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Friedwald: Bestattung unter einem Baum immer beliebter

Baumbestattung  

Bestattung im Friedwald wird immer beliebter

18.02.2014, 14:52 Uhr | dapd

Friedwald: Bestattung unter einem Baum immer beliebter. Friedwald: Bestattungen unter Bäumen werden immer beliebter. (Quelle: dapd)

Bestattungen unter Bäumen, sogenannten Friedwäldern, werden immer beliebter. (Quelle: dapd)

Es müssen nicht immer Sarg oder Urnengrab sein: Um einen Toten zu bestatten, gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen. Eine davon ist der Friedwald - eine Naturbestattung, die immer beliebter wird. In extra dafür ausgewiesenen Wäldern wird die Urne mit der Asche des Verstorbenen unter einem Baum beigesetzt. In Deutschland gibt es rund 200 solcher Wälder. Wir sagen, was Sie über Baumbestattungen wissen sollten und stellen sieben Alternativen zur normalen Bestattung vor.

Friedwald am Anfang kritisch beäugt

Baumbestattungen sind in Deutschland erst seit zehn Jahren möglich. Am 7. November 2001 eröffnete im nordhessischen Reinhardswald der erste deutsche Friedwald. "Das war eine absolute Pioniergeschichte damals", erinnert sich Norbert Teuwsen, der als Forstamtsleiter in Reinhardshagen so etwas wie der Bürgermeister des größten geschlossenen Waldgebiets in Hessen ist. Denn Baumbestattungen waren damals ein Wagnis und skeptisch beäugte Sensation zugleich, sagt Teuwsen: "Zuerst habe ich gesagt: Wir sind doch keine Friedhofsverwaltung, sondern ein Forstamt."

Jeder vierte Deutsche will Naturbestattung

Doch nach und nach ließ sich der Forstamtsleiter von den Gründern der privaten Friedwald GmbH für die Idee begeistern. "Nach zehn Jahren wissen wir, dass es ein Volltreffer war", sagt er heute. Die ersten Menschen, die sich für die Bestattung in kompostierbaren Urnen unter dem grünen Blätterdach interessierten, hätten davon nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Heute ist das anders, denn Naturgräber liegen im Trend. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die die Friedwald GmbH in Auftrag gegeben hat, wünscht sich jeder vierte Deutsche eine Beisetzung im Wald oder auf See.

Im Reinhardswald schon 3.300 Bestattungen

Wer seine letzte Ruhe zu Füßen eines Baumes finden will, hat heute die freie Auswahl. Bundesweit betreibt das Unternehmen aus dem südhessischen Griesheim 41 Bestattungswälder, in denen schon 22.000 Menschen beigesetzt wurden. Fast 3.300 von ihnen liegen im Reinhardswald. Insgesamt gibt es hierzulande rund 200 Bestattungswälder. Auf die Grabstätten verweist nichts außer einem kleinen Namensschild an dem Baum, den sich die Verstorbenen meist noch zu Lebzeiten ausgesucht haben. "Viele Menschen wollen ihren Angehörigen die Friedhofspflege nicht mehr zumuten. Bei uns ist Grabpflege sogar verboten", erklärt Teuwsen die zunehmende Belibetheit von Friedwäldern.

Grabstellen ab 770 Euro

Mit einer Fläche von 116 Hektar umfasst der Friedwald in Reinhardswald nur einen Bruchteil des rund 200 Quadratkilometer großen Waldgebiets nördlich von Kassel. Mehrere tausend Eichen und Buchen, aber auch Lärchen, Fichten, Kastanien oder Ebereschen stehen als letzte Ruhestätte bereit - markiert mit bunten Bändchen, die den Preis angeben. Für 770 Euro ist ein Platz unter einem Gemeinschaftsbaum mit zehn Grabstellen zu haben. Ein Partnerbaum für ein Ehepaar kostet dagegen bis zu 6.350 Euro.

Außerdem sind Freundschaftsbäume für größere Gruppen im Angebot: "Da möchte sich etwa eine Nachbarschaftsclique bestatten lassen, damit die Kinder und Angehörigen beim Trauern im Wald zusammenfinden", berichtet Friedwald-Geschäftsführerin Petra Bach. "Und neulich hatten wir sogar einen Kajakverein mit einem solchen Anliegen."

Kirche gibt Widerstand langsam auf

Das Geschäft läuft gut. Nicht ohne Grund haben sich viele Nachahmer gefunden - andere Privatunternehmen wie die Ruheforst GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Hilchenbach, aber auch Kommunen, die Teile ihrer Friedhöfe für Naturbestattungen umgestalten. Sogar die Kirchen geben ihren anfänglichen Widerstand gegen die Friedhofsflucht langsam auf. Vor vier Jahren wurde auf dem Schwanberg in Unterfranken der erste evangelische Bestattungswald eingeweiht. "Der Friedwald hat unsere Bestattungskultur verändert", sagt Reiner Sörries, Direktor des Kasseler Museums für Sepulkralkultur (Totenkult). "In den vergangenen zehn Jahren hat sich so viel getan wie zuvor in 50 Jahren nicht."

Friedhof bleibt

Dennoch ist Sörries über den Trend zum Grab in der freien Natur nicht besonders glücklich. "Die Vermengung von Lebensraum und Totenraum finde ich trauerpsychologisch schwierig", sagt er. Zudem seien Friedhöfe unverzichtbar, weil sie der Ort seien, an dem der Tod in der Gesellschaft präsent ist.

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