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Verbraucher: Was taugt länger haltbare Frischmilch?

FRISCHMILCH  

Supermärkte verkaufen kaum noch Frischmilch

09.01.2009, 10:39 Uhr | AP/afp

Ernährung: Was taugt "länger frische" Frischmilch?  (Foto: imago)Ernährung: Was taugt "länger frische" Frischmilch? (Foto: imago) Immer mehr Supermärkte nehmen Frischmilch aus dem Angebot, so eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei den Discountern Aldi, Lidl und Penny gebe es gar keine frische Milch mehr, beim Bio-Supermarkt Alnatura und der Supermarkt-Kette Real betrage der Anteil nur noch 25 Prozent, beim Konkurrenten Rewe 28 Prozent, teilte die Verbraucherzentrale mit. Stattdessen biete der Handel "länger frische" oder "maxi frische" Milch an. Diese Milch sei aber nicht frisch, sondern auf über 120 Grad Celcius erhitzt oder mikrofiltriert, also besonders fein gefiltert. Die Beschwerden darüber häuften sich seit Jahresende, sagte Ernährungsberaterin Silke Schwartau.

Als würde man gekochte Eier als frisch verkaufen

Die Verbraucherschützer kritisieren besonders die mangelnde Kennzeichnung: Der Verbraucher könne kaum erkennen, welche Milch er kaufe. "Werden Fisch oder Eier gekocht, würde sie niemand als frisch bezeichnen", erklärte Schwartau. Es sei irreführend, wenn Milch maxi frisch heiße, obwohl sie gar nicht frisch sei. Die Verbraucherzentrale forderte daher eine eindeutige Kennzeichnung. Zudem appellierte sie an den Handel, weiterhin Frischmilch anzubieten. Sonst enthalte er den Verbrauchern, besonders den Kindern, ein wertvolles Lebensmittel vor.

Hocherhitzte Milch hält länger

Die Vorteile der sogenannten ESL-Milch - ESL steht für Extended Shelf Life (verlängerte Haltbarkeit im Regal) - habe "einseitig" der Handel, da die Tüten länger im Regal stehen können. Nach dem Öffnen der Packung verderbe die ESL-Milch genauso schnell wie frische Milch. Die Produktion von ESL-Milch sei aber ökologisch kaum vertretbar, erklärte die Verbraucherzentrale. Sie verbrauche "sinnlos" Energie für die Erwärmung der Milch und den Transport der haltbaren Milch über weite Strecken. Regionale Molkereien hätten das Nachsehen. Die Verbraucherschützer kontrollierten Anfang Januar stichprobenartig das Milch-Angebot in Supermärkten der Einzelhandelsketten in Hamburg. Auch Biomilch ist demnach häufig ESL-Milch.

Kochgeschmack trübt Milchgenuss

"Wenn hocherhitzte Milch als Frischmilch bezeichnet wird, werden Verbraucher getäuscht", kritisiert die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen, Andrea Schauff. "Das Herstellungsverfahren von ESL-Milch muss deutlich sichtbar gekennzeichnet werden", fordert auch sie. Die längere Haltbarkeit dieser Milch diene vor allem dem Handel dazu, nicht auf Beständen mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sitzenzubleiben. Daher verdränge die Milch-Variante zunehmend die herkömmliche Frischmilch aus den Regalen."Für die längere Haltbarkeit muss jedoch teilweise ein leichter Kochgeschmack in Kauf genommen werden", erklärt Uta Viertel, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Eine Kennzeichnung der ESL-Milch nach einheitlichen Vorgaben sei deshalb dringend erforderlich.

Nach dem Öffnen nur kurze Haltbarkeit

Wer regelmäßig Milch trinkt und mindestens einmal pro Woche einkauft, braucht die länger haltbare Milch demnach aber nicht. "Denn nach dem Öffnen verdirbt sie genauso schnell wie Frischmilch innerhalb einiger Tage", sagt Schauff. Die Vitaminverluste in der ESL-Milch bei der Erhitzung hielten sich zwar in Grenzen. Werde die Milch aber im Handel oder zu Hause länger gelagert, steige der Vitaminabbau. ESL steht für Extended Shelf Life und bedeutet "längeres Leben im Regal". Bei der herkömmlichen Pasteurisierung von Frischmilch werde diese rund 30 Sekunden bei 72 bis 75 Grad Celsius erhitzt, hieß es. ESL-Milch werde bei 127 Grad für 10 bis 15 Sekunden erhitzt, was zu einem leichten Kochgeschmack führe. Bei einem anderen Verfahren würden aus der Magermilch die Milchkeime mit feinsten Filtern entfernt, erhitzter Rahm zugesetzt und das Ganze pasteurisiert. Dabei bleibe ein frischer Milchgeschmack erhalten. Das Verfahren ist aber nicht zu verwechseln mit dem Ultrahocherhitzen von H-Milch.


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