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Kino-Tipp: "Eltern" zeigt die Abgründe hinter der coolen Fassade

Kino-Tipp  

Kino-Tipp: "Eltern" zeigt die Abgründe hinter der coolen Fassade

Von Tanja Zech

16.10.2013, 12:11 Uhr
Kino-Tipp: "Eltern" zeigt die Abgründe hinter der coolen Fassade. Christiane Paul und Charly Hübner spielen im Kinofilm "Eltern" eine moderne Familie, die in die Krise gerät. (Quelle: Oliver Vaccaro / Kundschafter Filmproduktion GmbH)

Christiane Paul und Charly Hübner spielen im Kinofilm "Eltern" eine moderne Familie, die in die Krise gerät. (Quelle: Oliver Vaccaro / Kundschafter Filmproduktion GmbH)

Endlich mal wieder ins Kino gehen - das bleibt oft ein Wunschtraum für Eltern mit kleinen Kindern. Doch wenn sie es tatsächlich schaffen, ist es vielleicht tröstlich, sich entspannt im Kinosessel zurückzulehnen und zuzusehen, wie sich andere im täglichen Familienchaos zwischen Kindern und Liebesleben, Beruf und Haushalt abstrampeln. Beste Unterhaltung verspricht der Kinofilm "Eltern" allemal, alleine wegen "Polizeiruf"-Kommissar Charly Hübner und Christiane Paul in den Hauptrollen. Wir zeigen vor dem Kinostart am 14. November eine Szene aus "Eltern".

Christine und Konrad verkörpern die "moderne urbane Familie" in Berlin im Jahr 2001: Er, ein Freiberufler, bleibt zu Hause und kümmert sich hingebungsvoll um die beiden Kinder und den Haushalt, während sie als angehende Oberärztin das Geld für die Familie verdient. Sie rettet Leben im Operationssaal, während er den Clown auf dem Kindergeburtstag spielt. Andere Mütter beneiden Christine: "Konrad ist so ein toller Mann!"

Die Gelassenheit zerschellt an vielen kleinen Dingen

Als Konrad ein attraktives Angebot als Theaterregisseur erhält und seine zweite Chance wittert, ist gar nichts mehr toll. Christines Gelassenheit - "das kriegen wir schon hin" - zerschellt am Zeitmanagement und den vielen kleinen Dingen, die sich nicht planen lassen. Ein Au-pair-Mädchen soll die Eltern unterstützen und sich um die Töchter Käthe (10) und Emma (5) kümmern.

Aber die junge Argentinierin Isabel (Clara Lago) ist schon direkt nach der Ankunft von ihren eigenen Problemen überfordert, denn sie ist ungeplant schwanger. Statt die Familie zu entlasten, wird sie zu einem dritten Kind, um das sich Konrad und Christine auch noch kümmern müssen.

Vollzeit-Papa und Vollzeit-Job - das funktioniert nicht

Wohin also mit den quengelnden Töchtern, denen zu allem Überfluss auch noch der Hamster gestorben ist? Christine hat Frühschicht im Krankenhaus, Konrad muss zu den Proben ins Theater - und schleppt Kinder und Au-pair kurzerhand mit. Das geht nicht lange gut.

Konrad fällt der Rollenwechsel vom Vollzeit-Papa zum leitenden Regisseur schwerer als gedacht. Er kämpft an allen Fronten, um Arbeit und Familie gerecht zu werden, wird von männlichen Kollegen als Weichei verachtet und zu Hause von seiner ebenfalls überarbeiteten Frau angezickt. "Du klingst wie eine frustrierte Ehefrau aus den fünfziger Jahren", wirft Christine dem modernen Mann an den Kopf, um den sie alle beneiden. "Und du klingst wie der Ehemann dazu", poltert er zurück.

Die Beziehung steht vor der Zerreißprobe

Christine verspricht, im Beruf kürzer zu treten und mehr Zeit für die Familie zu gewinnen, doch auch das lässt sich im Krankenhausalltag mit Notfallpatienten auf dem OP nicht planen. Außerdem fällt es ihr schwer, sich wieder in die Mutterrolle hineinzufinden und die entfremdeten Töchter tanzen ihr auf der Nase herum. Die Beziehung ist auf dem Tiefpunkt.

Erst als Konrad sich entnervt auf dem Sofa im Proberaum einquartiert und eine Familien-Auszeit nimmt, wird allen klar, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Konrad und Christine halten inne und fragen sich, wie sie sich verändert haben, seitdem sie Kinder bekommen haben.

Authentisch inszeniertes Familienchaos

Regisseur Robert Thalheim war bestrebt, die Szenen von "Eltern" so authentisch wie möglich zu gestalten. Damit setzt er sich wohltuend ab von kitschigen Wickelkomödien und drastischen Psychodramen. Doch in erster Linie lebt der Film von den Darstellern. Charly Hübner wird als Hausmann nicht zur albernen Klischeefigur, Christiane Paul verliert glaubwürdig die Nerven, wenn die Kinder ihren engen Zeitplan boykottieren, und die Kinderrollen sind mit Emilia Pieske und Paraschiva Dragus großartig besetzt.

Charly Hübner: "Der Hausmann Konrad war ein Pionier"

Schauspielerin Christiane Paul, die in diesem Jahr unter anderem in "Das Adlon" und "Unsere Mütter, unsere Väter" im Fernsehen zu sehen war, beschreibt "Eltern" als alltägliche Geschichte: "Ein Elternpaar, beide berufstätig, zwei Kinder, überfordert im Spagat zwischen Familie, Beruf und Partnerschaft - ein Problem, das den meisten von uns bekannt ist und alle bisherigen Wertvorstellungen oder Lebensplanungen oft in Frage stellt und einfach umwirft."

Noch nicht alltäglich, wenn auch keine Seltenheit mehr, ist, dass hier der Vater zu Hause bleibt, während die Frau Karriere macht und die Familie ernährt. "Konrad ist ja ein Pionier gewesen, als er vor zwölf Jahren entschied, Vater zu sein. Hausmann! Die Debatte in der Gesellschaft in dieser Breite und Akzeptanz begann ja erst später," sagt Darsteller Charly Hübner.

"Hinter der coolen Fassade lauern Abgründe"

Der Regisseur hat die Idee zum Film "Eltern" während seiner eigenen Elternzeit entwickelt. Mit einem Film "über einen Vater, der alles wahr gemacht hat, was wir uns heute vom modernen Mann wünschen," wollte er das sich wandelnde Familienbild ausloten und die Hürden, Klischees und Selbstzweifel zeigen, mit denen ein moderner Vater zu kämpfen hat.

Nach vielen Generationen mit traditioneller Rollenverteilung, einer Generation, die "maximaler Selbstverwirklichung" huldigte und Kinderkriegen spießig fand, lebe heute eine "Alles-auf-einmal"-Generation, die versuche, Beziehung, Kinder, Karriere und ein aufregendes Leben unter einen Hut zu bringen. "Es ist eine schöne Veränderung, dass man heute auch mit Kindern 'lässig' sein kann - und trotzdem: Hinter der coolen Fassade lauern auch Abgründe", sagt Thalheim.

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