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Craft Beer: Deutschlands neue Biertempel

Neue Biertempel für Deutschland

26.02.2015, 16:05 Uhr | Uwe Kauss - wanted.de

Craft Beer: Deutschlands neue Biertempel. Mikrobrauereien setzen auf Craft Beer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mikrobrauereien setzen auf Craft Beer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kleine Craft Beer-Brauereien begründen in Deutschland eine ganz neue Gasthauskultur: Handwerklich hergestellte, famose Biere junger Braumeister kombiniert mit deftigen und doch feinen Speisen. Und das alles in ganz entspannter Atmosphäre. In Deutschlands neuen Biertempeln fühlt Mann sich wohl.

Feierabend. Ab in die Stammkneipe, Freunde treffen, gut essen und in Ruhe ein paar Biere trinken. Für Bier-Gourmets war das bislang ein schwieriger Fall. Sie konnten entweder in ein teures Restaurant gehen oder schlechte Schnitzel mit Massenbier herunterspülen - außer natürlich in Bayern, wo die Brauhaus-Tadition lebendig ist. Es geht aber auch anders: Neue Gasthäuser zapfen feines Craft Beer mit Geschmack und servieren dazu passendes, anständiges Essen. Deutschlands Männer haben darauf gewartet – denn in den neuen Biertempeln mit lässiger Atmosphäre sind freie Plätze rar. Wir stellen Ihnen die besten neuen Bierhallen vor.

Das "Alte Mädchen" in Hamburg

Zu den Vorzeige-Braugaststätten der Craft Beer-Bewegung gehört das "Alte Mädchen" in Hamburgs Schanzenhöfen. Der Name stammt von einem alten Schlager von Freddy Quinn.

Im umgebauten Rinderschlachthof hat die kleine Ratsherren-Brauerei nebenan einen entspannten Ort für Biergenießer geschaffen. Neben 16 Fassbieren von der Ratsherren-Brauerei hat Mitgründer und Geschäftsführer Axel Ohm rund 60 Craft Beers aus aller Welt auf die Karte gesetzt.

Zwischen Holz, Stahl und Glas lodert im denkmalgeschützten Gebäude ein offener Kamin, man kann sich an die hohen Fenster setzen oder an den Stehtischen ein paar spannende Biere testen. Ohm betreibt das "Alte Mädchen" zusammen mit Patrick Rüther, der nicht weit entfernt auch die "Bullerei" mit Fernsehkoch Tim Mälzer führt.

"Mit Oktoberfest nichts zu tun"

Die beiden hatten zum Start im vergangenen Jahr auf eine anspruchsvolle Speisekarte gesetzt. "Wir dachten nicht, dass die Gäste nur wegen des Bieres zu uns kommen", erzählt Ohm im Gespräch mit wanted.de, "aber genau deswegen sitzen sie hier." Ohm hat daher viel Wert auf die Beratungskompetenz seines Personals gelegt und es in Österreich weitergebildet.

Zudem hat er die "Bier-Sommeliere des Jahres" im Team. "Wir leben vom Bier, aber mit Oktoberfest haben wir absolut nichts zu tun", betont er. Auch seine Gäste würden immer mehr von Bier verstehen und mit dem Team Fachgespräche führen. "Vor allem ausländische Gäste haben viel Ahnung von Craft Beer", sagt er.

Weil Bier sich hervorragend mit Brot kombinieren lässt, produziert ein Bäcker dort täglich frisches Brot aus Bio-Zutaten – jede Woche ein anderes, passend zur Jahreszeit. Im Sommer etwa gibt es Brot mit Kräutern aus dem Innenhof. "Die Leute wollen hier nicht eine banale Marke aus der Werbung konsumieren, sondern sich mit dem Bier im Glas beschäftigen. Und dazu passt das Essen", sagt Ohm. Alle Rohwaren in der Küche seien Bioprodukte, was er aber nicht laut vermarktet: "Ich kann zu unserem Bier doch keinen Industriekram anbieten. Aber wir wollen Spaß mit unseren Gästen, ich brauche keinen erhobenen Zeigefinger."

"Galopper des Jahres" in Hamburg Ebenfalls in Hamburg hat sich der "Galopper des Jahres" der alternativen Bierkultur verschrieben. Die Kneipe liegt im Kulturhaus 73 direkt neben der immer wieder umkämpften "Roten Flora". Das Konzept hat das Team klar beschrieben: "Feiner Biergenuss auf groben Tischen". Der Galopper ist nicht groß, die Atmosphäre liegt zwischen urig und alternativ. Über dem Tresen hängen große Kreidetafeln mit dem aktuellen Angebot. Aus sechs Zapfhähnen fließt Fassbier, dazu gibt es mehr als ein Dutzend internationaler Sorten aus der Flasche. Beim Fassbier sind nicht nur die Biernamen wie in der Kneipe zu lesen. Aufgeführt sind Alkoholgehalt, Stammwürze und Bittereinheiten - und dazu der Bestand an Fässern im Lager. Im Galopper gibt es zudem regelmäßige Biertastings, Braufeste und Seminare. "Kaschk"-Bar in Berlin

Erst vor einigen Wochen hat mitten in Berlin die "Kaschk"-Bar geöffnet, die vor allem eins ausschenkt: Bier der besonderen Sorte. Und dazu Kaffee derselben Kategorie.

Das durchweg bärtige Personal bietet den Gästen eine interessante Auswahl kultiger Brauereien, etwa Mikkeler, Kingpin, Liefman's oder Crew Republic. Es gibt viel Pale Ale und IPA, aber auch Stouts und einige deutsche Biere. Die Karte wechselt regelmäßig. Auch hier werden regelmäßig Tastings angeboten, dazu kommen die Brauer sogar aus Norwegen in die Hauptstadt gereist.

"Camba Bavaria" im Chiemgau Auch im Süden des Landes bewegt sich eine Menge. So werden bei "Camba Bavaria" seit 2008 in einer alten Mühle in Truchtlaching im Chiemgau über 50 verschiedene Biere gebraut – vom traditionellen bayrischen Weißbier bis hin zum Imperial Stout, das im Cognac-Eichenholzfass gelagert wird. 15 von ihnen schenkt die Brauereigaststätte aus. Die Gäste sitzen nicht weit vom Braukessel in urig-moderner Atmosphäre. Es ist original bayerisch, aber ohne die Miefigkeit der üblichen Bierstuben. Auf den rustikalen Holztischen stehen nicht nur Gläser voller verschiedener Biersorten in allen Farbschattierungen, sondern auch Brotzeitplatten und appetitliche Speisen. Bayerische Bierkultur ohne Industriebier – da geht uns das Herz auf. Nikl Bräu in Franken

Im Bierland Franken geht es ebenso voran: Braumeister Mike Schmitt hat die uralte Brautradition von Nikl Bräu in Pretzfeld neu belebt. Er produziert mit Hilfe seiner Familie ein helles Lager- und ein dunkles Kellerbier, beide kommen unfiltriert ins Glas. Schmitt braut nicht nur, er steht selbst am Ausschank seines Gasthauses in einem ehemaligen Kuhstall mit Blick auf die Braukessel. Seine Ehefrau Alexandra kocht dort gemeinsam mit Mutter und Schwiegermutter feine, echt fränkische Kost. Am Sonntag kommt ein Braten auf den Tisch, und selbstgebackenes Brot gehört für Schmitt ebenso dazu. Das ist die alte Bierkultur, die wieder Spaß macht. Echtes Bier. Echt gekochte Speisen. Echt klasse. Sie sehen also: Die neuen Biertempel haben wenig mit Dirndl und Lederhosen zu tun, Horden von Touristen wie im Münchner "Hofbräuhaus" werden Sie hier nicht finden. Impressionen unserer Favoriten finden Sie in unserer Fotoshow.

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