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Online-Welten von Teenagern verstehen: Verbote helfen Eltern nicht

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Teenager online  

Online-Welten von Teenagern: Verbote helfen nicht

23.07.2013, 11:23 Uhr | dpa, dpa

Online-Welten von Teenagern verstehen: Verbote helfen Eltern nicht. Online-Welten von Teenagern: Verbote helfen Eltern nicht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Internet-Verbote wirken nicht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Stundenlang Computer spielen, Mutproben filmen und ins Netz stellen oder vor der Webcam strippen: Was Jugendliche heute so alles tun, macht viele Eltern ratlos. Mit Verboten kommen sie aber nicht weiter. Denn dann reißt die Kommunikation ab. Reden sei aber wichtig, um zu verstehen, was die Jugendlichen eigentlich antreibt, sagte der Medienpädagoge Professor Andreas de Bruin auf der Bildungsmesse Didacta 2010 in Köln.

Eltern sollten besser auf ihre eigene Jugendzeit zurückblicken und sich erinnern, was zum Beispiel Popmusik damals für die Jüngeren bedeutete. Sie beeinflusste die Kleidung, den Haarschnitt, den Freundeskreis und die politische Einstellung. Ähnliche Funktionen erfüllten heute Online-Welten für Jugendliche, sagte de Bruin, der an der Hochschule München lehrt.

Was fasziniert die Kids?

Auch empfehle es sich für Eltern, sich zeigen zu lassen, was die Jugendlichen im Internet machen - ohne das gleich zu bewerten. Dann finden sie eher heraus, was den Sohn oder die Tochter daran so fasziniert. Im nächsten Schritt gelte es, weitere Informationen zu sammeln. "Sie können sich einlesen", riet der Medienpädagoge.

Mit anderen austauschen

Oder Eltern fragen in der Schule an, um dort auf einem Elternabend Themen wie exzessives Computerspielen zu besprechen - möglicherweise zusammen mit einem Experten. "Wenn sie Institutionen einbinden, fühlen sich Eltern nicht so machtlos", sagte de Bruin. Außerdem könne es helfen, sich mit anderen Eltern auszutauschen. "Fragen Sie: 'Wie handhabt ihr das?'"

Organisationen einbinden

Schwieriger wird es, wenn es um gefährliche Inhalte im Netz geht - etwa Seiten, die Magersucht propagieren. In solchen Fällen treten Eltern am besten an die Öffentlichkeit. "Schalten Sie Organisationen ein, schreiben Sie Leserbriefe oder an Politiker", riet de Bruin. So hätten Eltern zumindest nicht mehr das Gefühl: "Ich sitze hier ganz allein mit dem Problem".

Feste Online-Zeiten

Eltern platzieren den Computer besser an einen neuen Ort, wenn sie ihrem Kind feste Zeiten zum Surfen geben wollen. "Holen Sie den PC aus dem unmittelbaren Wohnbereich des Kindes heraus und stellen Sie ihn in den Flur", riet der Suchtforscher Professor Rainer Thomasius. Das sei ein wirksames Mittel, um Kinder davon abzuhalten, zu viel Zeit im Netz zu verbringen. Darüber hinaus sei es sinnvoll, gemeinsam mit dem Nachwuchs Wochenpläne für die Online-Sitzungen aufzustellen.

Altersabhängigkeit der Nutzungszeit

Vor dem zwölften Geburtstag sollten Kinder laut einer internationalen Empfehlung gar nicht alleine ins Internet gehen, erklärte Thomasius, der am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf forscht. Daher gehöre der Computer bis zu diesem Alter in den gemeinsamen Wohnbereich und nicht in das Kinderzimmer. Für elf- bis 13-Jährige werde maximal eine Stunde zum Surfen pro Tag empfohlen, ab 14 Jahren sind es eineinhalb Stunden.

Kontrollverlust und negative Folgen

Doch wann ist die Internetnutzung eines Kindes problematisch? Wann kann von einer Abhängigkeit gesprochen werden? Dazu fehlten noch genaue diagnostische Kriterien, sagte Thomasius. Aber es gebe Hinweise. So sollten Eltern hellhörig werden, wenn der Jugendliche Beginn, Dauer und Ende der Nutzung nur noch schwer kontrollieren kann und er seine Online-Zeiten immer weiter ausdehnt. Gleiches gilt, wenn ohne Internet Symptome wie Unruhe, Schlaflosigkeit oder Nervosität auftreten oder der Nachwuchs weiterhin online geht, obwohl die negativen Folgen seines Verhalten bereits deutlich werden.

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