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Kinder hüten mit GPS - mehr Sicherheit oder totale Überwachung?

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Kinder hüten mit GPS - mehr Sicherheit oder totale Überwachung?

27.09.2011, 17:08 Uhr | t-online.de, dapd

Kinder hüten mit GPS - mehr Sicherheit oder totale Überwachung?. Nur zum Spielen im Feld oder entführt? Wenn Kinder wegbleiben, werden Eltern schnell unruhig. (Quelle: imago)

Nur zum Spielen im Feld oder entführt? Wenn Kinder wegbleiben, werden Eltern schnell unruhig. (Quelle: imago)

Wo steckt mein Kind schon wieder? Wenn Kinder wie vom Erdboden verschluckt sind, werden nicht nur Eltern, sondern auch Babysitter oder Kindergärtnerinnen schnell unruhig. Dem zunehmenden Absicherungsbedürfnis heutiger Elterngenerationen kommen die neusten Techniktrends entgegen. Kinder werden nicht nur mit Handys, sondern sogar mit Ortungsgeräten ausgestattet.

Kindergartenkinder mit Peilsendern

GPS-Technik ermöglicht die punktgenaue Ortung von verschiedensten Zielobjekten. Bei einem Projekt in Schweden wird diese Möglichkeit seit einiger Zeit auch für Kindergartenkinder als "Zielobjekte" genutzt. Die Erzieher sind überwiegend begeistert, doch Datenschützer äußern sich skeptisch.

"Großartig": Alle Kinder per Monitor im Blick

In einem Kindergarten in der Kleinstadt Borlänge sind GPS-Geräte unter anderem bei Spaziergängen im Wald eingesetzt worden. Die kleinen Mädchen und Jungen hätten dabei mit Sendern ausgestattete Westen getragen, erklärt Monica Blank-Hedqvist, die die Einrichtung leitet. Mithilfe eines Bildschirms sei es ihr und ihren Kollegen möglich gewesen, sämtliche Kinder genau im Blick zu behalten. "Das ist echt großartig. Für uns ist es nur positiv gewesen", sagt sie.

Spart GPS-Technik Betreuer ein?

Andere sehen das Projekt etwas kritischer. Einige Eltern haben Bedenken geäußert, die Maßnahme könne darauf abzielen, Personal einzusparen. Blank-Hedqvist beteuert aber, dass die GPS-Geräte nur als zusätzliche Sicherheit verwendet würden. Wenn drei Kindergärtnerinnen in einem Wald auf mehr als zwanzig Kinder aufpassen müssten, dann könne sich leicht eines unbemerkt von der Gruppe absetzen.

Kritik: "Ununterbrochene Überwachung"

Jenseits der Personalfrage äußern Datenschützer aber auch andere Bedenken. "Auf der einen Seite sehe ich schon den praktischen Nutzen für die Erzieher", sagte der schwedische IT-Experte Pär Ström der Nachrichtenagentur TT. "Auf der anderen Seite gewöhnen sich die Kinder dadurch schon in jungen Jahren an eine ununterbrochene Überwachung."

Hersteller verzeichnet zahlreiche Anfragen

Johan Strömhage, ein Sprecher des GPS-Unternehmens Purple Scout, weist die Bedenken zurück. Die Geräte fänden nur als Hilfsmittel im Kindergarten-Alltag Verwendung, und es würden keinerlei persönliche Daten gespeichert, versichert er. Bisher wird die Technik von Purple Scout nur in einem Kindergarten getestet. Strömhage zufolge liegen aber bereits Dutzende weitere Anfragen vor.

Segen und Fluch der Datenerfassung

Die schwedische Datenschutzbehörde erwägt eigenen Angaben zufolge eine Untersuchung der Anwendung. "Es könnte sich als vollkommen harmlos erweisen, aber möglicherweise wird in einigen Aspekten durchaus die Privatsphäre verletzt", sagt Behörden-Sprecher Erik Janzon. Es komme ganz darauf an, mit welchen Informationen die Geräte gespeist und wie diese Informationen im weiteren Verlauf genutzt würden.

Problematisch werde es schon dann, wenn etwa Namen oder andere persönliche Angaben der Kinder in Kombination mit ihren genauen Aufenthaltsorten einzusehen seien, sagt Janzon. Denn auch wenn eine Technik zunächst für eine gute Sache entwickelt werde, sei eine Zweckentfremdung zu einem späteren Zeitpunkt nicht auszuschließen.

GPS-Sender für Kind, Opa und Hund

Die satellitengestützte Ortung, einst ein Metier des Militärs, ist längst zur Alltagstechnologie geworden. Inzwischen bietet diverse Hersteller GPS-Geräte im Taschenformat an - nicht nur als virtuelles Kindermädchen, sondern auch zur Ortung verwirrter Senioren und entlaufener Haustiere, als Sicherheitsausrüstung für Bergwanderungen oder Segeltouren oder als Diebstahlschutz für Autos. Zwar können auch Handys geortet werden, doch mit einem GPS-Sender lässt sich der Aufenthaltsort viel genauer bestimmen.

Mit den neuesten Ortungsgeräten können Eltern den Aufenthaltsort ihres Kindes in Echtzeit über das Internet oder Smartphone verfolgen. Die Geräte haben meistens einen Notrufknopf, der gespeicherte Telefonnummern anfunkt. Bei manchen lässt sich auch ein Alarm programmieren, wenn das Kind sich aus einem definierten Radius hinausbewegt.

Mehr Ruhe oder ständige Alarmbereitschaft?

Ob Kindern lückenlose Überwachung guttut, ob sie echte oder nur subjektive Sicherheit bietet, müssen Eltern individuell für sich selbst entscheiden. Zu bedenken ist auch, ob man die Kinder mit einem Ortungsgerät in der Tasche beruhigt ziehen lässt, oder ob es - in ständiger Erwartung eines Alarmsignals - die Besorgnis sogar verstärkt. Experten weisen darauf hin, dass der elterliche Wunsch nach einer rundum abgesicherten Umgebung Kinder in ihrer Entwicklung einschränken kann.

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