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Ausreden lassen: Gesprächsregeln mit Kindern üben


Jetzt lass mich doch mal ausreden!

Simone Blaß

02.04.2009Lesedauer: 4 Min.
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Kinder sollten wichtige Gespräche respektieren.
Kinder sollten wichtige Gespräche respektieren. (Bild: Imago)
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Bücher wie „Warum unsere Kinder Tyrannen werden" oder "Die Abschaffung der Kindheit“ haben derzeit Hochkonjunktur. Und das hat seinen Grund. Viele Eltern haben heute Schwierigkeiten, sich von ihren Kindern abzugrenzen, Regeln zu setzen und diese dann auch beizubehalten. Das Nachgeben scheint auf den ersten Blick einfacher, erweist sich oft aber langfristig als fataler Fehler. Es gibt einige Situationen im gesellschaftlichen Leben, in denen ein bestimmtes Verhalten zu Recht erwartet wird. Doch wie ist es bei Gesprächen unter Erwachsenen. Muss sich ein Kind dann ruhig verhalten?

Children should be seen, not heard

Früher gab es diesbezüglich gar keine Diskussionen. Wenn Erwachsene sich unterhalten, haben Kinder ruhig zu sein. Basta. Doch heutzutage scheut man oft davor zurück, klare Grenzen zu setzen, schließlich will man das Kind nicht in seiner persönlichen Freiheit einengen. Manche Kinder merken dadurch nicht einmal, dass sie die Erwachsenen im Gespräch stören, da sie es gewohnt sind, dass, sobald sie etwas zu sagen haben, die Welt für sie stillsteht. Andere setzen dieses Mittel ganz gezielt ein, um Gespräche zu unterbrechen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das machen sie unter anderem auch, weil sie wissen, dass dieses Verhalten keine Konsequenzen haben wird, da Mutter oder Vater vor einem deutlichen Wort zurückschrecken. Vor allem in der Öffentlichkeit. Statt "Halt den Mund!" zu sagen, sollten sich Familien eine andere Art suchen, um zu signalisieren: "Jetzt ist es wichtig, ich muss ungestört reden können, Du kommst später aber zu deinem Recht."

Sich selbst manchmal zurücknehmen

Was man aber nicht außer Acht lassen darf: Das Verhalten des Nachwuchses ist oft auch durchaus verständlich. Da war ein Elternteil den ganzen Tag auf der Arbeit und das Kind hat erst abends die Gelegenheit, ihm etwas zu erzählen oder mit ihm herumzublödeln und da wollen die Erwachsenen erst einmal miteinander organisatorische Dinge klären. Oder es kommt Besuch, auf den sich auch die Kinder sehr gefreut haben und jetzt sollen sie plötzlich den Rest des Nachmittags still mit am Kaffeetisch sitzen und auf die erhoffte Aufmerksamkeit geduldig warten. Die manchmal dann gar nicht kommt. Dabei wollten sie doch eigentlich nur der Oma ein neu gemaltes Bild zeigen oder mit dem Patenonkel mal wieder so richtig herumtoben. Für solche Situationen sollten auch wir Erwachsenen Verständnis haben und uns selbst vielleicht erst einmal ein bisschen zurücknehmen.

Wichtige Gespräche sollten ungestört verlaufen können

Doch auch ein Kind muss lernen, dass es Momente gibt, in denen Erwachsene Gespräche führen, die ihnen wichtig sind und die nicht mit ein, zwei Sätzen abgetan sind. Oder am Telefon mit Ämtern, Versicherungen oder Kunden sprechen und jetzt nur im Notfall gestört werden dürfen. Jüngere Kinder werden immer wieder probieren, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dabei ist es aber wichtig, dass das Kind die Erfahrung macht, dass sich die Eltern nicht stören lassen. Älteren Kindern kann man die Situation erklären, ihnen z.B. auch Vergleiche liefern. Denn man selbst rennt ja auch nicht dauernd ins Kinderzimmer, wenn der Nachwuchs in Ruhe mit seinem besten Freund spielen will.

Kinder brauchen Grenzen

Viele Eltern versuchen, ihre Kinder wie gleichberechtigte Partner zu behandeln. Jede Kleinigkeit wird diskutiert und Regeln existieren nur theoretisch. Kinder aber brauchen einen fest abgesteckten Raum, in dem sie sich bewegen können. Das heißt nicht, dass dieser statisch sein sollte, im Gegenteil, Regeln können sich im Laufe der Zeit und mit der Entwicklung des Kindes verändern, sollten aber trotzdem immer eine Weile ihren festen Bestand haben. Denn nur so kann sich das Kind orientieren, weiß, was von ihm verlangt wird und merkt an der Konsequenz der Eltern genau, wann es eine bestimmte Grenze überschritten hat.

Auch kleine Persönlichkeiten können Rücksicht nehmen

Keine Frage, Kinder sollten als Persönlichkeiten ernst genommen werden. Doch nur, weil man seine eigene Bedürfnisse nicht grundsätzlich hintenanstellt, nur weil man in bestimmten Situationen deutlich "Nein" sagt und das auch so meint, wird man von seinen Kindern nicht weniger geliebt. Eine Befürchtung, die viele Eltern vor dem "Durchgreifen" zurückschrecken lässt.

Vorbildfunktion der Erwachsenen

Letztendlich kommt es auch hier wieder darauf an, den Kindern das entsprechende Vorbild zu sein. Remo H. Largo, Schweizer Professor für Kinderheilkunde und unter anderem Autor des Buches "Kinderjahre" formuliert das so: „Das Kind ist biologisch darauf angelegt, sein Verhalten nach Vorbildern auszurichten. (...) Vorbild sein kann mühevoll sein. Zeit, Einfühlungsvermögen und Geduld sind nötig.“ Wenn man selbst ein Kind ausreden lässt, wenn man es nicht ungeduldig unterbricht, wenn es bereits einige Zeit auf eine Gesprächspause bei den Erwachsenen gewartet hat und endlich zum Zug kommt, dann wird auch das Kind die Regeln einer Unterhaltung schnell lernen.

Tipp: Ein Zeichen vereinbaren

Zusätzlich kann man, vor allem mit kleineren Kindern, ein Zeichen vereinbaren. Wenn der Erwachsene dem Kind dieses Zeichen gibt, dann sollte es unbedingt für ein paar Minuten ruhig sein. Es wird schnell verstehen, dass der Elternteil, sobald er das für ihn wichtige Gespräch beendet hat, dann auch seine Aufmerksamkeit wieder voll ihm widmet. Was man dann aber auf jeden Fall auch machen sollte.

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