Sie sind hier: Home > Leben > Familie > Freizeit > Haustiere >

Schlaue Hunde, rechnende Pferde?

Tiere  

Schlaue Hunde, rechnende Pferde?

07.11.2007, 13:32 Uhr | mal, dpa

Pony Einstein hat eine wilde Mähne und stampft entschieden mit dem rechten Vorderbein auf: Wenn es Möhren gibt, kann Einstein mit dem Hufeisen Zahlenrhythmen auf eine Holzplatte klopfen. Weil das Pony so schlau ist, war es sogar in einem Berliner Uni-Hörsaal zu Gast. Dort ging es streng wissenschaftlich um eine Frage, die Forscher schon vor 100 Jahren beschäftigt hat: Haben Tiere so viel Grips, dass sie rechnen können? "Die Intelligenz von Tieren hat die Fantasie der Menschen seit Jahrtausenden beflügelt", sagt Elke van der Meer, Direktorin am Institut für Psychologie der Berliner Humboldt-Universität. Auch wenn Tiere im deutschen Recht als "Sachen" gelten, gesteht ihnen die Psychologie Denkvermögen und Lernfähigkeit zu - nur eben nicht immer so, wie sich Menschen das vorstellen.

Hund mit großem Wortschatz

Geschichten über intelligente Tiere sind beliebt. Wie die von Hund Rico: Ein Border-Collie, der wie ein Kleinkind 250 Wörter den richtigen Gegenständen zuordnen kann. Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie billigten Rico kognitive Fähigkeiten zu. Bekannt sind auch Tests mit Menschenaffen. Um in einem kahlen Raum an eine Banane hoch über ihren Köpfen zu gelangen, stapeln sie Kisten aufeinander. Für Forscher ist das ein Beleg dafür, dass Affen mit einer Kombination aus Beobachtung und Überlegung Probleme lösen können - eine Form von Intelligenz.

Das rechnende Pferd - ein Irrtum

Ein schönes Beispiel für Irrtümer der Wissenschaft war ein Pferd namens Hans. Vor genau 100 Jahren sorgte der Berliner Gaul, der angeblich Bruchrechnen konnte, für große Aufregung. Über die Rechenkünste von Hans entbrannte nicht nur ein Gelehrten- und Medienstreit. Das Tier genoss eine Popularität wie heute ein Popstar. Polizisten mussten das Pferd schließlich vor schaulustigem Volk schützen. Das Pferd zählte Hüte oder Regenschirme und stampfte stets das korrekte Ergebnis mit dem Vorderhuf auf. Bruchrechnen konnte das Tier dem Augenschein nach auch, wenn sein Besitzer, ein pensionierter Grundschullehrer, Aufgaben stellte. Erst Experimentalpsychologen fanden heraus, dass Hans gar nicht rechnen konnte. Das Pferd las vielmehr das richtige Ergebnis an der unbewussten Mimik seines Lehrers ab - eine Art "soziale" Intelligenz, mit der die Forscher gar nicht gerechnet hatten.

Lesen und Rechnen ist an Sprache geknüpft

"Es gibt auch heute keine Hinweise darauf, dass Tiere rechnen oder lesen können", erläutert Wolfgang Prinz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. "Diese Fähigkeiten sind an menschliche Sprache gebunden". Dennoch verfügten Tiere über eine große Intelligenz, die sich jedoch zumeist auf ihren eigenen Lebensraum beschränke. "Natürlich ist Dressur auch eine Form von Lernen", betont Prinz. Es gebe aber Grenzen. "Entscheidend ist dabei das Leckerchen, das Tiere als Belohnung erhalten", ergänzt der Wissenschaftler.

Ohne leckere Belohnung geht gar nichts

Der französische Mathematiker Stanislas Dehaene berichtet von Experimenten mit Ratten, die sich durch Belohnung mit Futter Zahlen merken konnten. In seinem Buch "Der Zahlensinn" geht er davon aus, dass Tiere auch ohne Futteranreiz eine Anzahl einschätzen können. Sie verfügten jedoch nicht über abstrakte Zahlenvorstellungen. So ist auch Pony Einstein nur mit Möhren zu seinen Kunststücken zu bewegen. "Wir können den Tieren nur so verständlich machen, was wir von ihnen wollen", sagt Trainerin Astrid Harsch. Sie bildet Hunde für die TV-Serie "Forsthaus Falkenau" oder Pumas für Werbespots aus. Die Trainerin hat auch keinen Zweifel daran, dass ihre Tiere viel Grips haben. Doch sie müssen mit Tricks für Auftritte nach menschlichen Vorstellungen gewonnen werden.

Mehr zum Thema Tiere:
Für immer ausgeplaudert Der schlauste Papagei ist tot
Modehündchen Auch in Deutschland ein Trend?

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Leben > Familie > Freizeit > Haustiere

shopping-portal