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Frauenmilchbanken: Das steckt hinter den Initiativen

Von dpa
Aktualisiert am 03.06.2019Lesedauer: 4 Min.
Abgepumpte Muttermilch: Eine Muttermilchspende kann Frauen helfen, bei denen das Stillen nicht klappt.
Abgepumpte Muttermilch: Eine Muttermilchspende kann Frauen helfen, bei denen das Stillen nicht klappt. (Quelle: Aliseenko/getty-images-bilder)
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Blutspenden kennt jeder, aber Milchspenden? Frisch gebackene M├╝tter k├Ânnen ├╝bersch├╝ssige Muttermilch abgeben. Besonders Fr├╝hchen profitieren davon. Die Idee von Milchbanken ist schon 100 Jahre alt. Nun erleben die Einrichtungen ein Comeback.

Der Grund daf├╝r, dass Jana Bartsch zu einer besonderen Spenderin wurde, liegt mit hellen Strubbelhaaren in einem Babybett. Vor wenigen Monaten kam Emil als Fr├╝hchen mit 34 Wochen zur Welt. Operationen waren n├Âtig, er konnte nicht an die Mutterbrust.

Bartsch entschied, die Milch abzupumpen bis zu jenem Tag, an dem ihr Sohn selbstst├Ąndig trinken k├Ânnte. "Erst f├╝llte sich unser Gefrierschrank, dann der der Schwiegereltern", erz├Ąhlt die 29-J├Ąhrige. Auch in der Uniklinik Magdeburg, wo ihr Sohn neun Wochen lag, f├╝llte sich ein Fach. Schlie├člich spendete Jana Bartsch ihre Milch f├╝r andere Babys ÔÇô so wie inzwischen immer mehr Frauen in Deutschland.

Frauenmilchbanken erhalten derzeit ein Comeback

Die Idee von Muttermilchbanken, die schon 100 Jahre alt ist, bekommt in Deutschland gerade neuen Schwung. Noch 2016 gab es laut dem Leiter der Frauenmilchbank Magdeburg , Ralf B├Âttger, bundesweit 15 solche Einrichtungen. Inzwischen seien es 23 ÔÇô und weitere entstehen. Daf├╝r engagiert sich seit vorigem Jahr eine bundesweite Frauenmilchbank-Inititative, die B├Âttger mitgegr├╝ndet hat. "Wir setzen uns daf├╝r ein, dass in f├╝nf Jahren jedes Bundesland mindestens eine Frauenmilchbank haben wird und in Zukunft alle bed├╝rftigen Fr├╝hgeborenen Zugang zu Spenderinnenmilch aus einer Frauenmilchbank haben werden", sagt Anne Sunder-Pla├čmann von der Initiative.

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Muttermilch sei die beste Nahrung f├╝r Fr├╝h- und Neugeborene, betont B├Âttger. In handels├╝blicher Fr├╝hgeborenennahrung steckten zwar viele ├Ąhnliche Inhaltsstoffe, es k├Ânne aber bei weitem nicht jeder Bestandteil imitiert werden. Vorteile habe Muttermilch etwa f├╝r die Entwicklung des Immunsystems und den Schutz vor Infektionen. Diverse Erkrankungen seien bei Fr├╝hchen, die nat├╝rliche Milch bek├Ąmen, seltener. "Muttermilch bietet Schutz", bilanziert B├Âttger.

Muttermilch: Frauenmilchbanken bewahren die gespendete Muttermilch flaschenweise in der Tiefk├╝hltruhe auf.
Muttermilch: Frauenmilchbanken bewahren die gespendete Muttermilch flaschenweise in der Tiefk├╝hltruhe auf. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Wenn das Stillen nicht klappt

"Es gibt M├╝tter, die zu viel Milch haben", sagt der Neonatologe. Und es gebe im Gegenzug M├╝tter, die das Stillen aus verschiedenen Gr├╝nden nicht schafften ÔÇô da mache der Kopf nicht mit oder es fehlten die k├Ârperlichen Voraussetzungen. Damit deren Kinder dennoch gut gedeihen, bekommen sie die Milch der Spenderinnen. Das funktioniere etwa ├╝ber eine Sonde, wenn Fr├╝hchen noch nicht allein saugen k├Ânnten.

Bei Jana Bartsch steht die Milchpumpe griffbereit im Bad. Das Schuhkarton-gro├če Ger├Ąt erzeugt einen Unterdruck und pumpt die Milch von der Brust durch einen Trichter und einen Schlauch in eine Flasche. "Hier setze ich mich nachts hin", sagt die junge Mutter und zeigt auf einen Stuhl neben dem Waschbecken. Nachdem sie ihren Sohn gestillt habe und er eingeschlafen sei, dauere das nur wenige Minuten. Die Menge der Milch hat inzwischen schon deutlich abgenommen im Vergleich zum Anfang. "Damals habe ich eineinhalb Liter pro Tag produziert", berichtet die Krankenschwester. "Das wollte ich nicht wegkippen."

B├Âttger hat in der 2014 wiederer├Âffneten Frauenmilchbank Magdeburg schon mehr als 300 kleinen Patienten mit gespendeter Milch geholfen. Insgesamt h├Ątten sie 1.230 Liter von knapp 80 Spenderinnen erhalten. "Wir haben derzeit ausreichend Milch f├╝r unsere eigenen Patienten", sagt B├Âttger. Eine Milchspende l├Ąuft ├Ąhnlich ab wie eine Blutspende. Es muss klar sein, dass die Frau gesund ist, ein Fragebogen und ein Bluttest geh├Âren dazu. Zudem wird die Milch auf Keime untersucht.

Erste Sammelstelle vor 100 Jahren gegr├╝ndet

Die Geschichte der Magdeburger Frauenmilchbank reicht 100 Jahre zur├╝ck: Am 19. Mai 1919 wurde sie als erste Frauenmilch-Sammelstelle Deutschlands eingerichtet. Die Kinder├Ąrztin Marie-Elise Kayser war selbst Mutter geworden, hatte zu viel Milch und wusste um deren Wert. Das sprach sich herum und so brachten bald viele Frauen ihre ├╝bersch├╝ssige Milch in die Klinik. Auch in anderen St├Ądten entstanden Muttermilchbanken.

W├Ąhrend die DDR an den Einrichtungen festhielt, wurden sie in der Bundesrepublik in den 1970er Jahren geschlossen. "Ich denke, in der BRD waren es in erster Linie die verbesserte Industrienahrung und die massive Werbung f├╝r sie, die dazu f├╝hrten, dass die letzten Frauenmilchbanken in den Siebzigern geschlossen wurden", erl├Ąutert Anne Sunder-Pla├čmann von der Frauenmilchbank-Initiative. Das war noch vor HIV. In vielen anderen L├Ąndern war es das HI-Virus, das den Frauenmilchbanken den "Todessto├č" gab."

Ost-West-Gef├Ąlle bei Muttermilchbanken

Und so zeigt eine von der Initiative erstellte Karte der heutigen Frauenmilchbanken Deutschlands ein klares Ost-West-Gef├Ąlle: 15 sind in Ostdeutschland, nur acht im Westen. Neuer├Âffnungen gab es der Initiative zufolge 2018 in Augsburg und Vechta sowie 2019 in Hannover. Vorbereitungen laufen demnach f├╝r zwei weitere Einrichtungen, in Frankfurt am Main und in Wolfsburg.

Bislang tragen Kliniken, die eine Frauenmilchbank aufbauen wollen, die Kosten weitgehend selbst. Laut Frauenmilchbank-Initiative ist Niedersachsen das erste Bundesland, das Kliniken dabei unterst├╝tzt. "In anderen Bundesl├Ąndern scheitert der Aufbau von Frauenmilchbanken noch oft daran, dass Kliniken alle Kosten allein schultern m├╝ssen", erkl├Ąrt Sunder-Pla├čmann. Zwar k├Ânne Spenderinnenmilch f├╝r Fr├╝hgeborene ├╝berlebenswichtig sein ÔÇô dennoch ├╝bern├Ąhmen die Krankenkassen die Kosten f├╝r diese Ern├Ąhrung nicht.

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