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Der Traum vom eigenen Weingut

Der Traum vom eigenen Weingut

17.10.2014, 13:25 Uhr | Uwe Kauss - wanted.de

Der Traum vom eigenen Weingut. Welterfolg mit "Yello" - der Sänger Dieter Meier (Quelle: Ojo de Agua)

Welterfolg mit "Yello" - der Sänger Dieter Meier (Quelle: Ojo de Agua)

Der Gipfel des Erfolges: Ein eigenes Gut mit Blick auf Rebstöcke und einem Gewölbekeller, in dem allerbeste Weine reifen. Diesen Traum erfüllen sich Prominente, Börsenmillionäre und andere Erfolgreiche. Doch wie kauft Mann ein Weingut in der Toskana? Wie geht es danach weiter? wanted.de lüftet den Vorhang der Verschwiegenheit und gibt Einblicke in das edle Hobby wohlhabender Männer.

Foto-Serie mit 17 Bildern

Der Kenner genießt, kauft und schweigt; und auch im Umfeld redet niemand darüber. Wer etwa an der Börse zu sehr viel Geld gekommen ist, will anständig investieren. Aber ein wenig Spaß darf dabei sein. Vielleicht ein Weingut? Keine schlechte Idee. Jedes Jahr den eigenen Jahrgang kosten, Freunde in die alten Gemäuer zur Landpartie einladen, auf der Terrasse sitzen und die nächste Flasche öffnen: Klingt gut.

Viele Promis kaufen sich ein Gut

Prominente wie Popstar Cliff Richard, Dirigent Justus Frantz, das Hollywood-Paar Angelina Jolie und Brad Pitt sowie Regisseur Francis Ford Coppola haben da gekauft, wo guter guter Wein wächst und man seine Ruhe hat. Im Saarland besitzt Günter Jauch ein Gut. Dieter Meier von "Yello", erfolgreicher Musiker aus der Schweiz, hat in Argentinien investiert. Doch vor allem eine weltberühmte Weinregion Italiens

ist ein Sehnsuchtsort: Die Toskana. Hier lassen die Popstars Sting, Gianna Nannini und Sänger Al Bano – der einst mit Romina Power berühmt geworden ist – Wein aus eigenen Weinbergen produzieren. Außerdem gehören Professor Wolfgang Reitzle, Ex-Vorstandsvorsitzender der Linde AG, und seine Gattin, die Fernsehmoderatorin Nina Ruge, zur erlauchten Klientel.

In der Toskana sind derzeit recht viele Weingüter zu verkaufen. Welche zu haben sind, wissen Bettina Kurz und Frank Höfinger genau. Beide haben 20 Jahre als Unternehmer in Deutschland gearbeitet und leben seit sechs Jahren in San Gimignano, einem der schönsten Flecken der Toskana. Dort hatten sie zunächst ein Gut mit zehn Hektar Weinbergen gepachtet und Wein produziert, der internationale Anerkennung fand. Seit einigen Jahren vermitteln sie mit ihrer Firma Viva Business Weingüter an Investoren oder an Männer, die vom eigenen Wein träumen. Zudem arbeiten sie als Interimsmanager, denn der Verkauf von Weingütern funktioniert nur mit viel professioneller Arbeit, richtigen Einschätzungen >>

und gutem Geschäftssinn. Wein wächst von selbst, aber er entsteht nicht von alleine. Auch der Verkauf erfordert eine Menge Einsatz. "Wir nennen niemals Namen – weder von unseren Klienten noch von Weingütern, die wir vermitteln", stellt Bettina Kurz im Gespräch mit wanted.de. "Würde der Name eines Prominenten bekannt, könnte der sich vor Maklerangeboten kaum retten", begründet sie ihre Verschwiegenheit, "aber auch die Besitzerfamilien wollen Diskretion beim Verkauf. Man hat einen Ruf zu verlieren."

Mindestens 2,5 Millionen Euro

Denn da geht es um viel Geld: "Mindestens 2,5 Millionen Euro müssen Sie mitbringen, wenn Sie interessiert sind", sagt Frank Höfinger, "der teuerste Kaufpreis in unserer Vermittlung hat bei etwa 30 Millionen gelegen. Sie können aber auch 60 Millionen investieren. Das ist nur eine Frage der Bonität und des Interesses." Der russische Milliardär Roman Abramowitsch etwa habe das renommierte toskanische Weingut Banfi in Montalcino kaufen wollen, haben Kurz und Höfinger erfahren. Er habe satte 500 Millionen Euro geboten, aber die Besitzerfamilie habe abgelehnt, das Gut sei nicht zu verkaufen.

Zu den Kunden von Kurz und Höfinger gehören wohlhabende Deutsche und Schweizer, vor allem aber Reiche aus Hongkong, den USA, China und aus Osteuropa. "Kürzlich haben wir einem Herrn aus Hongkong ein Gut vermittelt, der mit dem Börsengang des Internetportals Alibaba einen satten Gewinn gemacht hat. Er war auf der Suche nach einem alternativen Investment, das Rendite abwirft, als Statussymbol geeignet ist – und wo er drei, viermal im Jahr mit Freunden feiern kann."

Die Makler vermittelten auch ein schönes Gut an sechs befreundete amerikanische Geschäftsleute, die Wein lieben. "Sie wollen zuhause ihren eigenen Wein trinken, nur eine kleine Menge produzieren und ihn in den USA selbst vermarkten", erzählt er. "Ihnen war der Bio-Aspekt sehr wichtig, das gilt für viele unserer Klienten." Die meisten Interessenten aus Hongkong dagegen suchten "eine gute Rendite samt italienischer Steuerersparnis", fügt Bettina Kurz hinzu. Anderen sei das Renommee der Weinregion besonders wichtig. >>

"Da steht der Status im Vordergrund. Wir haben kürzlich einem sehr wohlhabenden Mann ein Gut vermittelt, von dem aus er den Turm des Domes von Florenz sehen kann. Das war für ihn entscheidend." Ein ganz besonderes Gadget neben Yacht und Privatjet.

Kurz und Höfinger haben sich sehr langsam das Vertrauen der Gutsbesitzer erworben. Sie wissen, wovon sie sprechen - und das in perfektem Italienisch. "Die Deutschen gelten hier als sehr korrekt, das hat uns geholfen", sagt Frank Höfinger und lacht. Doch viele Besitzerfamilien seien bäuerlich geprägt, auch die jungen Leute würden dort selten Englisch sprechen. Das mache Kaufverhandlungen ziemlich schwierig.

Nur die Kontakte vor Ort zählen

Mittlerweile betreuen Kurz und Höfinger vier Güter ihrer Klienten als Manager und arbeiten dazu mit toskanischen Experten, Önologen, Agronomen und Juristen zusammen – damit jeder Klient guten Wein bekommt. "Der Weinmacher von Sting ist auch in unserem Auftrag aktiv", verrät Bettina Kurz. Der größte Fehler ihrer Interessenten sei, vor dem Kauf nicht den Rat lokal verwurzelter Experten zu suchen. "Die Preise der Güter hängen nicht nur an der Immobilie und dem Grundbesitz, sondern vor allem am Preis, den man für den Wein erzielt", betont Frank Höfinger. "Wer 50 Euro pro Flasche erlöst, verlangt mehr als eine Familie, die nur zehn Euro erlösen kann. Güter in renommierten Regionen sind teurer als in No-Name-Gebieten. Und die Kaufpreise schwanken extrem. Unser Job ist es, einen realistischen Wert zu finden, zu verhandeln - und danach den Alltagsbetrieb zu organisieren. Unsere Klienten haben von alledem ja keine Ahnung." Aber die sind wählerisch. Es dauere ein Jahr, manchmal auch zwei, bis die beiden das passende Gut für einen Klienten gefunden haben. Die Anforderungslisten seien oft lang und stehen oft in keinem Verhältnis zu der Zeit, die Promis auf dem Gut verbringen. Wenn der Traum erfüllt ist, kommt man gelegentlich mit Freunden vorbei und fährt wieder. Ist doch echt schön hier. Impressionen sehen Sie in unserer Fotoshow.

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