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Hamburg: Schule verbietet Schimpfen

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Sprache in der Schule  

Hamburger Schule verbietet Schimpfen und Fluchen

30.09.2009, 11:25 Uhr | rev, t-online.de

Zwei Jungen streiten sich.In der Förderschule Sieker Landstraße in Hamburg ist Schimpfen verboten und wird sogar bestraft. (Foto: Archiv)Wer einmal die Förderschule Sieker Landstraße in Rahlstedt, einem sozialen Brennpunkt im Osten von Hamburg, besucht, wird nur schwer glauben, was er da zu hören bekommt, beziehungsweise was er dort nicht zu hören bekommt: Keine bösen Worte, keine unanständigen Flüche, keine Beleidigungen. Zumindest dann, wenn die Aufsicht in der Nähe ist. In der Schule ist Schimpfen verboten und wird sogar bestraft.

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Gegen schlechte Manieren

Die Schule Sieker Landstraße für Schüler mit Lernschwierigkeiten von Klasse zwei bis neun will mit dem Schimpfwörter-Erlass oder offiziell "MundRespekt" gegen schlechte Manieren bei Kindern und Jugendlichen vorgehen. Schulleiter Olaf Gatermann erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau: "Es nervte einfach, permanent Schimpfereien zu hören. Gewalt entsteht immer verbal." Deshalb ließ die Schulkonferenz die Hausordnung mit Berufung auf Paragraf 49 des Hamburger Schulgesetzes zur "Sicherung des Erziehungs- und Unterrichtsauftrags" ändern: Sobald nun ein Wort fällt, dass vom anwesenden Lehrer als beleidigend oder unanständig betrachtet wird, hat das Folgen für den Schüler. Diese reichen vom Tadel bis zum Sitzen in der Büßecke.

Bis zur "Meldung auf Kindswohlgefährdung"

Ab der siebten Klasse werden Schüler zudem nach einem entsprechenden Vorfall nach Hause geschickt. Sie dürfen erst dann wieder in den Unterricht zurückkehren, wenn sie einen von den Eltern unterschriebenen roten Brief vorlegen. Wenn das nicht geschieht, kann der Schüler bis zu zehn Tage vom Unterricht ausgeschlossen werden. Sollten alle Ermahnungen und auch mehrmaliges Heimschicken nichts bringen, meldet der Rektor den Fall beim Amt für Soziale Dienste. Daraufhin geht automatisch eine "Meldung auf Kindswohlgefährdung" an das Familiengericht heraus. Das sei im letzten Schuljahr zweimal geschehen.

Lehrer entscheiden je nach Situation

Eine Liste mit Ausdrücken und Sätzen, die die Kinder nicht sagen dürfen, gibt es nicht an der Schule Sieker Landstraße. Unter anderem auch, weil die Lehrer gegen Schimpfwörter in anderer Sprache machtlos sind. Aus diesem Grund haben die Pädagogen das Recht, aus der jeweiligen Situation heraus zu entscheiden, wobei sie auch immer auf die in den Klassenräumen ausgehängten Schulregeln verweisen können. Werden diese Punkte dreimal nicht berücksichtigt, heißt es für Schüler bis zur siebten Klasse "Ab, in die Büßerecke!": Dann müssen die Betroffenen im "Trainingsraum" erst einmal schriftliche Aufgaben zum Vorfall bearbeiten. Die Schulregeln lauten:

1. Ich bin freundlich.
2. Ich bin leise und höre zu.
3. Ich melde mich.
4. Ich bleibe auf meinem Platz sitzen.
5. Ich höre auf den Lehrer.

Methode zeigt Erfolg

Laut einer internen Erhebung zeigen die Maßnahmen bereits Erfolg. Gab es in der Zeit von Januar bis März 2009 noch 91 Fälle von verbalen Entgleisungen in der Oberstufe und 45 in der Unterstufe, so sei die Zahl von Ende März bis Mitte Mai auf 37 beziehungsweise 15 gesunken. Vor allem Schüler, die früher ständig durch Beschimpfungen auf sich aufmerksam machten, fielen nun kaum noch auf.

Meinungsfreiheit in Gefahr?

Doch die Vorgehensweise der Hamburger Schule ruft auch Kritik hervor: Mütter beschweren sich, dass nun ständig Schüler nachhause geschickt würden - nur wegen einem "Halt´s Maul!", das nicht einmal ernst gemeint war. Und dass zwar Schimpfen sanktioniert wird, Schlagen und Treten aber oft unbestraft bleibt, gesteht Schulleiter Gatermann selbst als Schwachstelle ein. Auch die Schüler zeigen sich wenig erfreut über die neuen Regeln. Der Frankfurter Rundschau sagt eine 16-jährige Schülerin: "Ich finde das doof, weil man nicht mehr sagen darf, was man denkt." Experten wie Marianne Demmer von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft zweifeln außerdem am langfristigen Erfolg der Methode. Trotzdem gibt es in Hamburg inzwischen mindestens drei weitere Schulen, die einen vergleichbaren Ansatz verfolgen. Wie viele es genau sind, kann die Hamburger Schulbehörde nicht sagen, da die Schulen selbstverantwortlich im Einvernehmen mit der Schulkonferenz handelten.

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