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Cachaça – Samba im Glas

Cachaça – Samba im Glas

08.05.2014, 13:19 Uhr | Frank Lansky

Cachaça – Samba im Glas. Der Cachaça ist der brasilianische Nationalschnaps. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Cachaça ist der brasilianische Nationalschnaps. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Endlich wieder Fußball-WM – die Fans laufen auf Hochtouren, Brasilien-Partys überall. Grund genug für wanted.de, sich den Nationalschnaps genauer anzuschauen. Cachaça kennen die meisten als Basis für einen Caipirinha, doch er schmeckt auch pur - wenn Sie sich die richtigen Marken einschenken.

Cachaça (sprich: Kaschassa) ist ein naher Verwandter des Rum – allerdings wird letzterer aus Melasse hergestellt, Cachaça dagegen aus dem frisch gepressten Saft des Zuckerrohres. Rum wird doppelt destilliert, der brasilianische Schnaps einfach – daher bleiben hier andere Aromen im Brand. Zudem herrschen auf Kuba und Jamaika andere klimatische Bedingungen – hier ist es schwüler, während sich in Brasilien das Klima des südamerikanischen Kontinents auswirkt und der Rohstoff teils aus dem kühleren Hochland stammt. Das Ergebnis aus alledem: Rum schmeckt eher karamellig, Cachaça würzig und fruchtig.

Ein Schnaps auf der Plantage

Der Legende nach entdecken Bauern in Sao Vicente im Bundesstaat Sao Paulo im 16. Jahrhundert, dass das Vieh einen Schwips bekommt, nachdem es angegärtes Zuckerrohr gefressen hat. Genau das Richtige für die harte Arbeit auf den Plantagen.

Die Farmer probieren den süß riechenden Saft selbst und nennen ihn Cagaça - in Anlehnung an Bagaça, das ist der ausgepresste Zuckerrohrstrang. Der Schnaps verbreitet sich schnell als Pinga (= Fusel) oder Aguardente (Feuerwasser) wortwörtlich in aller Munde.

Auch die Portugiesen produzieren nun ihren eigenen Zuckerrohrschnaps, den Bagaçeira. Sie unterdrücken die Herstellung des Konkurrenzproduktes Cachaça in der Kolonie ab 1635 – daraufhin bricht in Rio de Janeiro die Cachaça-Revolte aus und die Krone wandelt das Verbot in eine hohe Steuer um. Der brasilianische Trunk wird zum Statement der Unabhängigkeit, mit der Entdeckung von Gold in Minas Gerais boomt die Nachfrage, der Brand avanciert zur Währung im Sklavenhandel und wird noch heute mitunter als Moeda velha (alte Währung) bezeichnet.

Das Zentrum der Produktion wird die Küstenstadt Paraty, die rund 200 Kilometer westlich von Rio de Janeiro liegt, von hier aus kann der Schnaps gut überall hin transportiert werden. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in dem Städtchen >>

an der Atlantikküste noch rund 300 Cachaça-Produzenten, heute sind in der Stadt nur noch ein halbes Dutzend übrig. Der Karibik-Rum hat dem brasilianischen Produkt eindeutig den Rang abgelaufen. Das liegt neben dem besseren Marketing auch an einer verwirrenden Begriffsvielfalt beim Cachaça und an Gesetzen, die nicht unbedingt die Qualität fördern. Der Alkoholgehalt ist gesetzlich in Brasilien auf maximal 48 Volumen-Prozent begrenzt; Schnaps mit höherem Alkoholgehalt bis 54 Umdrehungen muss als Aguardente (de cana) verkauft werden. Die Konkurrenten Whisky oder Rum behalten auch bei höherem Alkohol-Anteil ihren Namen und sind dann eben als Cask Strength definiert.

Nur brasilianische Produkte dürfen den Namen Cachaça tragen, die klare, einfache Version heißt Tradicional und wird heutzutage meist industriell hergestellt. Das heißt, der ausgepresste Zuckerrohr-Saft namens caldo de cana wird in der Industrie nur rund 24 Stunden in Edelstahl-Behältern gegärt. Zudem dürfen dem fertigen Destillat in Brasilien bis zu 30 Gramm Zucker pro Liter zugefügt werden - ein Sakrileg für verwöhnte Kenner. Bei mehr als sechs Gramm Zucker pro Liter muss Cachaça dann mit dem Begriff adoçada (nachgezuckert) gekennzeichnet werden, was sicher nicht jedem Genießer bewusst ist, der sich hinterher über heftige Kopfschmerzen wundert. Rum dagegen wird nie nachgezuckert. Zudem wird der brasilianische Brand mitunter mit gewöhnungsbedürftigen Einlagen wie Meeresfrüchten versehen.

Genießer trinken Artesanal

Feinschmecker setzen besser auf reine Manufaktur-Ware: Traditionelle Brennereien geben dem Fermentierungsprozess bis zu 36 Stunden Zeit, sie verwenden Kupferkessel statt Stahl, um mehr Aromen zu gewinnen. Brände höchster Qualität heißen de Alambique, was auf den Destillierhelm Alambic zurückzuführen ist. Kenner präferieren Cachaça aus den Regionen Florianopolis, Minas Gerais und Paraty. Gute Manufakturen ernten von Hand und nehmen daher nur die besten Zuckerrohr-Halme mit, außerdem setzen sie nur natürliche Hefekulturen ein und veredeln das Produkt durch Fasslagerung. Solch ein Top-Brand heißt Artesanal.

Doch die offizielle Kennzeichnung als Cachaça Artesanal ist in Brasilien aufgrund mangelnder gesetzlicher Definition bislang nicht gestattet, was die Industrie freut. Die versorgt das Schwellenland lieber mit billigem Schnaps, der in den armen Favelas für einen schnellen Rausch sorgt -  in Brasilien kommt der Trunk auf einen Marktanteil von über 80 Prozent. So kommt es, dass Cachaça außerhalb des Landes noch kaum ein Begriff ist, nur selten exportiert wird und gute Ware in Deutschland schwer zu finden ist.

Zum Glück für Genießer hat genau wie bei anderen Spirituosen inzwischen ein Trend zu höherer Qualität eingesetzt. Cachaça Artesanal reift heutzutage in Fässern aus einer Palette von 28 verschiedenen Holzarten - mehr als bei Rum, Whisky oder jedem anderen Schnaps. Neben Casks aus brasilianischen Hölzern wie Amburana oder Bálsamo werden am häufigsten Eichenholz-Barrels verwendet, in denen zuvor Cognac oder Bourbon gelagert hatte.

Feinschmecker schwören auf die Marken Magnifica, Leblon, Casa Bucco, Weber Haus oder Armazèm Vieira, Anbieter sind unter anderem Rum & Co, Vicios-Brasilieros, Universe of Spirits oder Spirituosenworld. Damit erweitern Sie die Palette in Ihrer Hausbar gekonnt – und sorgen für exotische Abwechslung im Glas, die die Geschmacksnerven ohne unerwünschte Nebenwirkungen tanzen lässt. In unserer Fotoshow haben wir einige interessante Marken bester Qualität für Sie aufgelistet. Saúde (Prost)!

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