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Das sind die aktuellen Craft-Beer-Trends

Hopfen, Holzfass und alte Sorten  

Das sind die aktuellen Craft-Beer-Trends

09.03.2015, 10:07 Uhr | Uwe Kauss - wanted.de

Das sind die aktuellen Craft-Beer-Trends. Das sind die aktuellen Craft-Beer-Trends. (Quelle: Braufactum)

Das sind die aktuellen Craft-Beer-Trends. (Quelle: Braufactum)

Ein bitterer Hopfen, das Reifen im Holzfass und das beliebte India Pale Ale (IPA) - das sind die aktuellen Trends zum Thema Craft Beer. wanted.de-Autor Uwe Kauss berichtet von der Messe "Braukunst Live 2015" in München.

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Im vergangenen Jahr waren über 8000 Bierfans zum Diskutieren, Fachsimpeln und zum Probieren nach München gekommen, und auch in diesem Jahr war es wieder krachvoll in den Gängen zwischen den Ständen der Brauer. Das allein sei ein guter Beleg, "wie stark die aktuelle Entwicklung in Deutschland auch international inzwischen wahrgenommen wird“, sagt Messegründer und Craft-Beer-Experte Frank-Michael Böer.

India Pale bleibt in Mode

Allein 24 Produzenten kamen aus dem Ausland, etwa aus Polen, Rumänien, Österreich, Schottland, Norwegen, Italien, der Schweiz und Dänemark. Zu den Ausstellern zählten auch rund 20 Produzenten aus den USA, deren Biere Besucher anzogen. Doch mit über 60 Brauhäusern - die meisten aus Bayern - stammte die Mehrheit der Anbieter in der historischen MVG-Halle aus Deutschland. Der Trend des vergangenen Jahres ist auch eine der Entwicklungen, die sich in der Szene für 2015 als wichtig abzeichnen: Die Sorte India Pale Ale (IPA) bleibt in Mode.

"Aromatisch hat sich da ein riesiges Spektrum entwickelt, das sich immer weiter spezialisiert. Das macht es für die Fans sehr interessant. Andererseits ist IPA auch gut geeignet für Einsteiger - das Geschmackserlebnis ist für viele total überraschend. Die Leute lieben IPA", beschreibt Böer das Phänomen.

Doch nun werden auch die Jahrgänge auf dem Etikett wichtig. So stellte etwa die Manufaktur Braufactum aus Frankfurt ihre beiden 2014-er Jahrgangsbiere vor - beide voll im IPA-Trend: Die "Progusta Harvest Edition" ist eine handabgefüllte, limitierte Sonderauflage ihres India Pale Ales. Dem Bier wurde frisch gezupfter Hopfen der Sorten "Hallertauer Mittelfrüh“ und "Magnum“ innerhalb eines Tages nach der Ernte eingebraut. Sie verleihen diesem Bier eine außergewöhnliche, intensive Hopfenaromatik. Zudem wird das Bier mit der Hopfensorte Citra aus den USA kaltgehopft, so erhält es eine zitrusfruchtige Note.

Das zweite Bier der Brauerei, die zur Radeberger-Gruppe gehört, ist die "Indra Harvest Edition" - eine ebenfalls in Handabfüllung hergestellte, limitierte Sonderauflage des Weizen-IPAs. >>

Hopfen der Sorte "Cascade" wurde einen Tag nach der Ernte eingebraut, um kraftvolle Hopfenaromen ins Bier zu bringen. Zudem wurde es mit deutscher "Cascade" aus der Hallertau kaltgehopft. So bieten beide eine herb-kräftige IPA-Note, die mit vielen weiteren Aromen ergänzt werden. Die "Progusta Harvest Edition" ist für 12,99 Euro die 0,75l-Flasche zu haben, die "Indra Harvest Edition" kostet in derselben Größe 14,99 Euro.

Neben der wachsenden Popularität von IPA zeigt sich an diesen Bieren ein weiterer Trend: Hopfen und Malz sind nicht nur eine Zutat, sie werden auch hervorgehoben. "Der Hopfen bricht sich seine Bahn", bestätigt Frank-Michael Böer. "Das Thema wird evident, die verwendete Sorte und ihre Herkunft bekommen eine immer größere Wichtigkeit. Sie werden bei sehr vielen Bieren ausführlich beschrieben. Das gilt übrigens auch für Zutaten wie den Röstmalz."

Pinien- und Limonenaroma im "Neuseeland"-Bier

Ein weiteres Beispiel: Die badische Braumanufaktur Welde stellte ebenfalls ein Jahrgangsbier in der nun sechsten Edition vor. Das untergärige Lager Bock für 9,90 Euro (0,75l) trägt den Titel "Neuseeland“ - nur wegen des Hopfens. Braumeister Stephan Dück hat für das neue Bier, das erst im Januar eingeführt wurde, Hopfen der neuseeländischen Sorte "Green-Bullet" eingebraut. Charakteristisch für diesen Aromahopfen sei ein frischer Pinien- und Limonen-Geschmack, heißt es bei der Brauerei. Es biete fruchtigen Duft und ein fein-malziges Aroma und passe daher gut zu gegrilltem Lammfleisch oder als Digestif zu bitterer Schokolade. Eine Bier-Premiere zeigte den Trend deutlich: Das Traditionsbrauhaus Schneider Weisse aus München stellte zur "Braukust Live" die limitierte Sonderedition "Mathilda Soleil" vor. Der Weizenbock sei eine Hommage an Mathilde Schneider, die einstige Chefin des Hauses, die 1907 den Weizendoppelbock "Aventinus“ erstmals produzierte. Das neue Bier aus der TapX-Serie wird gebraut mit den Hopfensorten Tradition, Saphir und Hallertauer Cascade.

Dazu kommt für die Kalthopfung eine spezielle, neue Zuchtsorte, die noch nicht einmal einen offiziellen Namen trägt. Das Bier mit sieben Prozent Alkohol kostet knapp neun Euro in der 0,75l-Flasche.

Die Renaissance alter deutscher Biere

Schneider steht in der Szene - neben vielen anderen - für Offenheit gegenüber Neuem. "Das Brauerhandwerk ist insgesamt eine sehr konservative Branche. Doch die Experimentierfreude nimmer immer weiter zu", beschreibt Frank-Michael Böer die wachsende Offenheit. Die Mikrobrauereien pusten den Staub von der Tradition - und das ist für den Bierexperten eine wichtige Entwicklung: "Fast vergessene Sorten bekommen ein neues Publikum. Ich finde es toll, mit wie viel Mühe alte deutsche Biere wieder entdeckt und neu belebt werden." So schenkte Schweiger aus Markt Schwaben sein "Zwickel 1409" aus - ein ungefiltertes Zwickelbier, das in der Region für eine Jahrhunderte alte Biertradition steht.

Das Publikum begeistert sich für Bier aus Holzfasslagerung

Dazu hätten laut Frank-Michael Böer auch ausländische Sorten beim Craft-Beer-Publikum großen Erfolg: "Die kommen extrem gut an, das kann man gut beobachten." Ähnlich wie beim Whisky ist dabei nun auch die Holzfasslagerung bei den Produzenten sehr wichtig geworden. Die Brauerei Craftwerk aus der Bitburger-Gruppe etwa stellte ihr Belgian Style Tripel "Holy Cowl" vor. Das Schwesternbier der Brauerei gewann erst kürzlich den ersten Platz im großen wanted.de-Redaktionstest von Craft Beer. Das "Holy Cowl" (deutsch: heilige Kutte) spielt mit seinem Namen auf die alte Klostertradition an. Es ruhte zwölf Monate in Eichenfässern, in denen zuvor Rotwein gereift war. Von dem Starkbier mit zartem Malzgeschmack wurden 4500 kleine Champagnerflaschen mit 0,375l abgefüllt. Sie kosten 5,50 Euro pro Flasche. Den riesigen Erfolg der hochwertigen Biere in kleinen Mengen erklärt Böer so: "Craft Beer ist megacool, ist hip, aber es verkörpert Heimat." Die Biere sehen Sie in unserer Foto-Show. Und wer bisher noch nie etwas von Craft Beer gehört hat - was fast an ein Wunder grenzt! - der kann sich hier darüber informieren, was es mit der neuen Craft-Beer-Revolution auf sich hat.

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