehen die Biere in einem eigenen Kühlschrank. Das auf rund fünf Grad herunter gekühlte Bier wird im Sommer mit Schutzfolie und Kühlpad an die Webshopkunden über Nacht ausgeliefert. Craft Beer made in Germany

Offensichtlich kommen die neuen Produkte gut an – Blogs und Bier-Bewertungen schießen wie Pilze aus dem Boden, verkauft werden die neuen Sorten vor allem in den Großstädten, wo Genießer mit Geld gerne Neues ausprobieren, was nicht jeder hat. Die Brauer springen auf den fahrenden Zug auf.

Ein Beispiel ist die Störtebeker Braumanufaktur, sie firmierte bis zum Jahresende 2011 unter dem Namen Stralsunder Brauerei GmbH. Mit einer Menge Anglizismen und Events wirbt Ratsherrn aus Hamburg. So lautet der Slogan "Just Craft. Real Taste". Ratsherrn ist im hippen Karolinenviertel nahe dem noch hipperen Schanzenviertel angesiedelt und gehört der Nordmann Unternehmensgruppe, die seit 1908 existiert und Getränke wie Apollinaris, Sinalco oder Bier vertrieben hat.
Hinter der Marke Maisel and Friends verbirgt sich die traditionsreiche Bayreuther Privatbrauerei Gebrüder Maisel KG, die 1887 gegründet wurde und der unter anderem Maisel’s Weisse gehört. Und Camba Bavaria ist ausgerechnet im Bier-Mekka Bayern angesiedelt. Camba heißt auf lateinisch "Bein" oder "Fessel" – der Zusammenhang mit dem fliegenden Fisch im Wappen erschließt sich nicht. Vielleicht soll dies heißen, dass sich der Brauer von den Fesseln des Herkömmlichen gelöst hat.
Ein weiteres Beispiel ist Pax Bräu in Oberelsbach. Der Ein-Mann-Betrieb produziert rund 300 Hektoliter pro Jahr. Das Motto von Andreas Seufert: "Lasst uns Schwerter zu Zapfhähnen schmieden". Das Logo mit dem wahrscheinlich durstigen Schmied hätte der DDR-Staatspartei SED sicher auch gefallen.

So viel Neues im Bier-Markt hat uns neugierig gemacht – wir haben in der Redaktion zwei große Tests durchgezogen. Unser Fazit: Die wanted.de-Redaktion steht der Bier-Revolution positiv gegenüber. Jedenfalls solange sich die Bitterkeit in Grenzen hält – Indian Pale Ales sind nicht unser Ding. Wir bekennen uns als Widerstandsnest des Traditionalismus und setzen auf malzige, leichte, süße Biere und auf Weizen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal