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Rollstuhl für Fiffi: Behinderung ist für Haustiere kein Todesurteil mehr

Ein Rollstuhl für Fiffi - eine Behinderung ist für Haustiere kein Todesurteil mehr

10.11.2010, 15:46 Uhr | Tom Breen / dapd

Rollstuhl für Fiffi: Behinderung ist für Haustiere kein Todesurteil mehr. Little Chongqing kann sich dank seines Rollstuhls weiter fortbewegen. (Foto: ChinaFotoPress)

Little Chongqing kann sich dank seines Rollstuhls weiter fortbewegen. (Foto: ChinaFotoPress)

Eine teure Operation mit geringen Erfolgschancen oder die sofortige Einschläferung - so lauteten die zwei Möglichkeiten, die der Tierarzt Beverly Tucker zur Wahl stellte. Ihr Hund "Toby" hatte ein schweres Problem mit einer Bandscheibe. Doch Tucker wollte sich mit den beiden Alternativen nicht abfinden und entschied sich für eine dritte Möglichkeit. Der Hund hat seitdem eine Art Rollstuhl, der ihm seine Beweglichkeit zurückgegeben hat. Räder übernehmen nun die Aufgabe der gelähmten Hinterbeine, zumindest zum Teil.

Eine Behinderung bedeutet nicht mehr den Tod

So wie "Toby" geht es vielen Haustieren in den USA. Während früher der Tierarzt zur Giftspritze griff, wenn Fiffi dem Herrchen zur Last wurde, verdient heute eine wachsende Industrie an dem Trend zur "Vermenschlichung" von Vierbeinern & Co. Der Markt für Tier-Rollstühle wächst, und eine wachsende Zahl von Chiropraktikern spezialisiert sich auf Hunde-Wirbelsäulen. Selbst in der gegenwärtigen Wirtschaftkrise geben Amerikaner immer mehr Geld für ihre Tiere aus. Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 verbuchte die Branche einen Umsatz von 41,2 Milliarden Dollar (29,5 Milliarden Euro), diese Jahr sollen es nach einer Prognose der amerikanischen Gesellschaft für Tierprodukte bereits 47,7 Milliarden Dollar (34,2 Milliarden Euro) sein.

Tiere werden als vollwertige Familienmitglieder angesehen

Tiere mit Behinderungen - von Wirbelsäulenschäden bis zur Taubheit - haben immer noch viele Probleme im Vergleich zu ihren gesunden Artgenossen. Doch die Aussichten sind bei weitem nicht mehr so düster. Ob Tierärzte, ehrenamtliche Tierschützer oder Hersteller medizinischer Hilfsmittel, alle sind sich einig, dass die Bereitschaft zur Pflege angeschlagener Vierbeiner deutlich gestiegen ist. "In vielen Fällen ist zu beobachten, dass Haustiere den gleichen Status in einer Familie haben wie Kinder", sagt Dianne Dunning von der North Carolina State University.

Aus der Notlösung wurde eine Geschäftsidee

Ganz anders waren die Möglichkeiten dagegen vor 21 Jahren, als "Buddha" eines Morgens aufwachte und seine Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Der Dobermann von Ed und Leslie Grinnell war über Nacht zum Pflegefall geworden. Der Tierarzt stellte die Grinnells daher vor die Wahl: eine Operation für 5.000 Dollar mit einer 50:50-Chance auf Erfolg - oder den Hund einschläfern zu lassen. Ed Grinnell, ein gelernter Ingenieur, wollte sich damit nicht zufriedengeben. Er nutzte seine Fähigkeiten, um einen Rollstuhl für "Buddha" zu bauen. Der Versuch klappte und der Hund lebte noch drei Jahre. Zehn Jahre später schickten so viele Tierärzte ihre Patienten zu den Grinnells, dass die auf ihrer Notlösung von einst ein florierendes Geschäft aufbauen konnten. Seit 1999 hat das Unternehmen Eddie's Wheels expandiert und 14 Stellen geschaffen.

Tier-Rollstühle aus den USA werden in die ganze Welt geschickt

Von Shelburne Falls im US-Staat-Massachusetts aus gehen die Produkte in alle Welt: Rollwagen für Hunde, Katzen, Kaninchen, Ziegen, Schafe und sogar Alpakas. "Ich glaube nicht, dass die Leute vor 20 oder 30 Jahren anders über ihre Tiere gedacht haben", sagt Leslie Grinnell. Allerdings sei in der Gesellschaft damals einfach noch nicht die Idee verbreitet gewesen, "dass es sich dabei um ein wichtiges Familienmitglied handelt". Das habe sich in den letzten Jahren jedoch geändert und das hat ihrer Ansicht nach nicht nur Vorteile für die Tiere. Leslie Grinnell sieht in dem Trend auch eine Chance für die Menschen. Denn nicht nur für die behinderten Tiere bedeute die Fürsorge eine zweite Chance. "Diese Tiere empfinden kein Selbstmitleid"", sagt sie. "Von ihnen können wir eine Menge lernen."

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