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Coffee to go: Umweltschützer fordern Pfand auf Kaffeebecher

Coffee to go  

Forderung nach Pfand auf Kaffeebecher

14.05.2018, 12:03 Uhr | dpa

Coffee to go: Umweltschützer fordern Pfand auf Kaffeebecher. Müll: Einweg-Kaffeebecher und Plastikschalen stapeln sich an einem Gehweg. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)

Müll: Einweg-Kaffeebecher und Plastikschalen stapeln sich an einem Gehweg. (Quelle: Gregor Fischer/dpa)

Der Coffee to go im Pappbecher ist schnell geholt, ausgetrunken und ebenso schnell wieder entsorgt – Tausende Tonnen Müll fallen dadurch jedes Jahr in Deutschland an. Umweltschützer fordern bundesweit Pfand auf Einwegbecher – in einigen Städten gibt es den bereits.

Jährlich landen fast drei Milliarden Coffee-to-go-Becher auf dem Müll – Tendenz steigend. Damit der Einwegbecher komplett verschwindet, ist nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe ein bundesweites Pfandsystem wie bei Getränkeflaschen nötig. Dabei sei auch die Politik gefordert: Unternehmen und Kunden müssten mehr bezahlen, wenn sie Einweg statt Mehrweg benutzten. "Die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Benutzung der Mehrwegbecher muss so einfach sein wie die der Einwegbecher", fordert Thomas Fischer, Leiter Abfallpolitik und Kreislaufwirtschaft bei der Umwelthilfe.

Inzwischen haben etliche Städte dem Pappbecher selbst den Kampf angesagt und Pfandsysteme für Mehrwegbecher eingeführt. Junge Leute und Kaffeetrinker in Szenevierteln greifen verstärkt zu den Pfandbechern, wie Erfahrungen zeigen. In keiner Stadt funktionieren die Mehrwegbechersysteme perfekt. Die Deutsche Umwelthilfe sieht diese trotzdem als Erfolg. "Die Erfahrungen werden auf lokaler Ebene gemacht", sagt Thomas Fischer, Leiter Abfallpolitik und Kreislaufwirtschaft. Das Ziel müsse aber ein bundesweites Pfandsystem sein – wie das für Getränkeflaschen.

Hannover, Oldenburg und Co. haben Pfandbecher eingeführt

Unter anderem in den folgenden Städten gibt es bereits Pfandsysteme: 

Hannover: "Hannoccino" heißt der rote Mehrwegbecher in Hannover, den man gegen zwei Euro Pfand in 150 Cafés und Geschäften bekommt. Er besteht überwiegend aus Teilen, die biologisch abbaubar sind. Im vergangenen August haben die Stadt und der Abfallwirtschaftsbetrieb aha den "Hannoccino" eingeführt. 50.000 sind zurzeit im Umlauf – und könnten nach Schätzungen von aha mindestens 5,2 Millionen Pappbecher im Jahr einsparen helfen. Gefragt ist das Mehrwegsystem vor allem in der Innenstadt und in den Szenevierteln. "Es geht auch immer darum: Wie aufgeklärt sind die Menschen und wie sehr setzen sie auf Nachhaltigkeit?", sagt Sprecherin Helene Herich.

Freiburg: Schon etwas mehr Erfahrung haben die Kollegen in Freiburg. Seit eineinhalb Jahren können Kunden in 112 Betrieben gegen einen Euro Pfand den "FreiburgCup" aus recyclingfähigem Kunststoff bekommen. "Unsere Mehrwegbecher kommen überwiegend bei jungen Leuten gut an", sagt Dieter Bootz vom Abfallwirtschaftsbetrieb ASF. Rund um die Uni nutzten 60 Prozent der Coffee-to-go-Trinker den weiß-grünen "FreiburgCup", woanders nur 20 bis 25 Prozent. Der Grund: "Es gibt Leute, die sind ihren Pappbecher gewohnt. Manche Kunden bestehen einfach drauf", sagt Bootz. Und die großen Kaffee- und Imbissketten – die immerhin den Großteil des To-go-Verkaufs ausmachen – beteiligen sich wie in Hannover nicht an dem System.

Oldenburg: Auch in Oldenburg sind zunehmend mehr Menschen mit einem Pfandbecher in der Hand unterwegs, hat Stadtbaurätin Gabriele Nießen beobachtet. Im vergangen September hat die Stadt ein Mehrwegsystem eingeführt. 50 Geschäfte geben die 8.500 Becher mit Stadtsilhouette gegen einen Euro Pfand aus. Doch das System sei noch nicht bei allen Kunden angekommen, sagt Nießen. "Wenn die Becher nicht vorne auf der Theke stehen und offensiv angeboten werden, läuft es schlechter." Deshalb will die Stadt jetzt noch einmal alle Gastronomen anschreiben.

Ein bundesweites Pfandsystem für Mehrwegbecher – das wollen auch Fabian Eckert und Florian Pachaly mit ihrem Start-up erreichen. Ihr Plan: Den Einwegbecher komplett verbannen. "Das ist etwas, was so unglaublich unnötig ist", sagt Eckert. Deshalb entwickelten die beiden Münchner Jungunternehmer den "Recup", einen Mehrwegbecher aus stabilem Kunststoff. Im September 2016 starteten sie ihr Pilotprojekt im nahe gelegenen Rosenheim. Seitdem hat es mehr als 20 Städte erreicht, darunter München, Berlin, Köln, Oldenburg und seit Kurzem auch Hamburg.

Coffee to go: Mehrwegbecher sind ökologisch das Beste

Pfandbecher für den Kaffee auf die Hand sind nachhaltiger als Pappbecher. Doch auch ihre Herstellung und das Recycling verschlingen Ressourcen. "Den eigenen Mehrwegbecher dabei zu haben, wäre natürlich ökologisch das Beste", sagt Julia Post, die vor drei Jahren die Initiative "Coffe to go again" gegründet hat. Cafés, die daran teilnehmen, füllen Kaffee nicht nur in mitgebrachte Becher ab, sondern belohnen die Kunden dafür zum Beispiel mit einem Rabatt. Mehr als 500 Betriebe in Deutschland tragen inzwischen das Logo der Kampagne.

Doch seinen eigenen Becher die ganze Zeit mitschleppen, darauf haben die wenigsten Lust. Nur ein Bruchteil der Verbraucher sei dazu bereit, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. "Das ist den meisten zu viel Aufwand." Und spontan ist der Coffe to go dann auch nicht mehr – an den Becher muss man schon vorher denken. Einfacher wäre es, den Kaffee mal wieder in aller Ruhe im Café zu genießen. Ganz ohne to go.

Verwendete Quellen:
  • dpa


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