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„Ich träume davon, dass die Menschen wieder mehr Herz zeigen“ (Anzeige)

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Kindernothilfe-Botschafterin Claudia Kleinert im Gespräch  

„Ich träume davon, dass die Menschen wieder mehr Herz zeigen“

17.11.2020, 15:04 Uhr

. Claudia Kleinert engagiert sich in Äthiopien seit vielen Jahren als Botschafterin der Kindernothilfe. (Quelle: Kindernothilfe)

Claudia Kleinert engagiert sich in Äthiopien seit vielen Jahren als Botschafterin der Kindernothilfe. Die Bilder zeigen eine vergangene Reise. (Quelle: Kindernothilfe)

Prominente wie Claudia Kleinert nutzen ihre Bekanntheit, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Die Fernsehmoderatorin und Wetterfee unterstützt mit einer Patenschaft bei der Kindernothilfe seit vielen Jahren Kinder in Äthiopien. Im Gespräch mit uns erzählt sie, was sie an diesem Land besonders fasziniert, welche Begegnungen sie geprägt haben und warum sie sich niemals ein T-Shirt für vier Euro kaufen würde.

Sie unterstützen die Kindernothilfe seit mittlerweile 15 Jahren. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie zu Ihrem sozialen Engagement für Kinder in Not bewegt hat?

Das gab es tatsächlich! Ein guter Freund war damals schon lange mit einem Patenkind über die Kindernothilfe verbunden. Er hat mir Fotos dieses Kindes gezeigt, die mich sehr bewegt haben. Wenig später nahm dann der Vorstand der Kindernothilfe Kontakt zu mir auf – das war für mich ein Zeichen, eine Patenschaft abzuschließen. Nachdem mein erstes Patenkind inzwischen erwachsen ist, unterstütze ich heute das zweite Kind in Äthiopien. Mir liegt es am Herzen, vor allem Kinder in Ländern, die wirtschaftlich nicht so weit entwickelt sind wie unser Heimatland, durch mein Engagement bessere Chancen für die Zukunft zu ermöglichen.

Claudia Kleinert möchte durch ihr Engagement bei der Kindernothilfe zu einer besseren Welt beitragen. Quelle: ARD/Thorsten Jander (Quelle: sg)Claudia Kleinert möchte durch ihr Engagement bei der Kindernothilfe zu einer besseren Welt beitragen. Quelle: ARD/Thorsten Jander (Quelle: sg)

Als Botschafterin der Kindernothilfe engagieren Sie sich für die weltweite Umsetzung von Kinderrechten. Was war Ihr bisher prägendstes Erlebnis?

Das für mich beeindruckendste Erlebnis war sicherlich, als ich vor einigen Jahren mit der Kindernothilfe mein Patenkind in Äthiopien besuchen konnte! Die Menschen dort sind mir mit so viel Freundlichkeit, Herzlichkeit, Offenheit und Großzügigkeit begegnet, das trägt mich bis heute. Die Familie meines Patenkindes wohnt in einer Hütte, in der Umzugskartons tagsüber als Tisch und nachts als Betten dienen. Und obwohl diese Menschen mit so wenig leben, haben sie mir ganz selbstverständlich Kaffee und Süßigkeiten angeboten.

Claudia Kleinert ist tief beeindruckt von der Herzlichkeit der Menschen in Äthiopien. (Quelle: Kindernothilfe)Claudia Kleinert ist tief beeindruckt von der Herzlichkeit der Menschen in Äthiopien. (Quelle: Kindernothilfe)

Gab es während Ihres Besuchs denn auch schockierende Erlebnisse?

Schockiert hat mich, wie nah Armut und Reichtum in Äthiopien nebeneinander existieren. In der Hauptstadt Addis Abeba gibt es die teuersten Hotels und Restaurants, während zwei Straßen weiter Aidswaisen im Nichts leben. Tief beeindruckt hat mich die Fröhlichkeit der Menschen. Wir Deutschen laufen hier gerade jetzt voller Angst herum. In Äthiopien lebt man jeden Tag mit der Unsicherheit, ob man am nächsten Tag überhaupt etwas zu essen hat. Trotzdem strahlen die Menschen dort etwas ganz anderes aus.

Als Fernsehmoderatorin sind Sie einem breiten Publikum bekannt. Inwiefern sehen Sie sich in dieser Rolle auch als Vorbild?

Wenn ich als Person, die in der Öffentlichkeit steht, die Möglichkeit habe, mehr Menschen für eine gute Sache zu erreichen, als das etwa jemand kann, der in einem Büro arbeitet, dann sehe ich es als meine Verantwortung, das auch zu tun. Denn es gibt so viele Menschen auf der Welt, denen es viel schlechter geht als uns.

Seit 2005 unterstützen Sie Patenkinder in Äthiopien. Warum haben Sie sich für eine Patenschaft entschieden?

Mit meinem ersten Patenkind hatte ich ganz viel Kontakt, wir haben uns oft geschrieben, ich habe Bilder von ihr bekommen. Außerdem überzeugt mich, dass bei der Kindernothilfe so gut wie alle Spenden in nachhaltige Projekte fließen. Bei meinem Besuch in Äthiopien konnte ich mich davon überzeugen, dass das Geld bei den Menschen vor Ort ankommt: In den Projekten lernen vor allem Frauen, wie sie mithilfe von Kleinstkrediten beispielsweise ein eigenes kleines Geschäft eröffnen und sich damit eine Lebensgrundlage schaffen. Sie lernen auch Anbaumethoden, um ihre Felder angepasst an sich verändernde klimatische Bedingungen zu bewirtschaften. Und Kinder bekommen Bildungsangebote – das Wichtigste überhaupt! Denn damit erhalten sie später die Möglichkeit, einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Beruf zu wählen und vielleicht sogar das eigene soziale und wirtschaftliche System auf- oder auszubauen.

Claudia Kleinert hat noch nie eine so wunderschöne Landschaft wie im äthiopischen Hochland gesehen.  (Quelle: Kindernothilfe)Claudia Kleinert hat noch nie eine so wunderschöne Landschaft wie im äthiopischen Hochland gesehen. (Quelle: Kindernothilfe)

Warum liegt Ihnen Äthiopien so am Herzen?

Ich finde Afrika ist ein unheimlich toller, faszinierender Kontinent. Und Äthiopien ist ein Land, das aufgrund des Naturraumes viel weniger Möglichkeiten hat, Landwirtschaft oder ähnliches zu betreiben. Korruption und Kolonialisierung haben ihre Spuren hinterlassen, auch deshalb brauchen die Menschen dort unsere besondere Unterstützung.

Welchen Risiken sind die Kinder in Äthiopien täglich ausgesetzt – und wie kann man ihnen am besten helfen?

Ich habe bis heute nie eine so wunderschöne, auch fruchtbare Landschaft wie im äthiopischen Hochland gesehen. Um hier ertragreich Felder bewirtschaften zu können, brauchen die Menschen aber das nötige Wissen und auch Startkapital. Dafür sorgt die Kindernothilfe unter anderem mit meiner Patenschaft! Durch die Förderung in den Projekten können die Mädchen und Jungen in die Schule gehen, bekommen dort etwas Warmes zu essen, können an Sportangeboten teilnehmen. Es gibt aber noch wahnsinnig viele Kinder, die das nicht können, die täglich im Müll nach etwas zu essen oder nach Wertstoffen suchen, die sie verkaufen können! Durch Spenden kann die Kindernothilfe Familien unterstützen, damit Kinder nicht mitarbeiten müssen, um den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern in der Schule lernen können. Nur so kommen sie aus der Spirale der Armut heraus.

„Wir müssen uns dafür einsetzen, dass der Klimawandel nicht weiter voranschreitet und den Menschen in armen Regionen ihre Lebensgrundlage entzieht – beispielsweise durch extreme Dürreperioden", sagt Claudia Kleinert. (Quelle: Kindernothilfe)„Wir müssen uns dafür einsetzen, dass der Klimawandel nicht weiter voranschreitet und den Menschen in armen Regionen ihre Lebensgrundlage entzieht – beispielsweise durch extreme Dürreperioden", sagt Claudia Kleinert. (Quelle: Kindernothilfe)

Sie moderieren das Wetter bei der Tagesschau und haben daher sicherlich einen besonderen Bezug zu Klimaveränderungen und ihren Folgen. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, um die Umwelt- und Dürrekatastrophen in Äthiopien in den Griff zu bekommen?

Der Klimawandel und seine schlimmen Folgen – Hunger etwa – bedrohen gerade Länder wie Äthiopien. Es ist an uns, daran etwas zu ändern, denn wir Deutschen gehören zu denjenigen, die das CO2 verursachen! Wir müssen uns dafür einsetzen, dass der Klimawandel nicht weiter voranschreitet und den Menschen in armen Regionen ihre Lebensgrundlage entzieht – beispielsweise durch extreme Dürreperioden. Es müssen zudem weitere Systeme entwickelt werden, um Wasser zu gewinnen, ohne, dass ein Meer in der Nähe ist. Und Menschen müssen noch viel intensiver darauf setzen können, Pflanzen anzubauen, die weniger Wasser zum Überleben benötigen. Dazu braucht es Unterstützung und Geld! Zudem müssen wir Mittel und Wege finden, Heuschreckenplagen wie jetzt aktuell in Äthiopien zu bekämpfen – denn diese Tiere zerstören die geringen Ernten der  Menschen vollständig und sorgen für eine Hungersnot! 

Gemeinsam mit der Kindernothilfe engagieren Sie sich auch gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Wie kann betroffenen Kindern geholfen werden – und was können wir im Alltag tun?

Das ist ganz einfach: Wir müssen genau gucken, was wir kaufen – und dabei nicht ausschließlich auf den Preis achten. Wie kann es etwa sein, dass ein T-Shirt aus Baumwolle nur vier Euro kostet?! Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen! Solch ein T-Shirt ist von Menschen – und oft von Kindern – hergestellt worden, die so gut wie nichts oder nicht viel daran verdienen können. Deswegen achte ich auch immer darauf, woher kommt ein Produkt, das ich kaufen möchte.

Wovon träumen Sie als Botschafterin der Kindernothilfe?

Ich träume davon, dass die Menschen wieder mehr Herz zeigen und stärker in ihren Köpfen verankern, dass wir als Erde nur überleben können, wenn wir uns gegenseitig helfen und unterstützen. Mein Traum ist es, dass die Erde gerechter wird – selbst wenn ich dafür auf einiges verzichten müsste! Denn friedliches Zusammenleben funktioniert nur dann, wenn der, der viel besitzt – Erfahrung, Wissen und Materielles – das an andere weitergibt.

Vielen Dank für dieses Gespräch! 

Gerechtes und friedliches Zusammenleben funktioniert nur dann, wenn der, der viel besitzt – Erfahrung, Wissen und Materielles – das an andere weitergibt. (Quelle: Kindernothilfe)Gerechtes und friedliches Zusammenleben funktioniert nur dann, wenn der, der viel besitzt – Erfahrung, Wissen und Materielles – das an andere weitergibt. Davon ist Claudia Kleinert überzeugt. (Quelle: Kindernothilfe)

Sie wollen wie Claudia Kleinert einen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten? Dann unterstützen Sie die Kindernothilfe und fördern Sie Kinder in schwierigen Lebenssituationen. Mit Ihrer Kinderpatenschaft schützen Sie Mädchen und Jungen vor Armut, Hunger, Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch. Die Kindernothilfe setzt Ihren Beitrag gezielt dort ein, wo die Not der Kinder am größten ist. Regelmäßig werden Sie darüber informiert, was Ihre Spende bewirkt hat. Melden Sie sich außerdem zum Kindernothilfe-Newsletter an, um noch mehr über die Projektarbeit, Publikationen, Veranstaltungen und Aktionen der Kindernothilfe zu erfahren.

Über die Kindernothilfe:
Als Kinderrechtsorganisation engagiert sich die Kindernothilfe seit über 60 Jahren für Kinder in schwierigen Lebenssituationen. Der Verein setzt mit seiner Arbeit alles daran, Kinder zu ihren elementaren Rechten zu verhelfen und ihnen eine Starthilfe ins Leben zu geben. Zusammen mit lokalen Partnern  in Afrika, Asien und Lateinamerika erreichte die Kindernothilfe 2019 über 2 Millionen Kinder in 32 Ländern. Dass Spenden sicher und direkt bei den Kindern ankommen, wird dem Verein jährlich durch das unabhängige DZI-Spendensiegel bestätigt – seit über 25 Jahren.



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