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Auffällige Hirnveränderungen bei gewalttätigen Jugendlichen

Auffällige Hirnveränderungen bei gewalttätigen Jugendlichen

11.04.2011, 09:20 Uhr | amr, dapd

Auffällige Hirnveränderungen bei gewalttätigen Jugendlichen. Forscher fanden heraus, dass bei gewalttätigen Jugendlichen bestimmte Hirnareale weniger entwickelt sind. (Foto: imago)

Forscher fanden heraus, dass bei gewalttätigen Jugendlichen bestimmte Hirnareale weniger entwickelt sind. (Foto: imago)

Als Ursachen für das gewaltbereite Verhalten von Kindern und Jugendlichen werden oft Faktoren wie Perspektivlosigkeit und Vernachlässigung, aber auch Videospiele und ein hoher Fernsehkonsum genannt. Neue Studien ergaben, dass neben Umwelteinflüssen auch mögliche andere Faktoren für Verhaltensstörungen verantwortlich sein könnten. Forscher fanden im Rahmen einer britischen Studie heraus, dass bei gewalttätigen Kindern und Jugendlichen zwei bestimmte Hirnregionen unterentwickelt sind. Dadurch können die Heranwachsenden sich schwer in andere Menschen hineinversetzen und deren Gefühle nur schlecht einschätzen.

Gewaltbereitschaft bei Kindern

Wie die Zeitschrift "Pediatrics" berichtet, ist Aggression, die in physische Gewalt umschlägt, ein großes gesellschaftliches Problem. Bei Kindern, die schon im Grundschulalter eine Tendenz zur Gewaltbereitschaft zeigen, ist das Risiko größer, auch im Erwachsenenalter körperliche Gewalt als Lösung für Probleme anzuwenden. Die Mehrzahl der Kleinkinder im Alter von 17 Monaten ist körperlich aggressiv gegenüber Geschwistern und Spielkameraden, was aber ganz normal ist. Sie beißen, kratzen, schlagen und werfen mit Gegenständen. Erst im Grundschulalter haben Kinder vollständig die Fähigkeit entwickelt, ihre Bedürfnisse ohne Gewalt durchzusetzen. Etwa vier Prozent schaffen diese Entwicklung jedoch nicht.

Ursachen für unsoziales Verhalten in Frage gestellt

In Großbritannien gelten etwa fünf Prozent der Heranwachsenden als extrem aggressiv und schlecht in Gruppen integrierbar. Bislang dachte man, dass diese Kinder und Jugendlichen unsoziales Verhalten durch Nachahmen erlernen. Die neue Studie stellt diese Vermutung in Frage. Die Hirnforscher der Universität Cambridge untersuchten die Gehirne von 65 verhaltensauffälligen und 27 anderen Jungen. Bei den gewalttätigen Teilnehmern waren die beiden Regionen Insula und Amygdala, die für das Erkennen und Verarbeiten von Emotionen wichtig sind, deutlich kleiner als bei der Kontrollgruppe - und zwar unabhängig davon, ob die Verhaltensstörung schon in der Kindheit oder erst in der Jugend begonnen hatte.

Auffällige Hirnstrukturen als Ursache oder Folge der Verhaltensstörung?

Je ausgeprägter die Verhaltensprobleme der Heranwachsenden, desto stärker war dieser Unterschied zu den anderen Gleichaltrigen. Möglicherweise, so spekulieren die Forscher im "American Journal of Psychiatry", entstehe unsoziales Verhalten nicht durch Nachahmen anderer, sondern durch Veränderungen im Gehirn. Nun müsse man prüfen, ob die auffälligen Hirnstrukturen Ursache oder Folge der Verhaltensstörung seien.

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