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WSI-Studie: Ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht

WSI-Studie  

Ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht

28.05.2015, 13:29 Uhr | t-online.de, dpa

WSI-Studie: Ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht. Alleinerziehende und ihre Kinder leben in Deutschland oft an der Armutsgrenze. (Quelle: imago images/Westend61)

Alleinerziehende und ihre Kinder leben in Deutschland oft an der Armutsgrenze. (Quelle: Westend61/imago images)

Sie ziehen ihre Kinder ohne Unterstützung eines Partners groß, haben Nachteile auf dem Arbeitsmarkt und ihr Einkommen liegt oft deutlich unter dem mittleren Einkommen - Alleinerziehende sind in Deutschland besonders stark von Armut bedroht. Das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) fordert deshalb familienfreundlichere Arbeitsmodelle und höhere Steuerfreibeträge für alleinerziehende Mütter und Väter.

Nach einer Untersuchung des WSI verdient mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland. Dagegen lebe nur etwa jedes zehnte Paar mit ein oder zwei Kindern unterhalb dieser Armutsschwelle. Da Alleinerziehende überwiegend weiblich seien, zeige sich in diesen Daten ein besonderes Armutsrisiko für Frauen.

Als armutsgefährdet gilt, wer inklusive staatlicher Sozialleistungen wie Kinder- oder Wohngeld weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Im vergangenen Jahr lag dieser Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 979 Euro im Monat (11.749 Euro im Jahr), für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2056 Euro im Monat (24.673 Euro im Jahr).

Allerdings ist der Armutsbegriff umstritten. Kritiker argumentieren, der Grenzwert von 60 Prozent des mittleren Einkommens sei eine relative Größe. Menschen mit diesem Einkommen müsse es nicht schlecht gehen.

Was Alleinerziehenden helfen kann

Der Hauptgrund für die Armutsgefährdung seien die schlechteren Chancen für Alleinerziehende auf dem Arbeitsmarkt. Für sie sei es besonders schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren, zudem hätten sie wegen der Kinder hohe Ausgaben.

Die Hans-Böckler-Stiftung, der das WSI angeschlossen ist, sieht Regierung und Arbeitgeber in der Pflicht, die Situation von Alleinerziehenden zu verbessern. Unmittelbar helfen würden sozialpolitische Reformen wie eine längere Bezugsdauer des Unterhaltsvorschusses der Jugendämter für die Fälle, in denen der zweite Elternteil keinen Kindesunterhalt zahlt, teilt das Institut mit.

Zugleich müssten Arbeitgeber familienfreundliche, flexible Lösungen anbieten, beispielsweise indem sie Beginn oder Ende der Arbeitszeit anpassen oder vollzeitnahe Teilzeit ermöglichen, empfiehlt die WSI-Forscherin Christina Klenner.

Steuerfreibetrag für Alleinerziehende wird angehoben

Die vom WSI ebenfalls geforderte steuerliche Entlastung über höhere Freibeträge ist in Sicht: Im April hat sich die Regierungskoalition darauf geeinigt, den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 600 Euro auf 1908 Euro pro Jahr zu erhöhen.

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