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So pokert ein Champion

So pokert ein Champion

03.01.2012, 12:11 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

. Poker-Champion Stephan Kalhamer. (Quelle: Archiv)

Poker-Champion Stephan Kalhamer. (Quelle: Archiv)

wanted.de hat dem Poker-Champion Stephan Kalhamer in die Karten geblickt. Kalhamer ist nicht nur Kapitän der frischgebackenen deutschen Weltmeister-Mannschaft, er berät auch als Präsident des Deutschen Poker Sportbundes unter anderem Manager großer Konzerne in Strategie und Taktik. Werden auch Sie zum Champion und lesen die besten Poker-Tipps vom Profi.

Gratulation zum Gewinn der WM! Was genau fasziniert Sie an Poker?

Kalhamer: Poker ist ein Spiel, das so leicht wie kein anderes verschiedene Menschen an einen Tisch bringt. Alter, Geschlecht, Herkunft, Sprache - all dies sind keine Hürden. Nach wenigen Minuten kann jeder mit jedem in Wettstreit treten. Dabei ist "schlechtes gegnerisches Spiel" keineswegs langweilig für den Pokerchamp. Eigenwillige Spielzüge stellen auch geübte Spieler quasi "aus Versehen" vor schwierige Aufgaben.

Was raten Sie Anfängern, die wirklich Poker-Profi werden wollen?

Kalhamer: Das Spiel und die Gegner immer respektieren. Die eigenen Entscheidungen immer sauber hinterfragen. Bei Siegen nicht abheben. Und bei Niederlagen nicht verzweifeln. >>

Lässt sich das überhaupt trainieren?

Kalhamer: Natürlich. Meine Firma Gaming Institute beispielsweise bietet in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und selbst auf Mallorca Kurse an. Wir beginnen mit Schnupperkursen und gehen über halb- und eintägige Workshops in kleinen Gruppen bis hin zum Individualcoaching.

Wie kann man sich am besten ein Poker-Face antrainieren?

Kalhamer: Das kommt mit der Zeit von ganz alleine. Je mehr Erfahrung man im Umgang mit den Höhen und Tiefen des Spiel hat, umso weniger emotional und besser wird das Poker-Face.

Welche Typen gibt es beim Poker – und wie erkennen Sie diese?

Kalhamer: Am Pokertisch gibt es genauso viele Typen wie auf der Straße. Zu den aus taktischer Sicht wichtigsten Spielern gehören die Hitzköpfe. >>

Nicht weil sie besonders gefährlich sind, sondern weil man gegen sie oft und um viele Chips spielt. Diesem Charakter begegnet man mit Ruhe und Qualität in der Hand. Ein guter Spieler nimmt den Kampf um den meisten Mumm am Tisch nicht an. Vielmehr lässt er aggressiven Spielern die Führung und nimmt ihnen nur die Chips - nicht aber das Selbstbewusstsein.

Wie lange brauchen Sie, um Ihr Gegenüber durchschauen? Worauf achten Sie genau?

Kalhamer: Ich gehe an jedem Tisch mit Respekt vor jedem Spieler. Während und nach jeder Hand durchdenke ich den Zug aus jeder Perspektive. Nach und sehe ich, wer etwas weiß und wer wie zu schlagen ist. Falls mir nach rund 30 Minuten kein Spieler mit mindestens einer Schwachstelle auffällt, so ist der Tisch sehr stark. Und dann ist es besser, gegen andere zu spielen. In der Realität kommt dies aber eigentlich nie vor. Ich habe immer schnell den einen oder anderen ausgemacht, gegen den ich besonders gerne antrete.

Haben Frauen bessere Chancen beim Poker?

Kalhamer: Frauen sehe ich wie Rechtsausleger im Boxen oder Linkshänder im Tennis. Sie sind aktuell in der Minderheit und haben dadurch einen kleinen Vorteil. Für sie ist es normal, gegen Männer zu spielen. Für Männer ist es aber nicht üblich, gegen Frauen zu spielen. Ansonsten sehe ich keinen Grund warum eine Frau besser oder schlechter spielen sollte, als ein Mann.

Setzen Frauen am Tisch gezielt ihre Reize ein?

Kalhamer: Das mag schon sein. Aber wenn diese Masche Erfolg hat, dann spricht es weder für die Frau, die dies versucht, noch für den Mann der darauf reinfällt. Denn die Frau gibt Informationen preis, wie sie ihr Spiel anlegt und ich kann mich darauf einstellen. Wenn dies ein Mann nicht erkennt, spricht das nicht für ihn als Pokerspieler. >>

Wie entspannen Sie sich in der Freizeit?

Kalhamer: Ich treibe viel Sport und mag alle Ballsportarten, gehe laufen und ins Fitnessstudio. Poker ist ein Denksport und es denkt sich leichter ohne körperliche Beschwerden.

Welche mentalen Eigenschaften braucht ein guter Pokerspieler?

Kalhamer: Ein Spieler muss situationsbedingt zwischen Geduld und Aggression umschalten können. Dabei darf es keine Rolle spielen, welche Strategie ihm besser liegt. Es zählt nur, was aktuell sinnvoll ist.

Lassen sich die für das Poker benötigten Fähigkeiten auch in der Berufswelt einsetzen?

Kalhamer: Poker ist kein Kartenspiel um Geld. Es ist ein Finanzspiel, welches mittels Karten ausgetragen wird. Wer pokert, der kalkuliert gegebene Angebote und unterbreitet selbst welche. Wer gut pokert, der schließt mehrheitlich gewinnbringende Geschäfte ab und vermeidet Verlustbringer. Gute Pokerspieler sind gute Geschäftsleute. Sie können rechnen, verhandeln und verlieren nicht den Überblick.

Wie kann also jemand an sich selbst erkennen, ob er das Zeug hat zu einem guten Poker-Champ?

Kalhamer: Gute Entscheider im Alltag sind auch gute Entscheider am Pokertisch und umgekehrt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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