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Eisbär "Knut": Warum so viele um ihn trauern

Warum die Geschichte von "Knut" so traurig macht

22.03.2011, 09:01 Uhr | dpa

Eisbär "Knut": Warum so viele um ihn trauern. Weil Eisbär "Knut" so süß war, trauern viele umso heftiger, sagen Psychologen. (Quelle: dapd)

Weil Eisbär "Knut" so süß war, trauern viele umso heftiger, sagen Psychologen. (Quelle: dapd)

Viele Menschen weinen um "Knut". Der Berliner Psychologen Peter Walschburger erklärt warum: "Vielen ist 'Knut' ans Herz gewachsen - so wie ein Familienmitglied oder Partner", sagte Walschburger in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd. Die starke Beziehung, die vor allem manche Frauen zu "Knut" entwickelt hätten, führt der Wissenschaftler von der Freien Universität (FU) Berlin auch auf die besondere Geschichte des Eisbären zurück.

Als der Bär im Alter von wenigen Monaten erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde, habe er mit seinem runden Kopf, den Knopfaugen, dem flauschigen Fell und den tapsigen Bewegungen absolut in das so genannte Kindchenschema gepasst. "Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir auf ein solches Aussehen eine sehr starke Reaktion entwickeln", sagte Walschburger. Durch die Hilflosigkeit des Lebewesens würde das Fürsorge- und Kümmerverhalten der Menschen geweckt. Am liebsten habe man den Bären im Arm halten, streicheln und ihn beschützen wollen, fügte der Wissenschaftler hinzu.

"Knut" war vielen so "unendlich wichtig"

Hinzu sei noch die besondere Entwicklung von "Knut" gekommen - das Verstoßen durch die Mutter - die ehemalige Zirkus-Eisbärin Tosca - und die Aufzucht durch den Tierpfleger Thomas Dörflein. Diese Geschichten und ihre Bilder hätten dazu geführt, dass "Knut" vielen Menschen unendlich wichtig geworden sei. Der Medien-Hype um den kleinen Bären habe ein Übriges dazu getan, um die Emotionen weiter anzuheizen.

So sei aus dem Eisbären-Baby ein weltweiter Star geworden. Zu einem solchen Star gehörten allerdings auch Fans, die ihn mehr anhimmelten als allgemein üblich. Darunter seien vor allem solche, die fehlende intakte Sozialbeziehungen durch eine vermeintliche Beziehung zu einem prominenten Zootier ersetzten. Beziehungen zu Haustieren können eine ähnliche therapeutische Funktion haben, erläuterte der Wissenschaftler. "Wer sich selbst allein gelassen fühlt, identifiziert sich leichter mit einem vermeintlich ebenfalls einsamen Eisbären", sagte der Professor. Ein solcher "Knut"-Fan lasse dabei völlig außer Acht, dass gerade Eisbären in freier Natur als Einzelgänger durch die Arktis ziehen und darunter keineswegs leiden.

"Knut" als Ersatz-Partner

Wer "Knut" zu einer Art Ersatz-Fantasiepartner erhoben habe, der trauere ähnlich heftig wie jemand, der tatsächlich einen nahen Angehörigen verloren hat, erläuterte Walschburger. So gesehen sei es auch verständlich, dass dann andere dramatische Ereignisse weniger oder gar nicht wahrgenommen würden. Vielleicht könnte es hilfreich sein, sich bei aller Trauer um den Eisbären klarzumachen, welches Leid derzeit andere Menschen in der Welt, beispielsweise in Japan und Libyen aushalten müssen, meinte der Professor.

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