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Lebensmittelwerbung: Außen hui - innen pfui

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Außen hui - innen pfui: Werbefotos contra Realität

02.04.2008, 14:45 Uhr | ug

Verbraucher: Lebensmittel im Vergleich: So sehen sie auf der Verpackung aus - und so in der Realität. (Foto: pundo3000.com/T-Online)Lebensmittel im Vergleich: So sehen sie auf der Verpackung aus - und so in der Realität. (Foto: pundo3000.com/T-Online)Schokokuchen mit sahniger Füllung, Nudeln mit knackigem Gemüse und goldgelbe Bratkartoffeln: Fotos, die auf Verpackungen prangen, machen Lust auf die vermeintlich leckeren Lebensmittel. Alles schöner Schein! Sobald man die Suppe zubereitet, in den Schokosnack beißt oder die Folie vom Fertiggericht reißt, wird klar: Hier haben die Hersteller tief in die Trickkiste gegriffen - mit Werbefotos fernab der Realität. Teils unappetitliche Beispiele zeigt das Kunstprojekt "Werbung und Realität". Samuel Müller hat dafür 100 Lebensmittel fotografiert - zunächst die Abbildung auf der Verpackung und dann das zubereitete Gericht. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl des Vorher-Nachher-Vergleichs. Klicken Sie sich durch.

Vorher-Nachher-Fotos Lebensmittel: Werbung und Realität

Suppe mit Gelatine statt Gemüse

Damit die Lebensmittel auf der Verpackung so verlockend aussehen, sind Food-Stylisten, Fotografen und Bildbearbeiter am Werk. „Jedes Lebensmittel hat so seine Besonderheiten“, sagt ein weiterer Experte für Food-Fotografie im Gespräch mit der Redaktion Lifestyle. Erst wird bei den Lebensmitteln selbst und anschließend bei den Fotos getrickst. Ein Beispiel: Bei klaren Suppen soll vor allem die Einlage, beispielsweise Gemüse, gut sichtbar an der Oberfläche schwimmen. „Dafür wird zunächst Gelatine unten in den Teller gegeben und nur wenige Löffel der echten Suppen obendrauf“, verrät der Werbefotograf, der ungenannt bleiben möchte.

Falsche Farbe, mehr Inhalt

Im Original sehen die Lebensmittel oft fahl und wenig appetitlich aus. Am häufigsten wird die Farbe geändert. Am Computer schaffen es die Bildbearbeiter, dass beispielsweise eine grützgrüne Erbsensuppe schmackhafter aussieht. Und mitunter zeigt das Bild auf der Verpackung auch mehr süße oder herzhafte Zutaten als in Wirklichkeit in dem Fertiggericht stecken. Oft werden nämlich nachträglich knackige Karotten, Wienerwürstchen oder Schokostücke digital ins Foto geschummelt.

Bier mit chemischem Geheimrezept

Damit das wohlverdiente Feierabendbier frisch und verlockend aussieht, sollten an einem gefüllten Bierglas immer Tautropfen glänzen. Folgende Mogelei macht’s möglich: „Das Glas wird extra mit speziellem Lack präpariert und anschließend eingesprüht, so dass die Tropfen am Bierglas perlen“, sagt der Experte. Auch das Gelingen der perfekten Schaumkrone braucht etwas Geschick und viel Geduld. „Die Höhe und Konsistenz müssen genau stimmen". Da sie mit der Zeit in sich zusammensackt, wird Schaum aus dem Labor verwendet. „Meist hat jeder Food-Stylist sein eigenes Geheimrezept.“ Auch bei Sekt werde ein Trick angewandt, damit das Perlen im Glas nicht so schnell vergeht und das Prickeln auf dem Foto - und somit beim Verbraucher ankommt.

Von der Konkurrenz schmeckt’s auch

Doch wie weit gehen die Hersteller bei der Schönschummelei ihrer Produkte? „Einige legen schon Wert darauf, dass auch möglichst das gezeigt wird, was wirklich in der Packung steckt“, sagt der Werbe-Fotograf. Doch in die Trickkiste greifen alle: „Irgendetwas muss immer geändert werden - es gilt: Kein Foto ohne Bildarbeitung“. Auch knifflige Fälle lösen die Food-Experten. Oftmals müssen Artikel fotografiert werden, die noch gar nicht auf dem Markt oder fertig entwickelt sind. „Ab und an kommt es dann schon mal vor, dass ein Produkt von der Konkurrenz verwendet wird und auf der Packung zu sehen ist.“ Dazu werden beispielsweise unechte rote Erdbeerstreifen oder Schokostückchen ins Vanilleeis des Konkurrenten gezaubert – ohne dass es der Verbraucher sieht.

Werbung und Realität: 100 Produkte im Vergleich

Sämtliche Ergebnisse des schönen Scheins hat der Autor und Journalist Samuel Müller in seinem Kunstprojekt „Werbung und Realität“ festgehalten. Er fotografierte dazu zunächst die Verpackungen, bevor er die Artikel anschließend nach Herstelleranleitung zubereitete und ebenfalls abgelichtete. Alle Produkte befanden sich laut Müller innerhalb des Haltbarkeitsdatums. Das Ergebnis: Inzwischen wurden über 100 Foto-Vergleiche hergestellt – mal mehr, mal weniger appetitlich. „Mit diesem Projekt sollen keine Produkte und keine Marken schlecht gemacht werden“, schreibt der Macher auf seiner Webseite. Vielmehr gehe es darum sich kritisch mit Mitteln von Werbung in unserer Zeit auseinanderzusetzen.

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