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Kinder brauchen mehr Schutz vor sexuellem Missbrauch im Internet

Von dpa
17.01.2017Lesedauer: 2 Min.
Cybergrooming: Sexueller Missbrauch im Internet beginnt mit scheinbar harmlosen Kontaktanfragen.
Sexueller Missbrauch im Internet beginnt mit scheinbar harmlosen Kontaktanfragen. (Quelle: /dpa-bilder)
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Die Zahl ist alarmierend: Fachleute fĂŒr Kinderschutz gehen davon aus, dass mehr als 700.000 Erwachsene in Deutschland im Internet sexuelle Kontakte zu Kindern haben. Sie fordern besseren digitalen Kinderschutz und ein strengeres Strafrecht.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ĂŒber das Internet soll wirksamer bekĂ€mpft werden, fordert der UnabhĂ€ngige Beauftragte fĂŒr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. Es sei "dringend erforderlich", schon den Versuch des sogenannten Cybergrooming - also das Ansprechen MinderjĂ€hriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte - unter Strafe zu stellen, sagte Rörig.

Dimension von Missbrauch im Internet wird unterschÀtzt

Die Dimension des Problems wird nach Ansicht von Experten in der Öffentlichkeit erheblich unterschĂ€tzt. Julia von Weiler, Psychologin bei der Organisation "Innocence in Danger", spricht von mehr als 700.000 Erwachsenen in Deutschland, die sexuelle Online-Kontakte zu Kindern hĂ€tten.

Bei dieser Zahl beruft sich "Innocence in Danger" auf eine Hochrechnung von Ergebnissen aus der sogenannten MiKADO-Studie der UniversitÀt Regensburg zum Missbrauch von Kindern.

"In der aktuellen Debatte um die digitale Sicherheitsarchitektur mĂŒssen auch die sexuellen Cyberattacken gegen Kinder und Jugendliche in den Fokus genommen werden", forderte Rörig daher in Berlin. Notwendig sei eine Agenda fĂŒr digitalen Kinder- und Jugendschutz, mehr Forschung, PrĂ€vention und Hilfen bei sexueller Gewalt mittels digitaler Medien.

Missbrauch reicht von Sexfotos bis zu Kinderprostitution

Rörig stellte eine Studie mit dem Titel "Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien" vor. Dort listen Experten des Instituts fĂŒr Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verschiedene Formen der Grenzverletzung auf. Das Spektrum reicht von der unfreiwilligen Konfrontation mit sexuellem Bildmaterial ĂŒber sexuelle AnnĂ€herung bis zur Anbahnung von Kindersextourismus und Kinderprostitution.

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Online-Dienste sollten verpflichtet werden, geschĂŒtzte NutzungsrĂ€ume fĂŒr Kinder und Jugendliche zu schaffen, Beratungs- und Hilfsangebote auf ihren Seiten gut sichtbar einzustellen sowie einfache Meldemöglichkeiten zu bieten, forderte Rörig. Anbieter sollten sich auch selbst verpflichten, Hinweise an die Strafverfolgung oder Beschwerdestellen weiterzuleiten.

Jugendliche können auch TÀter sein

Der Kriminologe und Cybergrooming-Experte Thomas-Gabriel RĂŒdiger bringt einen weiteren Aspekt in die Diskussion: Er betont, dass Kinder und Jugendliche nicht nur Opfer seien, sondern immer hĂ€ufiger selbst zu TĂ€tern wĂŒrden. Inzwischen sei jeder dritte TatverdĂ€chtige in diesem Bereich selbst Kind oder Jugendlicher - zehn Prozent Kinder, 25 Prozent Jugendliche. Der Trend zu jĂŒngeren TĂ€tern verstĂ€rke sich. "Vor fĂŒnf Jahren war der durchschnittliche TĂ€ter im Internet noch ĂŒber 30, heute ist er unter 30", sagte der Experte von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg in Oranienburg.

Anbahnung ĂŒber populĂ€re Online-Spiele

Mehr AufklĂ€rung mĂŒsse her, auch darĂŒber, dass TĂ€ter sich nicht nur in Chat-Programmen tummelten, sondern inzwischen auch in Online-Spielen, die auf den ersten Blick unverdĂ€chtig und kindgerecht erscheinen. Im Dezember 2016 etwa wurde ein Koch in DĂŒsseldorf wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Jungen aus der Schweiz zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt. TĂ€ter und Opfer hatten sich laut Anklage ĂŒber das Onlinespiel "Minecraft" kennengelernt.

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Ebenfalls im Dezember wurde der Fall eines 32-JĂ€hrigen aus Niedersachsen bekannt, der in dem fĂŒr alle Altersstufen freigegebenen Onlinespiel "Moviestarplanet" 122 Kinder zwischen sieben und 13 Jahren dazu gebracht haben soll, ihm Nacktbilder und -videos zu schicken.

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