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Jungs sind die Sorgenkinder der Nation

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Jungenerziehung  

Jungs sind die Sorgenkinder der Nation

15.06.2009, 14:04 Uhr | rev; ots

Jungs sind die Sorgenkinder der Nation. Nachdenklicher, frustrierter Junge.

Abwesende Väter, fast keine männlichen Pädagogen: Jungs sind die Sorgenkinder der Nation. (Bild: Archiv)

Jungs sind nach Einschätzung von Experten mittlerweile die Sorgenkinder der Nation. Sie sind später schulreif, können in der Regel schlechter lesen, brauchen mehr Nachhilfeunterricht, und sie müssen vor allem an Gymnasien deutlich häufiger eine Klasse wiederholen als Mädchen. Insgesamt sind sogar etwa zwei Drittel aller Jugendlichen ohne Schulabschluss männlich.

"Tüdel-Friedens-Schlaffi-Pädagogik"

Die Ursachen für diese Situation sind vielschichtig, klar ist aber offenbar, dass die Probleme schon in den Kindergärten und Grundschulen beginnen, denn dort mangelt es massiv an männlichen Pädagogen, die den Jungen Identifikationsmöglichkeiten bieten könnten. Bei den Beschäftigten in den Kindergärten beträgt der Männeranteil gerade mal zwei Prozent und in den Grundschulen sind es auch nicht mehr als zwölf Prozent. Durch diese deutliche Überpräsenz von Frauen habe sich so "über Jahre hinweg eine Tüdel-Friedens-Schlaffi-Pädagogik etabliert, die den Jungen nicht gerecht wird", sagt Wolfgang Bergmann, Leiter des Hannoveraner Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie, im Männer-Lifestylemagazin "Men's Health".

Jungs kennen keine Grenzen

"Wenn ein Kind im Kindergarten herumbrüllt, ermahnt sofort eine Erzieherin: 'Wollten wir nicht ganz leise sein?' Wenn ein Junge aus Frust die Türen knallt, denkt die Mutter gleich, dass er im Knast enden wird. Und wenn mal zwei Jungs auf dem Schulhof raufen, wird umgehend der Morgenkreis einberufen", kritisiert Bergmann und betont: "Diese verängstigte Harmonieseligkeit sorgt dafür, dass Jungen ihre männliche Seite nie kennenlernen, ihre Körperlichkeit nicht ausleben können. Ihnen fehlt jedes Gefühl für Grenzen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Jugendliche auf einen am Boden liegenden eintreten. Woher sollen sie wissen, dass man so etwas nicht tut?" Tatsächlich ist auch die Jugendkriminalität ein Jungs-Problem: Sie begehen etwa fünfmal häufiger Gewaltdelikte als Mädchen, und insgesamt sind 72 Prozent aller Tatverdächtigen unter 21 Jahren männlich.

"Abwesende Väter" ein Teil des Problems

Wolfgang Bergmann sieht ein großes Maß an Verantwortung für die Misere der Jungen aber auch bei den Vätern. "In den Familien haben wir dominante, überbehütende Mütter und abwesende Väter", sagt der renommierte Kinderpsychologe und rät den Männern dringend, öfter für ihre Söhne da zu sein. "Jungen brauchen das Gegengewicht zum Mütterlichen. Jemanden, der mit ihnen mit Bauklötzen spielt und sich nicht darum schert, dass das Zimmer unordentlich ist. Einen, der mit ihnen Fußball spielt und dem es egal ist, wenn sie dabei dreckig werden. Väter sollen ihre Söhne lieben, sie aber auch zurechtweisen: Bis hierher und nicht weiter, ich bin dein Vater, ich sage, wo es lang geht. Den Jungs geht das Herz auf, wenn sie so liebevolle, autoritäre Töne hören", glaubt Bergmann und fordert gleichzeitig mehr Männer in den Schulen - und das müssen nicht unbedingt Lehrer sein: "Holt mehr Handwerker an die Schulen, gerne auch pensionierte, denn die haben Zeit. Von denen lernen Jungen, mit ihren Händen die Welt zu begreifen, sie können die Jungs mit ihrer Männlichkeit vertraut machen."


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