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Bourbon – ein Whiskey ohne Ecken und Kanten

Bourbon – ein Whiskey ohne Ecken und Kanten

05.12.2013, 14:45 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Bourbon – ein Whiskey ohne Ecken und Kanten. Amerikanischer Bourbon schmeckt weich und rund. (Quelle: imago images/Chromorange)

Amerikanischer Bourbon schmeckt weich und rund. (Quelle: Chromorange/imago images)

Amerikanischer Bourbon ist weich und rund – hat aber Nachholbedarf im Vergleich zum Scotch. wanted.de hat sich die Geschichte des US-Whiskeys und die interessantesten Marken genauer angeschaut.

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Der Ursprung für den Namen des US-Whiskeys – er wird anders als die schottische Variante mit einem "e" geschrieben – liegt im Bourbon County im US-Bundesstaat Kentucky. Nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten benannten die siegreichen Amerikaner den Landkreis zu Ehren des französischen Königshauses, denn die Bourbonen hatten Truppen geschickt. Auch Ortsnamen wie Paris, Versailles oder Louisville oder die legendäre Bourbon Street in New Orleans zeugen von der alten Allianz. Spötter behaupten dagegen, dass der Brand so genannt wurde, damit die französischen Freischärler unter General Marquis de La Fayette einen Drink hatten, dessen Namen sie auch aussprechen konnten. Egal: Das Bourbon County wurde 1785 etabliert und 1792 Teil des neu gegründeten Staates Kentucky.

Mais-Whiskey aus Kentucky

Der erste Whiskey in den USA war von britischen Einwanderern in der Region rund um Pennsylvania noch auf Basis von Roggen produziert worden, gemälzte Gerste wie im schottischen Single Malt war nur schwer aufzutreiben.

Dann wanderten die Destillen in Richtung Süden: Als Washington Farmer mit Krediten über die Appalachen in Richtung Westen lockte, ließen sich viele Farmer in den fruchtbaren subtropischen Tälern von Kentucky nieder – die alte indianische Kulturpflanze Mais wächst hier prächtig.

Noch heute besteht Bourbon zu mindestens 51 Prozent aus Mais, der mehr Stärke enthält als Gerste und daher süßer ist. Über den Ohio River und den Mississippi trat der Whiskey seinen Siegeszug an, die Eroberung des Wilden Westens und der amerikanische Bürgerkrieg sorgten für eine kräftige Nachfrage – denn in harten Zeiten ist harter Schnaps gefragt. Bald war der ungewöhnliche Mais-Brand so berühmt, dass er nach dem Bourbon County benannt wurde. Seit dem Ende der Prohibition boomt das Geschäft wieder.
Heute bezeichnet der Begriff Bourbon jeden Mais-Whiskey, der auf amerikanischem Boden hergestellt wird – egal ob in Kentucky oder auf Hawaii. Im Landkreis Bourbon selbst wird heute ironischerweise kein Whiskey mehr gebrannt. >>

Aber 95 Prozent der US-Produktion stammt aus Kentucky. Hier arbeiten heute noch folgende große Destillen: Four Roses, Heaven Hill, Jim Beam, Maker's Mark, Town Branch, Wild Turkey und Woodford Reserve, dazu gesellen sich einige kleinere. Tennessee Whiskey gibt es auch, das ist Bourbon, der vor dem Abfüllen über Holzkohle gefiltert wurde, hier produzieren Jack Daniel's und George Dickel.

Junge Fässer werden nur einmal verwendet

Nun zu einigen Besonderheiten. Ein Bourbon muss laut US-Gesetz mindestens zwei Jahre in neuen, innen ausgebrannten Fässern amerikanischer Weißeiche reifen, die Verkohlung sorgt für eine Karamelisierung des Holz-Zuckers. Wichtig: Die amerikanischen Fässer dürfen nur einmal für den Bourbon verwendet werden. Mit dieser Regelung wurde zum Anfang des 20. Jahrhunderts die Forstindustrie in armen Gegenden wie Arkansas gestützt. Allerdings schränkt dieses Verdikt die Geschmacksvielfalt des Bourbon ein, die Konkurrenz in Schottland – wo ein Whisky mindestens drei Jahre im Fass bleiben muss – experimentiert dagegen mit dem Ausbau in ehemaligen Sherry-, Madeira- oder Portwein-Fässern. Oder eben mit Bourbon: Gebrauchte US-Barrels enthalten noch einige Liter Whiskey und werden vor allem an die Schotten geliefert, die mit dem Mais-Einschlag weitere interessante Varianten produzieren. Bourbon ist somit eindimensionaler: Hier herrscht dank der jungen Fässer mitunter ein fruchtiges, holziges Aroma vor. Da es außerdem in den US-Südstaaten keine Moore gibt, wird anders als in manchen schottischen Destillen kein Torffeuer für das Trocknen des Getreides verwendet; das Wasser in Kentucky schmeckt nicht nach Phenol, es mineralisch, weil durch Kalkstein gefiltert. In Schottland drückt die See den Fässern auf Islay oder Skye ihren Stempel auf, im Landesinneren der USA fällt dieser Faktor weg. Bourbon Whiskey ist einigen Genießern somit zu einseitig. Ferner reift Bourbon dank der jungen Fässer und wegen des heißen und schwülen Wetters im US-Süden schneller heran. Daher sind Brände aus den USA meist günstiger – und im aktuellen Vintage- und Manufaktur-Trend gilt: Was nicht teuer ist, kann nicht gut sein. Der Zeitgeist spricht somit gegen den Bourbon.

Scotch ist komplexer

Das belegt beispielsweise der Blick auf die World Whiskies Awards: Die Königskategorie ist hier der Single Malt – worunter Mais-Brände eben nicht fallen. Zuletzt machten bei den Awards komplexe Torfbomben wie Ardbeg und Lagavulin oder Japaner von sich reden. Auch der Whisky-Papst Jim Murray hat fast ausnahmslos schottische Malts als beste Whiskys der Welt gekürt. Doch dann ein Paukenschlag: Der Kritiker ehrte zwei Brände aus Kentucky als besten und zweitbesten Whiskey des Jahres 2013, beide stammen aus der Destille Buffalo Trace. Noch nie belegte eine Brennerei die beiden ersten Plätze! Der Sieger Thomas Handy Sazerac ist allerdings ein Rye – also ein Brand aus Roggen. Der Bourbon-Bruder William Larue Weller aus der gleichen Destille wurde immerhin Zweiter. Fazit: Im Match gegen Kentucky haben die Schotten dank der tiefer gestaffelten Geschmackspalette die Aromen-Nase vorn. Dennoch überzeugt Bourbon durchaus mit weichen, süßen und runden Bränden – und er kann allemal mit Whisky von der schottischen Speyside mithalten. Zudem punkten viele US-Brände mit Preisen, die im heiß gelaufenen Vintage-Markt schon lange nicht mehr aufgerufen werden. Zur Freude der Genießer: Wer Vanille, Karamell, Orange, Nüsse und Buttertoffee liebt, der sollte sich einmal Alternativen aus Amerika einschenken. Einige interessante Brände, die bei großen Veranstaltungen Titel in Subkategorien wie bester nordamerikanischer Whiskey eingeheimst haben, finden Sie in unserer Fotoshow.

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