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Tabakanbau  

Warum in jeder Zigarette ein Stück Kinderarbeit steckt

17.10.2019, 09:00 Uhr | t-online.de , ron

Anzeige: Tabakanbau – Warum in jeder Zigarette ein Stück Kinderarbeit steckt. Den meisten Rauchern in Deutschland ist oft nicht bewusst, wie Tabak angebaut wird. (Symbolfoto) (Quelle: imago images/Westend61)

Den meisten Rauchern in Deutschland ist oft nicht bewusst, wie Tabak angebaut wird. (Symbolfoto) (Quelle: Westend61/imago images)

Rauchen schadet der Gesundheit. Das weiß jeder. Aber auch der Tabakanbau macht krank – vor allem Kinder, die auf Tabakfeldern in Afrika schuften müssen.

Ein knappes Drittel der Erwachsenen raucht in Deutschland. Dafür wurden im Jahr 2016 insgesamt 25,1 Milliarden Euro für Tabakwaren ausgegeben. Das zeigt: Der Griff zum Glimmstängel – es sind 75 Milliarden hierzulande pro Jahr – ist und bleibt beliebt. Und auch der Finanzminister verdient daran: Im Jahr 2018 nahm der Fiskus rund 14,34 Milliarden Euro durch die Tabaksteuer ein.

Dabei machen sich weder der Staat noch die Raucher Gedanken darüber, wie und unter welchen Bedingungen der Tabak für Zigaretten angebaut wird.

Große Konzerne wie Philip Morris International oder Imperial Brands lassen ihren Tabak hauptsächlich in Asien, Afrika und Südamerika produzieren. Dort schicken Kleinbauern auf den riesigen Plantagen ihre Kinder auf die Tabakfelder, damit diese etwas zum kargen Familieneinkommen beisteuern können.

"Kinderarbeit wird nicht toleriert"

Zwar kaufen Konzerne, wie die British American Tobacco Gruppe, "nicht direkt von Tabakplantagen", sagt Jennifer Wieckhorst vom deutschen Tochterunternehmen. Und weist auf Anfrage von t-online.de auch darauf hin, "dass Kinderarbeit nicht toleriert wird."

Aber ob sich die Vertragsbauern und Lieferanten wirklich daran halten, steht auf einem anderen Papier. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die Kleinen auf den Tabakfeldern in Brasilien, Malawi, Simbabwe oder auch Indonesien für ihre Arbeit weniger Geld bekommen. Deshalb werden sie lieber eingestellt als Erwachsene – obwohl sie die gleichen Aufgaben wie ihre Mütter und Väter übernehmen.

Tabakernte in Sambia: Die Kinderarbeiter auf der Plantage verschwinden fast zwischen den großen Blättern der Tabakpflanzen. (Quelle: Christian Herrmanny / © Kindernothilfe)Tabakernte in Sambia: Die Kinderarbeiter auf der Plantage verschwinden fast zwischen den großen Blättern der Tabakpflanzen. (Quelle: Christian Herrmanny / © Kindernothilfe)

Dass Eltern ihre Kinder überhaupt auf die Tabakfelder schicken, liegt vor allem daran, dass Erwachsene nicht angemessen bezahlt würden, kritisiert Unfairtobacco. Die Nichtregierungsorganisation kämpft weltweit gegen Menschenrechtsverletzungen im Tabakanbau – verhindern kann sie diese nicht.

Leyla (12) schuftet fast jeden Tag auf der Tabakplantage

Im afrikanischen Sambia, das zwischen Angola und Mosambik liegt, arbeitet fast eine halbe Million Menschen in der Tabakindustrie. Darunter sehr viele Kinder. Für einen halben Tag Arbeit bekommen sie umgerechnet gerade einmal 50 Cent.

So wie Leyla. Sie lebt im Umland der Stadt Choma, im Süden Sambias. Die Zwölfjährige schuftet schon seit fünf Jahren fast jeden Tag auf der Tabakplantage. Hier knipst sie die Blüten und überflüssige Seitentriebe der Tabakpflanze ab. Dadurch pumpt die Pflanze das Nikotin, das für mehr Blätter und Blüten gedacht war, in die verbliebenen Blätter.

"Wenn der Tabak reif ist, dann haben wir so viel zu tun, dass ich nicht zur Schule gehen kann", sagt Leyla. Und in den übrigen Monaten kann sie nur am Unterricht teilnehmen, weil sie selbst das dafür notwendige Geld verdient.

Kinderarbeiter leiden an der Grünen Tabakkrankheit

Doch der fehlende Schulbesuch ist nur die eine Seite. Weitaus schlimmer wiegen die gesundheitlichen Gefahren, denen Leyla und die anderen Kinder ausgesetzt sind. Denn sie kommen täglich mit dem in den Tabakblättern enthaltenen Nikotin in Kontakt.

Info
Kinderarbeiter auf den Tabakplantagen berühren im Laufe einer Tabakernte-Saison – vom Aussäen bis zum Verkauf der Blätter – jede einzelne Pflanze rund 30- bis 50-mal. Dabei dringt jedes Mal Nikotin in die Haut ein. Das ist so, als würden die Kinder jeden Tag 50 Zigaretten rauchen.

Viele Kinder leiden deshalb an der sogenannten Green Tobacco Sickness (GTS), zu Deutsch: Grüne Tabakkrankheit. Hierbei gelangt das Nikotin der Pflanze durch die Haut in den Kreislauf und führt zu verschiedenen Krankheitssymptomen – von denen Kinder besonders stark betroffen sind:

  • Hustenreiz
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen.

Zudem klagen viele Kinderarbeiter über Rückenschmerzen vom vielen Bücken. Auf den Feldern in der Hitze auf dem schattenlosen Feld bekommen sie außerdem Sonnenstiche, werden von Schlangen oder Moskitos gebissen und fühlen sich schlapp und müde.

Helfen Sie mit Ihrer Spende den Kinderarbeitern

Um vor Ort Leyla und anderen Kinderarbeitern in Sambia zu helfen, hat die Kindernothilfe mit ihrer Partnerorganisation BICC (Brethren in Christ Church) ein Projekt gestartet. Die Mitarbeiter suchen die arbeitenden Kinder auf den Feldern und Plantagen auf, sprechen mit den Eltern und Großeltern, um diese davon zu überzeugen, dass es bessere Möglichkeiten zur Aufbesserung des Familieneinkommens gibt als Kinderarbeit. Und sie betreuen sogenannte Kinderrechte-Komitees, in denen sich angesehene Erwachsene aus den Dorfgemeinschaften für die Anliegen der Kinder einsetzen.

Gleichzeitig hat BICC zahlreiche, von den guten Erfahrungen der Kindernothilfe inspirierte, Selbsthilfegruppen (SHG) gegründet. Hier werden die Mütter der ärmsten Familien geschult, gestärkt und in einem sozialen Netzwerk an neue Geschäftsmodelle mit höheren Einkommensmöglichkeiten herangeführt.

Zwei von Zehntausenden: Die Kinderarbeiter schuften fast täglich auf den Tabakfeldern von Sambia. (Quelle: Christian Herrmanny / © Kindernothilfe)Zwei von Zehntausenden: Die Kinderarbeiter schuften fast täglich auf den Tabakfeldern von Sambia. (Quelle: Christian Herrmanny / © Kindernothilfe)

So finden immer mehr Frauen einen Weg aus der Subsistenzwirtschaft hin zu einträglicheren Jobs, die eine Mitarbeit der Kinder in ausbeuterischen Verhältnissen schließlich überflüssig machen. Die guten Erfahrungen zeigen: Wenn das Haushaltseinkommen für Essen, Schulausgaben, Brennstoff und medizinische Versorgung reicht, dann schicken die Familien ihre Kinder auch nicht mehr zur Arbeit.

Sie möchten die Arbeit der Kindernothilfe gegen ausbeuterische Kinderarbeit zum Beispiel auf Tabakplantagen unterstützen?

Weltweit arbeiten Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen, in Gefahr für ihr Leben, ihre Gesundheit, ihre Entwicklung, ohne Chance auf Bildung. Wie Leyla auf einer Tabakplantage, viele auch in Minen, Ziegeleien oder in Steinbrüchen. Mit Ihrer Spende helfen Sie, diesen Mädchen und Jungen einen Ausweg zu bieten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Techniker Krankenkasse (TK)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • Statista
  • The National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH)
  • Unfairtobacco – Eine Kampagne der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung (BLUE 21)
  • Kindernothilfe e. V.
  • weitere Quellen
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