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Fassbier enthält oft eklige Darmkeime

Bier  

Fassbier enthält oft eklige Darmkeime

23.03.2009, 12:53 Uhr | ts

Reinheit beim BierFassbier ist nicht immer ein reiner Genuss (Foto: imago)Für viele Bundesbürger geht nichts über ein frisch gezapftes Bier in der Lieblingskneipe an der Ecke. Doch Fassbier ist Vertrauenssache. Wird die Zapfanlage nicht richtig gereinigt, kann der Gerstensaft Darmbakterien enthalten. Stichproben der Lebensmittelkontrolleure zeigen: Die Dunkelziffer liegt hoch, teilweise sind bis zu 70 Prozent aller Bierproben verunreinigt. Auch wenn die Keime keine ernsthafte Gesundheitsgefahr darstellen, eklig und unhygienisch sind sie allemal. Wieso ist das Bier aus dem Zapfhahn oft nicht frisch? Hier erfahren Sie es.

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Hygiene beim Ausschank lässt zu wünschen übrig

Im Fachjargon heißt es "Nachtwächter": Stinkendes Bier, das über Nacht in den Leitungen stehen geblieben ist und in dem sich Keime und Bakterien vermehrt haben. Dr. Hans-Dieter Rietze von der Lebensmittelüberwachung in Kassel erklärt, wie es dazu kommen kann: "wenn der Zapfhahn abends nicht ordentlich auseinandergenommen und gereinigt wird oder wenn beim Fasswechsel geschlampt wird." Vierteljährlich lässt der Leiter des Kasseler Veterinäramtes Stichproben von Schankbetrieben nehmen. Das Ergebnis ist alarmierend: 70 Prozent der im November 2008 untersuchten Bierproben waren belastet, teilweise sehr stark. Fast die Hälfte aller geprüften Betriebe erhielt eine Bußgeldandrohung.

Keine eindeutigen Vorschriften für Wirte

Ernährung: Egal ob Weizen, Pils oder Export - Bier ist der Deutschen liebstes Getränk. (Foto: Archiv)Egal ob Weizen, Pils oder Export - Bier ist der Deutschen liebstes Getränk. (Foto: Archiv)Für den Verbraucher ist der Zustand in deutschen Schankbetrieben äußerst ärgerlich. Ob ein Schankwirt seine Anlage ordentlich reinigt, ist tatsächlich Vertrauenssache. In der Vergangenheit galt die Regelung, dass Zapfanlagen mindestens alle 14 Tage gründlich gereinigt werden mussten. Seit dem Wegfall der Schankanlagen-Verordnung im Jahr 2005 gibt es jedoch keine eindeutige Vorgabe mehr. Eine aktuelle DIN-Norm für Schankwirte schreibe zwar mindestens alle sieben Tage eine Komplettreinigung vor, so Rietze, allerdings gebe es erhebliche Widersprüche innerhalb der Richtlinie. Und selbst wenn sich ein Wirt daran hält: Wird zwischen den vollständigen Reinigungen geschlampt, sind Verunreinigungen trotzdem vorprogrammiert.

"Zapfanlagen sind keine Einbahnstraßen"

Dabei ist Bier eigentlich gar kein besonders guter Nährboden für Keime. "Man muss schon ganz schön schweineigeln, damit das Bier so verunreinigt ist", erklärt Rietze. Der Lebensmittelkontrolleur sieht ein Hauptproblem darin, dass nicht alle Teile der Anlage in die Reinigung einbezogen werden. "Eine Zapfanlage ist keine Einbahnstraße", erklärt der Experte. "Wenn irgendwo eine Verunreinigung entsteht, ist das ganze System betroffen." Defekte Leitungen beispielsweise erschweren eine gründliche Reinigung. Viele Wirte überlassen die Pflege der Anlage professionellen Bierreinigern, so Rietze: "Und hier liegt vieles im Argen."

Schwarze Schafe bleiben lange unentdeckt

Wenn man bedenkt, dass es europaweit rund 1,8 Millionen Bierleitungen gibt, wird deutlich, wie schwierig eine Überwachung der Schankbetriebe ist. Hierzulande fehlt eine bundesweite Kontrolle vollständig. Und die Lebensmittelprüfer vor Ort kommen mit ihren Stichproben kaum hinterher: "Bis man da einmal rumkommt," erklärt Hans-Dieter Rietze, "das ist gar nicht zu schaffen." Offenbar fürchten aber immer mehr Gastwirte um ihren guten Ruf, seit die Medien das Thema aufgegriffen haben. So zeigen die aktuellen Stichproben der Kasseler Lebensmittelprüfer eine deutliche Verbesserung der Bierqualität: Immerhin 15 der im Januar 2009 getesteten 20 Betriebe schenken einwandfreies Bier aus. Wer allerdings ganz auf Nummer Sicher gehen möchte, dem bleibt nur der Umstieg aufs Flaschenbier.

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