Sie sind hier: Home > Leben > Essen & Trinken >

Die besten Restaurants Deutschlands

Wirklich gut oder nur gut gehypt?  

Die besten Restaurants Deutschlands

21.05.2015, 19:04 Uhr | Jörg Zipprick - wanted.de

Die besten Restaurants Deutschlands. wanted.de verrät, wo Sie Menüs finden, die Ihren Gaumen verwöhnen. (Quelle: www.bareiss.com)

wanted.de verrät, wo Sie Menüs finden, die Ihren Gaumen verwöhnen. (Quelle: www.bareiss.com)

Verwöhnte Gestalten, überflüssige Tellerdekoration, Zusatzstoff-Orgien und oberlehrerhaftes Personal. Ranglisten und Guides führen oft Restaurants auf den ersten Rängen, die mit gutem Essen wenig zu tun haben. Unser Autor Jörg Zipprick nennt Ihnen die besten Alternativen zu den gehypten und oft überteuerten Gourmet-Tempeln.

Wenn ich ein besseres Lokal betrete, eines von der Sorte, das sich nicht primär der Kalorienzufuhr widmet, dann möchte ich verwöhnt werden. Ich möchte gut, vielleicht sogar exzellent speisen. Ich trinke gern ein Glas Wein oder zwei, es muss nicht immer ein weltbekannter Bordeaux sein. Leider ist in bekannten Gourmet-Tempeln vieles Show - und die Liste der "50 besten Restaurants der Welt" ist gesponsert von einem der weltgrößten Hersteller industrieller Lebensmittel. Sie ist derart zusammenhangslos, wirr und konfus, dass sie eigentlich einen anderen Namen verdient: "Die meist gehypten Restaurants der Welt".

Ein Meister folgt keiner Mode

Die großen kulinarischen Meister laufen keinen Trends nach. Sie müssen sie nicht in jedem Fall selbst setzen, aber bleiben ihrem Stil treu. Die Moden ziehen an ihnen vorbei. Hier also meine Favoriten.

Gleich eine große Verbeugung vor dem Münchener Tantris, es ist die Keimzelle deutscher Spitzenküche. Heute kocht dort Hans Hass meist französisch oder mediterran inspiriert.

Landgasthöfe gehören eigentlich auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Ganz kann der Hirschen in Sulzburg seine Vergangenheit nicht verleugnen. Tochter Douce Steiner hat hier erfolgreich ihren fast schon legendären Vater Hans-Paul abgelöst. Auf die Tische kommen schnörkellose Gerichte, die sich an die französische Klassik anlehnen. Tim Raue in Berlin ist mit seinem gleichnamigen Restaurant vielleicht "Deutschlands bester Asiate". Aber natürlich imitiert er die asiatischen Gerichte nicht. Er respektiert ihre Grundidee und variiert sie.

Zu den ganz raren Köchen, die in Deutschland fast alles erreicht haben gehört Heinz Winkler. Der ist und bleibt in seiner Residenz Heinz Winkler ein ganz großer Koch der klassischen Schule, dessen Stärken auch bei Jus und Saucen liegen – das ist heute leider selten geworden. >>

Kontrastprogramm zur Klassik bietet das Seehotel Überfahrt mit der Küche von Christian Jürgens. In diesem Restaurant am Tegernsee gab es in den vergangenen Jahren etliche Hommagen an die spanische Avantgarde inklusive Einsatzes von Zusatzstoffen aus der Lebensmittelindustrie. Doch Jürgens schönste Gerichte brauchen kein artifizielles Feuerwerk, sie beruhen auf klaren Ideen und guten Zutaten.

Klaus Erfort vom Gästehaus Erfort in Saarbrücken kaspert nicht durch Kochshows und setzt sich auch sonst sparsam in Szene. Allerdings kocht er außergewöhnlich gut. Auch hier liegt die Schönheit oft in der Schlichtheit. Das Bareiss mit Chefkoch Claus-Peter Lumpp gehört zu den Restaurants, die Baiersbronn zur Hauptstadt der Feinschmecker machten. Markenzeichen des Hauses ist die perfekte, präzise und souveräne Küche die sich an französische Tradition anlehnt.

Eher klassisch kocht auch Helmut Thieltges vom Waldhotel Sonnora in Dreis. Legendär ist seine Rinderfilet-Tatar-Torte mit Kaviar auf Kartoffelrösti. Nun das Grande Finale: Deutschlands Nummer Eins bleibt für mich die Schwarzwaldstube in Baiersbronn. Hier gilt: Man kann anders kochen, jedoch nicht unbedingt besser.

Und es gibt weitere gute Gourmet-Tempel, die weniger im Rampenlicht stehen. Bernard Naegellen, der letzte der "großen" Direktoren des Guide Michelin (Amtszeit 1985-2001), hat mir einmal erklärt, dass nur fünf Prozent der Gäste schmeckbare Unterschiede zwischen einem Drei-Sterne-Haus und einem gut geführten Restaurant mit einem Stern feststellen. Recht hat er. Deshalb mein Tipp: Schauen Sie nicht nur auf die allerersten Ränge der Bestenlisten. Franz Kellers Adlerwirtschaft in Eltville, das 1622 im Jagdhotel Rose in Miltenberg, der Anker in Marktheidenfeld, Tillmann Hahns Gasthaus in Kühlungsborn – auch dort wirken engagierte, kenntnisreiche Köche. Wichtige Informationen für die Wahl eines Restaurants finden sich nicht in jedem Guide, wobei der Gault-Millau eine löbliche Ausnahme ist: >>

Wo liegt das Lokal? Wie ist das Ambiente? Stimmt der Service? Schließlich ist Essen an und für sich nur ein Teil des Restauranterlebnisses. Und: Ist der Gast hier eigentlich willkommen? Leider sind Fachkräfte manchmal wahre Stimmungstöter – einige scheinen sogar Spaß daran zu haben, jedes Gästegespräch zu unterbrechen. Ein Abend für zwei Personen in einem Top-Lokal kostet leicht über 500 Euro, es kann auch das Doppelte sein. Trotz dieser Summen weigert sich der Service häufig, ein Gericht bei der Bestellung zu erläutern oder ein Überraschungsmenü zu detaillieren.

"Das absolute Schwarz" - ein absoluter Reinfall

Blind geordert habe ich einmal eine Kreation namens "Das absolute Schwarz". Im Juni 2005 kostete es schlappe 220 Euro. Auf den Tisch kamen dann Kalbsbries mit schwarzen Oliven, ein Baiser von schwarzen Oliven sowie ein Blutwurst-Raviolo in grobem, dickem Teig, der schmeckte, als wäre er mit dem Vorschlaghammer ausgerollt worden. All das wurde zelebriert, als wäre im Preis das Privileg enthalten, an Napoleons Kaiserkrönung teilzuhaben. Zu solch dreister Abzocke gratuliere ich deshalb unterwürfigst, so etwas funktioniert nur mit drei Michelin-Sternen und einem Status als kulinarischer Magier oder Philosoph. Ganz nervös werde ich bei Anhäufungen von Kleinteilen, die auf Neudeutsch jetzt anscheinend "Mikroelemente" genannt werden. All dieses Gerüschte, Gezupfte und inzwischen auch Artifizielle, das unschuldige Lebensmittel in runde, quadratische, schäumende oder sonstwie abstrakte Gebilde verwandelt. Vielerorts wird heutzutage eher dekoriert als gekocht. Lassen Sie sich diese Schnöseleien nicht gefallen! Essen sollte wie Essen aussehen dürfen. Und es sollte wie Essen schmecken dürfen. Schon deshalb mag ich auch keine Köche, die mit beiden Händen in die prallen Zusatzstoff-Töpfe der Lebensmittel-Industrie greifen – natürlich ohne ihre Gäste zu informieren. Und doch: Es gibt noch Restaurants, die in jeder Hinsicht erstklassig sind. Einige meiner persönlichen Favoriten unter den Köchen und ihre Kreationen finden sie in der Foto-Show. Und wenn Sie etwas nachlesen wollen, dann empfehle ich die "Die 25 Besten" von Klaus Leciejewski, 20 Euro, erhältlich über www.buchgourmet.com. Die besten deutschsprachigen Köche (die auch in der Schweiz, Österreich und Südtirol arbeiten können) werden von Leciejewski getestet und detail- und kenntnisreich beschrieben. Während anderswo Testbudgets gestrichen werden und Kritiker als "Berater" bei Köchen anheuern, hat der Autor sein Buch selbst finanziert. Ein unabhängiges und sachkundiges Buch.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal