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Nelsons Traum  

Wie ein Landwirt aus Uganda Kinder vom Hunger befreien will

12.09.2019, 17:58 Uhr | Kindernothilfe e. V.

Anzeige: Wie ein Landwirt aus Uganda Kinder vom Hunger befreien will. Nach dem Tod seiner Eltern stand Nelson vor dem Nichts. Durch das Farmschul-Projekt bekam er eine neue Chance. (Quelle: Katharina Drzisga)

Nach dem Tod seiner Eltern stand Nelson vor dem Nichts. Durch das Farmschul-Projekt bekam er eine neue Chance. (Quelle: Katharina Drzisga)

Als seine Eltern sterben, steht Nelson vor dem Nichts. Dann lernt er in einem Projekt der Kindernothilfe in Uganda, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Heute, fast 30 Jahre später, träumt Nelson davon, jungen Menschen sein Wissen weiterzugeben.

Masaka – die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts im Süden Ugandas. Mehr als 100.000 Einwohner leben hier, an der Fernstraße zwischen Kampala und Mbarara und Ruanda. Werkstätten für Lastwagen und Autos prägen Masakas Stadtbild. Reifenverkäufer säumen die Straßen, der Geruch von Diesel liegt in der Luft. Menschen, die hier nicht mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen, leben vom Fernverkehr: Sie betreiben einen Imbiss, reparieren Lkw, vermieten eine Unterkunft. Doch der Fernverkehr hat nicht nur Einkommensmöglichkeiten, sondern auch das HI-Virus in die Stadt gebracht. Viele Kinder wachsen als Aidswaisen auf – so wie Nelson damals.

Die Eltern hinterlassen den Kindern zwar oft ein Stück Land, auf dem die Mädchen und Jungen für den eigenen Bedarf etwas anbauen könnten. Aber wie? Auch Nelsons Eltern hatten ihm nach ihrem Tod ein kleines Feld hinterlassen, die Familie lebte von den Erträgen. So wie 80 Prozent der Einwohner in Uganda. Doch wie er den Acker bewirtschaften soll, um zu überleben, weiß der kleine Nelson damals nicht.

Dann lernte er in einem Projekt der Kindernothilfe, in einer mobilen Farmschule, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Heute ist Nelson Großbauer – und er träumt davon, anderen jungen Menschen sein Wissen weiterzugeben. Damit sie sich selbst helfen können und nicht mehr hungern müssen. Denn viele Kinder in Nelsons Heimat sind noch immer mangel- oder unterernährt. Und das ist oft lebensbedrohlich: Hunger macht schwach und anfällig für Krankheiten.

Farmschulen – eine Antwort auf die Krise

Seit nunmehr 20 Jahren bieten Farmschulen Kindern und Jugendlichen wie Nelson, die zu den Ärmsten der Armen gehören, eine neue Lebensperspektive. Das Konzept, das die Kindernothilfe durch Spendengelder unterstützt, ist einfach: Drei Jahre lang bleibt eine Farmschule an einem Ort in der Projektregion und lehrt sie nachhaltige und biologische Landwirtschaft. Nelson besuchte die erste Farmschulklasse, das war 1998. Dort lernte er auf dem Feld seiner verstorbenen Eltern, Passionsfrüchte anzubauen.

Heute verdient Nelson mit Ananas einen Großteil seines Lebensunterhalts. (Quelle: Katharina Drzisga)Heute verdient Nelson mit Ananas einen Großteil seines Lebensunterhalts. (Quelle: Katharina Drzisga)

Heute, mehr als 20 Jahre später, sitzen an die 100 Mädchen und Jungen in blaugrünen Schuluniformen auf den Holzbänken im Versammlungssaal des Dorfes und verfolgen aufmerksam, was der Lehrer erklärt. Es geht um die Herstellung von biologischem Dünger. Eine alte Wassertonne, ein Leinensack, ein Seil, Kuhdung, Wasser – das können die Jungbauern auftreiben und auch umsetzen.

Das ist wichtig, sagt der Lehrer. Denn die Jugendlichen sollen sich nicht verschulden, um teure Gerätschaften, chemischen Dünger und Pestizide anzuschaffen. An den Wänden hängen selbst gemalte Plakate, die erklären, wie Tomaten, Kohl und Zwiebeln angebaut werden. Wie man Hochbeete anlegt und Setzlinge züchtet.

John und James bauen jetzt erfolgreich Obst und Gemüse an

Die Dorfgemeinschaft stellt nicht nur Gebäude, in dem der Blockunterricht stattfinden kann und die Schüler für die Zeit des Unterrichts wohnen können. Sie steuert auch Nahrungsmittel bei und wird einbezogen in die Auswahl der Mädchen und Jungen, die die Farmschule besuchen dürfen. Voraussetzung ist, dass sie nicht älter als 19 Jahre sind, mindestens zwei Jahre keine Schule besucht haben und zu den ärmsten Familien gehören. "Es ist wichtig, dass die Community in den gesamten Prozess involviert ist", betont Justus Rugambwa, Geschäftsführer von Kitovu Mobile, dem langjährigen Kindernothilfe-Partner in Masaka. "So verstehen alle unseren Ansatz, und es entsteht kein Neid. Und die Menschen sehen es als ihr Projekt."

John und James, 16 und 17 Jahre alt, sind Farmschüler. Die Jungen leben weit abgelegen von der nächsten größeren Straße. Ihre ärmlichen Häuser erreicht man nur über staubige Buckelpisten, die sich abenteuerlich in die hügelige Landschaft schrauben. Dort angekommen, tut sich in den Gärten ihrer Familien ein wahres Wunder auf: Überall grünt und blüht es. Kohl, Zwiebeln, Tomaten wachsen, die Bananenbäume tragen Früchte.

Die Jungen haben selbst Ställe für Ziegen und Hühner gebaut und sogar tiefe Gruben ausgegraben, in denen sie kompostieren. Und noch etwas findet sich in den großen Gärten: eine alte Wassertonne, ein Leinensack, ein Seil, Kuhdung, Wasser. John und James haben alles umgesetzt, was sie in der Schule gelernt haben. Für ihre Familien bedeutet das, dass sie sich nun ausgewogen ernähren und das, was sie übrig haben, auf dem Markt verkaufen können.

James hat in der Farmschule viel gelernt. Heute baut er im Garten seiner Familie erfolgreich Gemüse an.  (Quelle: Ludwig Grunewald)James hat in der Farmschule viel gelernt. Heute baut er im Garten seiner Familie erfolgreich Gemüse an. (Quelle: Ludwig Grunewald)

Eine alte Wassertonne, ein Leinensack, ein Seil, Kuhdung, Wasser – James (l.) ist stolz, dass er das Gelernte umsetzen kann. John (r.) hat große Pläne: Er will Land kaufen, um mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen – wie sein Vorbild Nelson. (Quelle: Katharina Drzisga)Eine alte Wassertonne, ein Leinensack, ein Seil, Kuhdung, Wasser – James (l.) ist stolz, dass er das Gelernte umsetzen kann. John (r.) hat große Pläne: Er will Land kaufen, um mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen – wie sein Vorbild Nelson. (Quelle: Katharina Drzisga)

Nelson hat es geschafft – und er will anderen helfen

 John hat große Pläne. "Ich möchte in Zukunft noch mehr anbauen und vielleicht Land dazukaufen, damit ich mit der Landwirtschaft richtig Geld verdienen kann", sagt er. Sein Vorbild ist Nelson. Aus dem Nichts hat sich der inzwischen erwachsene Mann einen großen Betrieb aufgebaut. Auf seinen Feldern wachsen Kaffee, Lauch und Wassermelonen, bis zu 100.000 Ananas erntet der 38-jährige Nelson in einem Jahr.

Er verkauft seine Waren in der Region, aber auch in Ugandas Hauptstadt Kampala. Nelson ist verheiratet, fünf seiner acht Kinder waren Waisen – so wie Nelson selbst. Allen kann er den Schulbesuch finanzieren. "Ich hatte Glück", sagt er, "dass es Menschen gab, die mir eine Chance gegeben haben. Für mich war immer klar: Diese Chance will ich nutzen."

Nelson träumt davon, ein eigenes Institut für Landwirtschaft zu eröffnen. "Dort sollen Jugendliche, die keine Perspektive haben, lernen können." Für seinen Traum arbeitet Nelson hart. Neben seiner Arbeit auf seinem Hof holt der 38-Jährige seinen Highschool-Abschluss nach. Anschließend will er Wirtschaft studieren. "Damit ich weiß, wie ich so ein Institut erfolgreich leiten kann", sagt er. Schon heute können die Schüler der Farmschulen zu ihm kommen und von ihm lernen.

"Natürlich werden nicht alle ehemaligen Farmschüler erfolgreiche Großbauern", erklärt Justus Rugambwa vom Kindernothilfe-Projektpartner. "Das müssen sie auch gar nicht. Aber das Land, das sie haben, bestellen zu können, macht für die Jugendlichen und ihre Familien einen großen Unterschied." Sie müssen nicht mehr hungern, ein Teil der Ernte kann verkauft werden, und sie verdienen Geld. Geschwisterkinder können in die Schule gehen. "Und so geht es weiter", sagt Rugambwa. "Nach und nach können sich die Familien aus der Armut befreien. Eigenständig. Und das ist das Ziel."

Die Zahlen sind erschreckend: In einigen besonders armen Ländern Afrikas stirbt jedes zweite Kind, das seinen fünften Geburtstag nicht erlebt, an den Folgen von Hunger. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die mobilen Farmschulen und ermöglichen Kindern damit die Chance, dem Teufelskreis von Armut und Hunger aus eigener Kraft zu entkommen. Erfüllen Sie Jungen und Mädchen weltweit ihren Traum, nicht mehr hungern zu müssen.


Info
Seit 60 Jahren unterstützt die Kindernothilfe als christliche Kinderrechtsorganisation weltweit Kinder in Not und setzt sich für ihre Rechte ein. Mehr als 2,1 Millionen Mädchen und Jungen stärkt, schützt und beteiligt der Verein derzeit in 32 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Für den seriösen Umgang mit Spendengeldern erhält die Kindernothilfe seit 1992 jährlich das DZI-Spendensiegel.


Verwendete Quellen:



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