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Start des Elterngeldes ließ Mütter Geburt verzögern

Start des Elterngeldes ließ Mütter Geburt verzögern

20.11.2012, 15:42 Uhr | mmh, t-online.de

Start des Elterngeldes ließ Mütter Geburt verzögern. Viele Mütter zögerten Ende 2006 die Geburt ihres Kindes hinaus, um auch vom Elterngeld profitieren zu können. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Mütter zögerten Ende 2006 die Geburt ihres Kindes hinaus, um auch vom Elterngeld profitieren zu können. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn es um Geld geht, wird getrickst, betrogen und verschoben - anscheinend auch beim Elterngeld. Zur Einführung des Elterngeldes Anfang 2007 haben mehrere hundert berufstätige Mütter die Geburt ihres Kindes bewusst verzögert, um in den Genuss der neuen Unterstützung zu kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftswissenschaftler Michael Neugart von der TU Darmstadt und Henry Ohlsson von der schwedischen Universität Uppsala. Geld beeinflusst die Familienplanung also doch.

Finanzieller Anreiz beeinflusst Geburtstermin

Mit der Einführung des Elterngeldes zum 1. Januar 2007 kam dem Geburtstermin eine größere ökonomische Bedeutung zu: Fand die Geburt erst nach dem Jahreswechsel statt, konnten die Eltern bis zu 20.000 Euro an zusätzlicher finanzieller Unterstützung vom Staat erhalten. Ob und wie sich dieser ökonomische Anreiz rund um den Jahreswechsel ausgewirkt hat, haben nun Michael Neugart, Professor für Finanzwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Darmstadt, und Henry Ohlsson von der Universität Uppsala in einer ökonometrischen Studie untersucht.

Bis zu 20.000 Euro mehr

Dazu analysierten Neugart und Ohlsson die Zahl der Geburten sieben Tage vor und nach dem Jahreswechsel 2006/2007 sowie die sozio-ökonomischen Daten der Eltern und verglichen diese Daten mit demselben Zeitraum der beiden vorhergehenden Jahreswechsel. Das Ergebnis: Berufstätige Mütter brachten in den letzten Tagen vor Einführung des Elterngeldes deutlich weniger Kinder zur Welt als statistisch zu erwarten gewesen wäre, in den ersten Tagen nach Einführung des Elterngeldes hingegen deutlich mehr. Bei Müttern, die vor der Geburt nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und dementsprechend von der Neuregelung nicht profitierten, war diese Abweichung nicht nachweisbar.

Geburt bewusst verzögert

Insgesamt gehen die Forscher anhand ihrer Daten davon aus, dass mehr als 600 von insgesamt 11.580 Geburten berufstätiger Mütter rund um den Jahreswechsel bewusst auf einen Termin Anfang Januar verzögert wurden. "Unsere Zahlen belegen, dass monetäre Anreize durchaus Einfluss auf das Verhalten der Menschen haben - aber neben den beabsichtigten Effekten können Auswirkungen zutage treten, an die man vorher nicht gedacht hat", so Neugart. Für ihre Studie haben Neugart und Ohlsson die Daten von insgesamt rund 74.000 Geburten untersucht.  

Entbindung verzögern - wie geht das?

Doch wie geht das überhaupt? Kann man eine Geburt überhaupt bewusst verzögern? Wohl nicht allein mit reiner Willenskraft, aber mit ein paar Tricks und medizinischen Hilfen. Diese Methoden haben Neugart und seine Mitarbeiter in diesem Zusammenhang recherchiert:

  • Wahrscheinlichste Variante: Geplante Kaiserschnitte wurden um ein bis zwei Tage verschoben

  • Wehen induzierende Mittel werden später eingesetzt

  • Wehenblocker werden eingesetzt (bis zu 48 Stunden Verzögerung)

  • Hebammen-Hausmittel: Stress vermeiden (Gewinn von einigen Stunden, eventuell mehrere Tage)

  • Betrug: Umdatierung des echten Geburtstermins (bei Klinikgeburten kaum möglich)

Mitnahmeeffekte: Was Menschen für Geld tun

"Uns als Ökonomen interessieren natürlich vor allem die Mitnahmeeffekte, also wie Menschen auf finanzielle Anreize reagieren", erläutert Professor Neugart gegenüber dem Elternportal von t-online.de. Menschen tun viel für Geld, gerade "wenn es nur um fünf Minuten geht", meint Neugart provokant. "Aber der erwünschte politische Effekt der Geburtensteigerung hat sich wohl nicht eingestellt."

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