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Nanopartikel in der Kosmetik: Gefahr oder Chance?

Nanopartikel  

Nanopartikel in der Kosmetik: Gefahr oder Chance?

25.03.2009, 11:11 Uhr | dpa/AP/cme

Sichere Schminke: Hersteller sollen über Inhaltsstoffe aufklären. (Foto: ddp)Sichere Schminke: Hersteller sollen über Inhaltsstoffe aufklären. (Foto: ddp)Um Kosmetik wirksamer zu machen, greifen die Hersteller zu raffinierten High-Tech-Methoden. Der Renner sind derzeit so genannte Nanopartikel - winzig kleine Teilchen, die leicht in die Haut eindringen. Da man bislang kaum weiß, wie die winzigen Partikel im Körper wirken und ob sie möglicherweise schaden, müssen die Hersteller künftig die Verwendung von Nanoteilchen auf der Verpackung angeben. Mit der entsprechenden Änderung der Kosmetik-Richtlinie will das Europäische Parlament die Gesundheit der Verbraucher schützen. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass derart unerforschte Substanzen in der Kosmetik eingesetzt werden? Und was sind Nanopartikel überhaupt?

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Nanopartikel: Winzlinge mit besonderen Eigenschaften

Nanopartikel messen nur wenige hundert Nanometer und sind damit etwa 50.000 Mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Aufgrund ihrer geringen Größe wirken sie chemisch und physikalisch meist stärker als größere Teilchen des gleichen Stoffes. Sie eignen sich zum Beispiel hervorragend als Transportmittel, um Wirkstoffe in die Haut zu schleusen. Derzeit werden Nanopartikel zum Beispiel in Sonnencremes verwendet. Teilchen aus Titandioxid schützen die Haut effektiv vor UV-Strahlen. In Hautpflegeprodukten sind es Nanokapseln, die für den Transport von Inhaltsstoffen sorgen und die pflegende Wirkung verbessern sollen. Die Winzlinge werden auch in Glanzlacken und Beschichtungen verwendet, die Graffiti nicht haften lassen. Sogar die Lebensmittelbranche hat die Nanopartikel bereits als Hilfs- und Zusatzstoffe für sich entdeckt. So gibt es Ketchup mit Siliziumdioxid, das für eine feste Konsistenz sorgt. Als so genannte Rieselhilfen finden sich die kleinen Teilchen auch in Fertig-Tütensuppen.

Lungenschäden durch Nano?

So praktisch Nanopartikel für die Industrie sind, so ungewiss sind die Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Weil sie so klein sind, können sie leichter in Zellen, Gewebe und Organe eindringen. Ihre stärkere biologische Reaktionsfähigkeit kann auch zur höheren Giftigkeit führen. So kann beispielsweise der sonst unbedenkliche Lebensmittelzusatz Titandioxid in Nanogröße das Erbgut sowie Zellfunktionen schädigen und so die Abwehrkräfte von Immunzellen beeinträchtigen. Mit der Nahrung aufgenommene Nanopartikel können außerdem die Darmwände durchdringen und ins Blut übergehen. Die Projektgruppe "NanoCare" des Forschungszentrums Karlsruhe hat in Tierversuchen an Mäusen und Ratten herausgefunden, dass eingeatmete Nanopartikel Entzündungsreaktionen in der Lunge auslösen. Je kleiner die Partikel waren, desto schlimmer waren die Entzündungen. Auch beim Menschen wurden schon Gesundheitsschäden beobachtet. So mussten einige Nano-Badsprays wieder vom Markt genommen werden, da sie Entzündungen im Lungengewebe auslösten.

Kritik von Verbraucherschützern

Für Verbraucherschützer ist es daher unverständlich, dass Nanomaterialien überhaupt eingesetzt werden dürfen. "Wir wollen eine verpflichtende Sicherheitsbewertung für alle Nanomaterialien in Kosmetika, ehe sie überhaupt auf den Markt kommen", kritisierte der Europäische Verbraucherschutzverband BEUC. Immerhin, mit dem neuen Gesetz muss zumindest die Kosmetikindustrie ab 2012 die Verwendung von Nanopartikeln kennzeichnen. Auf die Verwendung von Nanostoffen in Lebensmitteln, Reinigern oder Beschichtungen hat das Gesetz allerdings keine Auswirkungen. Hier dürfen die Winzlinge nach wie vor ohne besondere Kennzeichnung eingesetzt werden. Und nicht nur das: Da die Nanoteilchen so faszinierende Wirkungen haben, wird überall nach neuen Einsatzgebieten geforscht.

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