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Leckeres Essen soll schmecken

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Ist kochen heute eine Facebook-Tätigkeit?

22.11.2013, 14:27 Uhr | GQ-Autor Peter Praschl

Leckeres Essen soll schmecken. Beim Kochen ist die Optik ist egal. (Quelle: imago/INSADCO)

Beim Kochen ist die Optik ist egal. (Quelle: INSADCO/imago)

Die Optik ist egal. Und: Beim Kochen bitte entspannen, meint GQ-Autor Peter Praschl angefressen.

Foto-Serie mit 4 Bildern

Das Schlimmste am Kochfimmel, der die Mittelschicht befallen hat, ist der Drang, auch optisch zu überzeugen. Deswegen bekommt man keinen Salat mehr, den der Koch nicht abschließend mit Balsamicocreme-Schnörkeln signiert hat, Beilagen werden zu architektonischen Gebilden arrangiert, Kräuterstengel in Parmablätter eingewickelt. Angeblich sieht das alles besser aus. Das ist die Ideologie von Leuten, die aus ehemals zum Vergnügen erfundenen Tätigkeiten, vom Tangotanzen bis zum Kinderkriegen, eine Ideologie machen.

Schuld an diesem Gefälligkeitstaumel ist vermutlich auch der Umstand, dass das Kochen längst eine Facebook-Tätigkeit geworden ist - nicht dazu da, sich selbst zu ernähren, sondern andere mit Bildern zu füttern. Seit es die Möglichkeit gibt, alles, was man tut, hat, sieht und hört, eine Sekunde später auf eine Facebook-Seite hochzujagen, wissen viele gar nicht mehr, warum sie etwas machen. >>

Wenn Sie zum Beispiel in eine dieser Berliner Wohnungen kommen, in denen die Prekariats-Bohemiens leben, befällt Sie schon in der Diele das klamme Gefühl, dass bis knapp vor Ihrer Ankunft ein Stylist zugange war, der die Hipster-Zeitschriften der Bewohner Ecke auf Ecke und Kante auf Kante geschlichtet hat.

Mit dem Kochen verhält es sich genauso. Es geht darum, etwas auf den Teller zu legen, das man dann fotografieren könnte, um es einige Sekunden später im Internet öffentlich zu machen und sich dafür bejubeln zu lassen.

Als ich dieses Prinzip endlich verstand, habe ich beschlossen, die moderne Welt noch ein wenig mehr zu verachten. Weil sie so eitel geworden ist. Auf die lächerliche Leistung, dass man es tatsächlich schafft, ein Essen zu kochen, einen Tisch zu decken oder in einer Wohnung zu leben, die nicht aussieht wie die vermüllten Häuser bei Tine Wittler. >>

Was das Kochen und Essen betrifft, kommt es auf genau zwei Dinge an: dass das Zeug schmeckt und dass man sich mit beidem nicht groß beschäftigen muss, weder am Herd noch bei Tisch. Es gibt schließlich Wichtigeres im Leben. In meinem auf jeden Fall. Deswegen bekommen Sie von mir in diesem Monat ein Gericht empfohlen, das nach nicht mehr aussieht als nach einem dampfenden Haufen Essen. Es macht visuell nichts her, benötigt kaum Arbeit, mit der Sie sich hinterher brüsten könnten, und schmeckt dennoch fantastisch:

Rezept für einen dampfenden Haufen Essen

Sie kaufen anderthalb Kilo allerbestes Gulaschfleisch vom Rind und sechs mittelgroße Zwiebeln. Sie schneiden das Fleisch in nicht allzu kleine Würfel und machen mit den Zwiebeln das Gleiche. Sie braten beides in einem anständig beschichteten Topf in Olivenöl und ein wenig Butter ein paar Minuten lang an. Sie schneiden ein paar Scheiben Möhren darüber, werfen zwei Lorbeerblätter und ein paar Zweige Thymian dazu, gießen mit einer Flasche Schwarzbier und einer Dose Rinderfonds auf und lassen die Sache gemütlich vor sich hin köcheln. Sie haben jetzt nichts mehr zu tun. Nur zu warten. Und Hunger zu bekommen. Sie setzen sich hin, lesen in der "Anna Karenina" oder markern die Grammatikfehler in der deutschen Qualitätstagespresse an. Oder schauen ins Leere. Arbeiten Sie nicht, lassen Sie das Gulasch arbeiten. Manchmal gucken Sie nach, wie es in Ihrem Topf aussieht, gießen vielleicht noch etwas Schwarzbier oder Rinderfonds nach, rühren ein wenig um, und irgendwann, nach einer guten Stunde, ist es fertig. Dann ist das Fleisch zart, die Zwiebeln haben sich in Stärke verwandelt, die Lorbeerblätter und die Thymianzweige haben ihren Geschmack abgegeben und können herausgefischt werden, das Schwarzbier hat für eine subtile Süße gesorgt, der Rinderfonds für Tiefe. Sie müssen jetzt noch salzen und pfeffern. Das ist Ihr Gulasch, das Sie satt und glücklich machen wird. Sie müssen es nicht einmal auf einen Teller bringen, Sie können auch gleich aus dem Topf essen, und fotografieren müssen Sie es auch nicht, weil das Foto unglaublich öde aussehen würde. Menschen mit Intelligenz und Selbstachtung brauchen keine Deko. Sondern bloß einen gut gefüllten Topf.

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