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Wie bio das Bio-Ei wirklich ist

dpa, Birgit Sander

Aktualisiert am 05.02.2018Lesedauer: 3 Min.
HĂŒhner mit Ei auf einem Bauernhof in Deutschland: Die HĂŒhner bekommen nur Bio-Futter und der Medikamenteneinsatz ist begrenzt.
HĂŒhner mit Ei auf einem Bauernhof in Deutschland: Die HĂŒhner bekommen nur Bio-Futter und der Medikamenteneinsatz ist begrenzt. (Quelle: Victoria Bonn-Meuser/dpa-bilder)
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Der Gedanke an idyllische HĂŒhnerhöfe, wo Bio-Eier im Stroh liegen, ist nicht aus der Welt zu kriegen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch Bio-Hennen mĂŒssen mit 3.000 Artgenossinnen in einem Raum klarkommen. Wenigstens haben sie mehr Platz im Stall und Auslauf.

Ist das Bio, wenn ein Betrieb 6.000, 15.000 oder 30.000 Legehennen hĂ€lt? Die Branche sagt: Ja. Mit kleinen HĂŒhnerhöfen wĂ€re die Nachfrage nach Bio-Eiern schon lange nicht mehr zu befriedigen. Nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist derzeit etwa jedes zehnte Ei ein Bio-Ei. Und Bio biete den Tieren bessere Lebensbedingungen.

Verbandsideal nur in Bio-LĂ€den zu finden

Entscheidend sei nicht die GrĂ¶ĂŸe eines Betriebes, sondern dass Bio-Betriebe den Hennen 50 Prozent mehr Platz im Stall und im Auslauf bieten als die konventionelle Freilandhaltung, erlĂ€utert BÖLW-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Röhrig. SelbstverstĂ€ndlich bekĂ€men die HĂŒhner nur Bio-Futter und der Medikamenteneinsatz sei begrenzt.

Die EU-Öko-Verordnung erlaubt maximal 3.000 Legehennen pro Stall. Wenn ein Betrieb mehrere 3.000er-StĂ€lle hat, ist das Röhrig zufolge in Ordnung, sofern der Auslauf stimmt und gewĂ€hrleistet ist, dass die Hennen nicht nur im Eingangsbereich zum Stall scharren und picken, sondern die gesamte FlĂ€che nutzen. Dazu brauchen sie UnterschlĂŒpfe zum Schutz vor Greifvögeln.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, Michael Wimmer, hĂ€lt das Vorgehen in Mecklenburg-Vorpommern fĂŒr sinnvoll. Dort werden seit 2015 nur noch Betriebe mit höchstens zweimal 3.000 Hennen pro StallgebĂ€ude gefördert. In solchen StĂ€llen komme es beim Auslauf nicht zum "Reihenmittelhaus-Effekt" mit nur einem schmalen, langen Streifen Auslauf vor dem GebĂ€ude.

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Besser als in der konventionellen Freilandhaltung als nĂ€chstbessere Kategorie gehe es den Bio-Hennen allemal, ist sich Wimmer sicher. "Wem das Wohl der Legehennen besonders am Herzen liegt (...), ist im Bio-Laden oder Bio-Supermarkt an der richtigen Adresse." Dort wĂŒrden ausschließlich Eier angeboten, die dem bĂ€uerlichen oder dem Verbandsideal entsprĂ€chen. Ein Ei aus einem Demeter-Betrieb kostet um die 50 Cent – nicht machbar im konventionellen Einzelhandel.

Betriebsaufspaltung gegen die vielen uneinheitlichen Kategorien bei Bio

Somit gibt es bei Bio lĂ€ngst mehrere Kategorien und außer dem europĂ€ischen Mindeststandard keine einheitlichen Regelungen. In dem Demeter-Betrieb Hufe 8 in Selow im Landkreis Rostock leben 6.600 Hennen in vier MobilstĂ€llen, die laut Röhrig als innovativste und besonders artgerechte Haltungsform gelten. Auch die HĂ€hnchen werden aufgezogen und nicht als EintagskĂŒken getötet, wie es in der konventionellen und ökologischen Produktion ĂŒberwiegend geschieht.

Im selben Landkreis hat mit dem Erzeugerzusammenschluss FĂŒrstenhof einer der grĂ¶ĂŸten Erzeuger von Bio-Eiern in der Bundesrepublik seinen Sitz. 23 Betriebe gehören dazu, berichtet GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Annalina Behrens. Zwölf von ihnen halten knapp 300.000 Legehennen, zwei haben Bio-Elterntiere fĂŒr den Nachwuchs und zwei Betriebe ziehen Junghennen und -hĂ€hne gemeinsam auf.

Weitere Betriebe sind fĂŒr Ackerbau und Futterproduktion zustĂ€ndig. Um den Kreislauf zu schließen, fehlt nur noch eine eigene BrĂŒterei, die im ersten Halbjahr 2018 geplant ist. Der Vorteil des Zusammenschlusses: "Die Bauern können sich auf ihre Kernkompetenz im Stall konzentrieren", sagt Behrens. Sie mĂŒssten sich nicht um AntrĂ€ge, BuchfĂŒhrung oder Vertrieb kĂŒmmern. Die Arbeitszeiten fĂŒr die Mitarbeiter seien besser zu regeln.

Die Höfe, die weit verstreut zwischen Volkenshagen bei Rostock und Feldberg an der Grenze zu Brandenburg liegen, versorgen 15.000 bis 33.000 Tiere. Damit liegen sie ĂŒber dem von der Organisation Foodwatch 2015 erfassten bundesweiten Durchschnitt von 13.500 Hennen je Bio-Betrieb. Maximal leben 18.000 Tiere unter einem Dach. Mehr dĂŒrften es nicht sein, sonst werde es mit dem Auslauf schwierig, sagt Behrens. Auch bei FĂŒrstenhof wird die 17-wöchige HĂ€hnchenaufzucht ĂŒber einen Aufschlag von 4 Cent auf ein "HĂ€hnlein-Ei" mitfinanziert.

Bio garantiert nicht die Gesundheit der Tiere

Trotz aller besseren Bestimmungen stammen Bio-Eier nicht nur von glĂŒcklichen, gesunden HĂŒhnern. Bei keiner Haltungsform sei die Tiergesundheit ein Kriterium, bemĂ€ngelt Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi. Man könne nie sicher sein, dass die Eier, die man kauft, von gesunden Tieren stammen.

"Es geht Tieren in Biobetrieben nicht unbedingt besser", meint er. Mit mehr Auslauf allein sei es nicht getan. Neben Parasiten plagten die Hennen hĂ€ufig KnochenbrĂŒche, da viel Kalzium in die Eierschalen gehe.

Behrens zufolge werden in den FĂŒrstenhof-Betrieben neuerdings sogenannte HĂŒhnerbonituren vorgenommen. Einmal im Quartal werde jedes Tier vom Kamm ĂŒber die Schnabelspitze und das Gefieder bis zur Kloake, dem Legeorgan, und den FĂŒĂŸen untersucht. Die Anregung sei vom Abnehmer Alnatura gekommen, der nur Eier von Hennen wolle, die "telegen" sind.

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