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Insekten auf dem Teller: So überwinden Sie die Ekelbarriere

Insekten auf dem Speiseplan  

So lässt sich die Ekelbarriere durchbrechen

24.05.2016, 17:58 Uhr | ebs, dpa, t-online.de

Insekten auf dem Teller: So überwinden Sie die Ekelbarriere. Grillen brutzeln in einer Pfanne in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Ihr Erdgeschmack soll an Pilze erinnern. (Quelle: dpa)

Grillen brutzeln in einer Pfanne in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Ihr Erdgeschmack soll an Pilze erinnern. (Quelle: dpa)

Insekten haben einen hohen Eiweiß- und Fettgehalt, ihr Energiewert ist vergleichbar mit Fleisch - und sie könnten vielleicht sogar das Welternährungsproblem lösen. Wenn da nur nicht die Ekelbarriere wäre, zumindest in Europa. Laut Astrid Epp vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt es aber mindestens "drei starke Argumente" dagegen.

Nach einer repräsentativen Umfrage des BfR akzeptiert die Mehrheit der Deutschen Insekten als Futtermittel. Wenn es um Nahrungsmittel geht, ist sie jedoch gespalten: "Die Bevölkerung sieht den Nutzen und denkt, das ist sicher gut, aber ich selbst muss es nicht essen", sagt Epp im Gespräch mit t-online.de.

Zehn Prozent würden regelmäßig Insekten verspeisen

Nach der Umfrage kann sich nur etwa jeder zehnte Deutsche regelmäßig Insekten auf dem Speiseplan vorstellen. Rund 30 Prozent dieser Befragten würden die Krabbeltiere zumindest probieren, 60 Prozent lehnen sie als Lebensmittel gänzlich ab.

Insgesamt haben laut der BfR-Umfrage 86 Prozent der Befragten noch nie Insekten gegessen, zehn Prozent haben sie im Urlaub schon mal gekostet. Nur drei Prozent gaben an, schon mehr als fünf Mal Käfer, Heuschrecken oder Grillen gegessen zu haben.

"Nicht Unmengen von Heuschrecken essen"

Neben Ekel und Fremdheit gibt es vor allem Bedenken bezüglich Hygiene und Verträglichkeit. Laut der Studie könnte die Bereitschaft, Insekten zu essen, steigen, wenn:

  • die Insekten durch Verarbeitung unkenntlich gemacht werden
  • es mehr Informationen über gesundheitliche Unbedenklichkeit und
  • die Hygiene im Herstellungsprozess gibt

"Es wäre gut, den Menschen zu erklären, dass sie nicht Unmengen von gegrillten Heuschrecken essen müssen", sagt Epp. Denn die Tierchen können auch in verarbeiteter Form von Mehl und Öl äußerst hilfreich sein.

Die größte Akzeptanz finden Insekten als Lebensmittel nach der neuen Umfrage übrigens bei gebildeten Männern zwischen 18 und 30 Jahren, die in der Stadt leben. "Ich denke da an den Rucksacktouristen, der viel reist, experimentierfreudig ist und selbst auch schon Insekten gegessen hat", sagt Epp.

Insekten ernähren bereits zwei Milliarden Menschen

In Ländern wie Asien, Afrika und Lateinamerika stehen Insekten längst ganz oben auf dem Speiseplan. Experten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen davon aus, dass die winzigen Tiere bisher circa zwei Milliarden Menschen ernähren. Bestimmte Insektenarten gelten sogar als "Delikatessen" - etwa die "Mopane-Würmer im südlichen Afrika und Eier der Weber-Ameise in Südostasien".

Vielleicht ist es ja nur eine Frage des Marketings. In anderen Ländern gibt es inzwischen Snacks mit Grillen in Senf-Honig-Geschmack, Käsekuchen mit Karamell-Grillen oder Pfannkuchen aus Mückeneiern.

"Neuartige Lebensmittel"

In der EU zählen Insekten rechtlich immerhin zu den "neuartigen Lebensmitteln", sagt das BfR. Sie stoßen als Nahrungsquelle "zunehmend auf öffentliches Interesse“, so BfR-Vizepräsident Reiner Wittkowski. "Umso wichtiger ist es zu klären, wie sicher diese neuen Lebensmittel sind." Denn bisher gibt es kaum Analysen zur toxikologischen und mikrobiologischen Sicherheit.

Die FAO-Wissenschaftler empfehlen bereits, Insekten als Futter- und Lebensmittel weltweit stärker zu nutzen: Das wäre ökologisch, wirtschaftlich, physiologisch und ethisch sinnvoll. Denn im Jahr 2030 müssen über neun Milliarden Menschen und zudem Milliarden von Tieren ernährt werden.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Gesundheitlich sind Insekten Tausendsassas. Sie liefern hochwertige Proteine, was besonders unterernährten Kindern helfen könnte. Außerdem verfügen sie über ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Das Risiko, Krankheiten zu übertragen, ist laut FAO zudem gering. Im Gegensatz zu anderen Tieren - man denke an Vogelgrippe und BSE.

Wirtschaftlich ist ihre Verarbeitung zu Lebens- und Futtermitteln relativ einfach. Einige Arten könnten am Stück, andere einfach zu Mehl und Pasten verarbeitet werden.

Auch der soziale Aspekt spielt bei der FAO eine Rolle. Die Ärmsten der Gesellschaft können in ländlichen Gegenden Insekten kultivieren und verarbeiten.

Astrid Epp ist sich zumindest sicher, dass uns das Thema in den nächsten Jahren "immer stärker begleiten wird".

 (Quelle: Statista) (Quelle: Statista)

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