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500 Jahre Reinheitsgebot: Top-Bier aus Bayern

Von dpa
Aktualisiert am 10.03.2016Lesedauer: 4 Min.
Bier und Bayern - das passt.
Bier und Bayern - das passt. (Quelle: /dpa-bilder)
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Deutsche gelten landlĂ€ufig als besonders gesetzestreu. Das gilt vor allem fĂŒr das heiligste GetrĂ€nk der Teutonen, dem Bier und dem dazugehörigen Reinheitsgebot. Vor 500 Jahren wurde die Vorschrift in Bayern erlassen. Grund genug einen Blick auf einige der Top-Biere und BrauhĂ€user im schönen Freistaat zu werfen.

"Dießen war als feuchtes Eck verschrien", sagt Claus Bakenecker und grinst. "Viele Feiern, viel Bier, viel was weiß ich", sagt er. Er und sein Kollege Martin Hug brauen ihr Bier selbst, mittlerweile als kleines GeschĂ€ft. Und damit holen sie ein StĂŒck Geschichte zurĂŒck nach Dießen am Ammersee. 100 Jahre lang gab es keine Brauerei in dem StĂ€dtchen. Im UnterbrĂ€u wurde 1915 das letzte Bier gebraut. Eigentlich ein No-Go in einer tief katholischen Region, in der das Bierbrauen fast zu den Sakramenten gehört.

Keine EinschrÀnkung

"Als wir 2014 aufgemacht haben, sagten die Leute: "Endlich mal wieder eine Brauerei!"", erzÀhlt Bakenecker. Skepsis war aber auch da. "Craft Beer": Das hörte sich nach amerikanischer Pfuscherei mit zugesetzten Aromen und Konservierungsstoffen an. Als durchdrang, dass Craft BrÀu sich an das Reinheitsgebot hÀlt und das Bier schmeckt, war alles geritzt. >>

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Dabei empfinden die beiden GrĂŒnder das Gebot nicht als EinschrĂ€nkung: Es gibt Bitter- und Aromahopfen in Dutzenden Sorten, man kann den Sud mit Malz aus vielen Getreidesorten ansetzen, es gibt an die 200 Bierhefesorten. "Tradition seit 2014" steht am Zapfhahn ihrer Sorte "Craftstoff", einem dunklen Hellen.

Vor 500 Jahren wurde das Bayerische Reinheitsgebot von Herzog Wilhelm IV. verfĂŒgt, noch heute ist es im Prinzip verpflichtend, auch wenn die Hefe fĂŒr den Brauprozess damals noch nicht entdeckt war. Der Deutsche Brauer-Bund feiert es als "die Ă€lteste, noch heute gĂŒltige Lebensmittelgesetzgebung der Welt." Das gilt zumindest fĂŒr die Landesebene. Es gibt freilich noch Ă€ltere, lokale Bier-Verordnungen. Erstmals urkundlich erwĂ€hnt wurden solche Bestimmungen bereits 1156 in Augsburg. Trotzdem gilt heute 1516 als Ursprung des deutschen Reinheitsgebotes.

Das bedeutet: Wer heute nicht Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet und sich an ein paar andere Regeln hÀlt, darf "Bier" nicht auf das Etikett schreiben. >>

Eine Richtschnur ist das Reinheitsgebot allemal fĂŒr die berĂŒhmte Klosterbrauerei Andechs. "Seit 1458 gab es ein Schankrecht fĂŒr Andechser Bier", sagt Pater Valentin Ziegler, Wirtschaftsleiter des Klosters. Heute laufen Klosterbetrieb und hochautomatisierter Brauprozess parallel, Mönche stehen seit 1983 nicht mehr am Kessel. Ohne die Gewinne der Brauerei, die auch nach Japan liefert, wĂ€re der Klosterbetrieb kaum zu finanzieren, auch nicht das soziale Engagement. Obwohl man sich durchaus als handwerklich versteht - das Wort "Craft" wĂŒrde man sich in Andechs nicht aufs Etikett schreiben. Zum großen JubilĂ€um haben die Brauer am Heiligen Berg erstmals ein alkoholfreies Bier angesetzt. Es ist die erste Innovation seit 19 Jahren.

Höher hinaus

Experimentierfreudiger ist Brauer Markus Hirthammer von der Mittenwalder Privatbrauerei unweit der Zugspitze. Die "höchstgelegene Privatbrauerei Deutschlands" auf 930 Metern will im JubilĂ€umsjahr des Reinheitsgebotes noch höher hinaus: An der Bergstation des Karwendelmassivs plant man eine BraustĂ€tte fĂŒr Craft-Biere. Hirthammer steht im alten Gewölbe mit mehreren großen Becken, in denen das GebrĂ€u gĂ€rt und von Schaum bedeckt ist. "Es gibt Braumeister, die sind am Computer fit, haben aber noch nie eine KrĂ€usendecke gesehen." An ihr könne er die GĂ€rung verfolgen und sehen, ob der Sud etwas wird. " FĂŒr mich ist es schön, im Keller an den Becken zu stehen." Mit einer Schaufel schöpft er die luftige Masse ab. "So nehme ich dem Bier das Bittere.

"Biergenuss wie vor Jahrhunderten möchte der Braumeister Andreas Forstner von BinderbrĂ€u in Bad Tölz seinen GĂ€sten zum JubilĂ€um bieten: Ein Braunbier nach dem Vorbild des ersten Bieres, das Ende des 16. Jahrhunderts im MĂŒnchner HofbrĂ€uhaus angesetzt wurde. "Erst spĂ€ter wurde Braunbier vom Weißbier verdrĂ€ngt", sagt der Chef der Brauerei, Andreas Binder. >>

Ende 2015 startete BinderbrĂ€u nach dem Vorbild eines klassischen Brauhauses mit angeschlossener Gastronomie seinen Betrieb und ist aktuell eine von zwei Brauereien in der Stadt. Auch Bad Tölz mit seinen kalten Tuffsteingruften war einst reich an BraustĂ€tten, weil man MĂŒnchen belieferte, dem es an Lagerkellern fehlte. "Bis der Herr Linde kam und den KĂŒhlschrank erfand", sagt Binder.

Bier mit Raucharomen

Eine besondere BierspezialitĂ€t können Bierfreunde in Bamberg genießen. Die Biere der Schlenkerla Rauchbier-Brauerei bekommen den typischen Rauch-Geschmack, weil das Malz in der RauchmĂ€lzerei ĂŒber offenem Buchenholzfeuer trocknet. Rauchbier gibt es mittlerweile auch wieder anderenorts. Aber die Bamberger Brauereien Schlenkerla und Spezial sind die einzigen weltweit, die von dieser Art des Bierbrauens nie abgewichen sind. Denn Rauchbiere waren einmal alle Biere, bevor man beim MĂ€lzen des Getreides mit Rauchabzug arbeiten konnte. Auch das Schlenkerla profitiert vom Trend zu spezielleren Bieren. "Die Industriebiere mit ihren EinheitsgeschmĂ€ckern verlieren Marktanteile, und die SpezialitĂ€tenbrauereien gewinnen hinzu", sagt Matthias Trum, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Schlenkerla Rauchbier-Brauerei. Nur eine Institution stirbt aus: der Stammtisch. Junge Leute, die jeden Tag in die gleiche Kneipe gehen? "Das gibt es nicht mehr", sagt Trum. Bei aller Liebe zum Bier. Bilder der Top-Biere und Brauereien in Bayern finden Sie in unserer Fotoshow.

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