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Cocktail-Revival: Rückkehr der Klassiker

Cocktail-Revival: Rückkehr der Klassiker

01.08.2013, 16:46 Uhr | Benedikt Sauer, wanted.de

Cocktail-Revival: Rückkehr der Klassiker. Die Cocktail-Kultur erlebt ein Revival. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Cocktail-Kultur erlebt ein Revival. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Unter Barkeepern wird es immer populärer, den Ursprung der Cocktail-Kultur neu aufleben zu lassen. Sie schmökern in alten Barbüchern auf der Suche nach längst vergessenen Drinks, um ihnen zu neuem Glanz zu verhelfen. Auch Lukas Motejzik hat diese Faszination gepackt. In der "Zephyr" Bar in München serviert er seinen Gästen auf Wunsch nicht nur alte Klassiker, die heute kaum noch einer kennt, sondern auch seine ganz persönlichen Neuinterpretationen.

Foto-Serie mit 14 Bildern

Ein guter Barkeeper kann nicht nur hervorragende Cocktails mixen, sondern beschäftigt sich auch mit der Entstehungsgeschichte seines Handwerks und der Drinks, die er tagtäglich kunstvoll zubereitet. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr in der Bar-Szene entwickelt.
"Es geht vor allem um die Wiederentdeckung der Cocktails vor und nach der Prohibition in den USA. Hier kam der Cocktail, so wie wir ihn heute kennen, erstmals zustande", sagt Motejzik.

Die New Yorker Zeitung "The Balance, and Columbian Repository" definierte den Cocktail im Mai 1806 als eine Zusammensetzung aus Spirituosen jeglicher Art, Zucker, Wasser (Eis) und Bitter. Anfangs war er eher etwas für die Unterschicht und wurde früh morgens zum Start in den arbeitsreichen Tag getrunken.
Mit der Zeit wurde der Alkohol qualitativ immer besser und auch Eis gab es flächendeckend. Ein regelrechter Bar-Boom entwickelte sich. >>

Es wurde immer schicker, Drinks zu mixen und sie mit Freunden zu genießen. Das goldene Cocktail-Zeitalter begann.

Alte Klassiker neu entdeckt

In dieser Epoche entstanden so wunderbare Drinks wie der "Continental Sour" von 1884 oder der "Sherry Cobbler" von 1887, die damals sehr gerne getrunken wurden, mit der Zeit jedoch in Vergessenheit gerieten. "Heute ist es für uns Barkeeper faszinierend, in alten Barbüchern wie "Jerry Thomas' Bartenders Guide" von 1862 auf solche Klassiker zu stoßen und hier und da den Ursprung weltbekannter Cocktails zu erkennen", so Motejzik. "Wer kennt heute beispielsweise noch einen "Continental Sour"? Er ähnelt stark dem "Whiskey Sour", den Sie hingegen in jeder guten Bar bekommen. Für den Continental wurde damals neben Rye Whisky, Zitronensaft, Zuckersirup und einem halben Eiweiß noch zusätzlich ein Schuss trockener Rotwein ins Glas gefloatet."

Beim Stöbern in alten Zeiten lassen es sich viele Barkeeper nicht nehmen, den ein oder anderen Cocktail von damals neu zu interpretieren, um ihn beispielsweise dem heutigen Geschmack anzupassen. Motejzik: "Wenn ich heute einem Gast eine "White Lady" von 1930 mit 6 cl Gin, 2 cl Triple Sec, 2 cl Zitronensaft und einem halben Eiweiß serviere, wäre das schon sehr speziell, da der Cocktail sehr stark und trocken schmeckt. Also wird die Rezeptur ein wenig angepasst. Ich serviere meinen Gästen zum Beispiel eine "Bloody Lady", bei der der Triple Sec mit selbstgemachtem Blutorangensirup ersetzt wird, um den Drink etwas fruchtiger und runder zu machen."

Back to the roots Wer die Cocktails von damals und deren Neuinterpretationen gerne mal probieren möchte, findet immer mehr Bars in Deutschland, die sich auf jene goldene Zeit eingestimmt haben. "In der Bar Reichenbach in München ziehen sich die Barkeeper zum Beispiel an wie damals. Sie tragen Knickerbocker mit Hosenträgern und kunstvoll drapierte Schnurbärte in entsprechendem Ambiente. Auch wird die Zeit während der Prohibition gerne aufgenommen, in der die so genannten Speakeasys entstanden. Das waren illegale Kneipen, die trotz Verbot Alkohol ausschenkten", erklärt Motejzik. Psst, wir haben geöffnet!

Um in eine solche Flüsterkneipe hineinzukommen, waren oft geheime Parolen oder Klopfzeichen notwendig. Oder es drehte sich auf Knopfdruck die komplette Bar herum, so wie man es vielleicht aus manch altem Mafia-Film her kennt. Das alles gab es – und wird heute gerne wieder aufgegriffen. Im Butcher's in Berlin versteckt sich die Bar beispielsweise hinter einer mysteriösen roten Telefonzelle, an deren Rückwand man klopfen muss, um in die Räumlichkeiten der alten Fleischerei eingelassen zu werden. Wer jetzt Lust bekommen hat, seinen Gaumen auf die Geburtsstunden der Cocktail-Kultur einzustimmen, sollte sich unbedingt durch unsere schöne Foto-Show klicken, in der Ihnen Lukas Motejzik erklärt, wie Sie selbst alte Klassiker und einige Neuinterpretationen mixen können.

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