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65 Jahre Currywurst

Currywurst: Deutschlands Leibspeise wird 65

04.09.2014, 12:50 Uhr | Marc Reisner - wanted.de

65 Jahre Currywurst. Seit 65 Jahren ist die Currywurst Kult. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Seit 65 Jahren ist die Currywurst Kult.)

Seit 65 Jahren ist die Currywurst Kult. (Quelle: Seit 65 Jahren ist die Currywurst Kult./Thinkstock by Getty-Images)

In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, ist die Currywurst fit und jung wie nie. wanted.de gratuliert zum 65. Geburtstag des Kult-Snacks. Und der kann durchaus edel sein. wanted.de zeigt Ihnen wo es die teuersten und erfolgreichsten Currywürste der Republik gibt. Außerdem verrät uns DFB-Koch Holger Stromberg sein Currywurst-Geheimnis.

Foto-Serie mit 12 Bildern

Die Erfolgsstory der Currywurst beginnt am 4. September 1949. FDP-Mann Theodor Heuss steht kurz vor der Wahl zum ersten Bundespräsidenten. Erst seit gut einem Vierteljahr brummen die "Rosinenbomber" nicht mehr über die geteilte Stadt, weil die Sowjets ihre Berlinblockade aufgegeben haben. Der größte Hunger ist gestillt. Jetzt geht es an kulinarische Entdeckungen.

Erfolgspotenzial rasch erkannt

Und in ihrem kleinen Imbiss in Berlin-Wilmersdorf steht Herta Heuwer, 36 Jahre alt. Ehemann Kurt ist eben aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Nun muss die gebürtige Königsbergerin die kleine Familie mit schnellen Speisen über Wasser halten. Und wenn gerade keine Kunden da sind, experimentiert Heuwer mit Gewürzen und Zutaten neue Rezepte aus. Fest steht: Heuwer ist eine clevere Geschäftsfrau, die das Potenzial ihrer Currywurst rasch erkennt. Von da an strickt sie an der Legendenbildung.

So behauptet sie später immer wieder, am Abend des 4. September habe es kräftig geregnet: "Es goss kleene Kinderköppe, keen Mensch war in meiner Bude." Aus Langeweile habe sie dann an ihrer Soßenkreation getüftelt. Tatsächlich war der Tag jedoch sonnig und trocken, wie Wetteraufzeichnungen belegen.

"Ich hab’ das Patent"

Und auch der Satz, mit dem Heuwer bis ins hohe Alter – sie starb am 3. Juli 1999 in Berlin – Ungläubige immer wieder abbügelte: "Ich hab’ das Patent – und damit basta!", ist so nicht richtig. Denn Heuwer hat sich 1959 lediglich "das Wort ‚Chillup‘ mit einer bestimmten Schriftzuggestaltung als Warenzeichen für eine Spezialsoße eintragen lassen", wie eine Patentamts-Sprecherin mitteilt. Wie auch immer – Herta Heuwer vermarktete die Currywurst viele Jahre lang mit großem Erfolg als "eine von uns erdachte Berliner Spezialität" und hatte damit sicher Recht. Überhaupt ist die Kombi aus Currywurst und Spree-Metropole schwer zu trennen.

"Die Currywurst gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Traditionell und unkonventionell zugleich ist sie das kulinarische Wahrzeichen der Hauptstadt", teilt das Deutsche Currywurst Museum mit. Die Ausstellung im Herzen der Stadt, nur ein paar Meter vom Checkpoint Charlie entfernt, ist einzigartig und befasst sich mit den verschiedensten Facetten des Snacks.

Minderwertige Zutaten sind ein No-Go! Zur Qualität der Currywurst sagt Sterne- und DFB-Koch Holger Stromberg: "Die Zutaten machen eine gute Wurst aus, denn die Würze und der Geschmack tragen die Handschrift des Erzeugers." "Extrem scharf darf sie nicht sein", bestätigt auch Gastronomie-Fachmann Klewinghaus, der einst die wohl teuerste Currywurst der Welt servierte. Eine Sauce mit Pepp und eigenem Charakter müsse es sein, kein Currypulver obendrauf, das am Gaumen klebe, und vor allem wenig Zucker, der dazu da sei, die Esser durstig zu machen und dem Wirt zu Umsatz zu verhelfen. Auch Stromberg hält "durchaus die Sauce für entscheidend". Allerdings überdecke sie das, was bei der Wurst manchmal im Argen liege. "Minderwertige Zutaten sind ein No-Go! Nur wo Gutes drin ist, kommt auch Gutes raus." Klewinghaus dagegen hält das Fleisch für besonders wichtig, stimmt aber zu: "Wurst und Sauce – da muss beides passen." Currywurst geht auch teuer

Die Zutaten machen Currywürste potenziell teuer. Mal ist es der mit servierte Champagner, dann wieder edles Chichi. "Blattgold? Das sind kreative Ausflüge, die ich persönlich nicht brauche", urteilt Holger Stromberg, Currywurst-affiner Sternekoch und Küchenchef der Fußball-Nationalmannschaft, "aber bitte – jeder nach seiner Facon, Gaumen und Gusto." Wer auf die Suche nach besonders hochpreisigen Produkten geht, wird vor allem in den Edelhotels fündig, die den teuer zahlenden Gästen gepimpte Currywürste als (deutsche) Spezialität verkaufen. Zum Beispiel das Savoy in Köln: Auf der Speisekarte findet sich dort eine "Bio-Currywurst mit Beilagensalat" für immerhin 14,50 Euro.

Immerhin 17 Euro werden im Berliner Adlon fällig. Dafür heißt das Gericht dort "Adlon-Currywurst vom Havelländer Apfelschwein" und wird mit Spezial-Currysauce und Pommes Frites serviert. Noch tiefer in die Tasche müssen Kunden der Curry Pirates greifen. Die Hamburger offerieren zahlungskräftiger Klientel die nach eigener Aussage "teuerste Bratwurst Deutschlands", die mit Kalbsfilet, Trüffel und Gänseleber gefüllt wird und stolze 20 Euro kostet.

Den Vogel abgeschossen hat allerdings Ernst-Wilhelm Klewinghaus, der einst in seinem noblen "Petit Délice" in Hamburg Currywurst mit Blattgold auf die Karte setzte und sie mit einem Schmuckstück aus Gold in Form eines Pommes Frites inklusive einem Brillanten adelte. Preis: 58.000 Euro. Allerdings, gibt Klewinghaus zu, griff selbst von den kaufkräftigen Hanseaten keiner zu.

Beliebteste Currywurst kommt von VW Die mit Abstand am häufigsten verkaufte und damit beliebteste Currywurst kommt aus Wolfsburg. Volkswagen fabriziert für die eigenen Beschäftigten seit 1973 Currywürste als Kantinenessen. Sogar eine eigene Schweinezucht unterhielt der Autobauer damals. Heute werden pro Jahr 6,4 Millionen Currywürste (2013) hergestellt und wandern in VW-Werken in elf Ländern, bei Heimspielen des Erstligisten und per Umweg über zahlreiche Supermärkte auf Teller und Pappschalen. Beliebt in ganz Deutschland

Begehrt ist die Currywurst in ganz Deutschland. Schließlich wandern bundesweit pro Jahr 800 Millionen Stück über die Imbisstresen, also rund zehn pro Bundesbürger. In Berlin steigt dieser Schnitt auf etwa 20 Würste je Hauptstädter. Klar, denn neben den Einheimischen lassen sich auch Ex-Bundeskanzler wie Gerhard Schröder und viele Touristen von der Lust auf den scharfen Imbiss anstecken. Und die stehen dann bei den klassischen Buden Schlange, allen voran die aus Ostberlin stammende Konnopke, dann Curry 36, Ku’Damm 195 und Krasselts.

Allen Gesundheitsaposteln zum Trotz, die gegen Fett und rotes Fleisch wettern – der Siegeszug der Currywurst geht weiter. Na dann, liebe Currywurst, auf die nächsten 65 Jahre!

Die Top-Adressen für gute Currywurst finden Sie in unserer Fotoshow.

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