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Hilfe im Irak  

Warum der Einsatz vor Ort von Ärzte ohne Grenzen so wichtig ist

07.10.2021, 13:14 Uhr

ANZEIGE Warum der Einsatz vor Ort von Ärzte ohne Grenzen so wichtig ist. Irak: Die Krankenschwester Ismahan Ciftci von Ärzte ohne Grenzen beatmet ein Neugeborenes. Das Nablus-Krankenhaus im Westen Mossuls ist eines der wenigen in der Region mit einer Geburts-, einer Neugeborenen- und einer Kinderstation.  (Quelle: © Peter Bräunig)

Irak: Die Krankenschwester Ismahan Ciftci von Ärzte ohne Grenzen beatmet ein Neugeborenes. Das Nablus-Krankenhaus im Westen Mossuls ist eines der wenigen in der Region mit einer Geburts-, einer Neugeborenen- und einer Kinderstation. (Quelle: © Peter Bräunig)

„Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment: Als ich verstand und mit dem Herzen fühlte, wofür Ärzte ohne Grenzen steht.“ Abdulrahman Dhannoon Chaleel ist Projektkoordinator der Nothilfeorganisation in West-Mossul und berichtet hier, was seine Arbeit so besonders macht: 

„Meine Heimatstadt Mossul war im Jahr 2017 schwer umkämpft. Stündlich erreichten viele Verwundete unser Krankenhaus. Dann wurde ein verwundeter Junge gebracht. Er war ganz allein, ohne Angehörige, gerade mal sechs Jahre alt. Wir wollten ihn behandeln. Doch sie sagten, der Junge solle erst verhört werden. Sein Vater sei bei der Gruppe ‚Islamischer Staat‘, hieß es. Wir sahen die Schmerzen des Kindes, und es gab für uns nur eine Entscheidung: Wir stellten uns vor den Jungen und behandelten ihn. Für Ärzte ohne Grenzen zählt allein der Patient, der medizinische Hilfe braucht.

Abdulrahman Dhannoon Chaleel, stellvertretender Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in West-Mossul. (Quelle: Ärzte ohne Grenzen)Abdulrahman Dhannoon Chaleel, stellvertretender Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in West-Mossul. (Quelle: Ärzte ohne Grenzen)

Nur die Not der Menschen zählt

Deshalb überlebte der Junge. Am Ende stellte sich sogar heraus, dass seine Eltern Zivilisten waren. Sie waren geflohen, hatten es aber nicht geschafft, den Kämpfen zu entkommen. Es herrschte damals viel Chaos in den engen Gassen. Seine Eltern und er waren mitgerissen worden und saßen in der Altstadt fest, bis der Häuserblock befreit wurde. In dieser Situation war der Junge von der Familie getrennt worden. Damals verstand ich, warum es so wichtig ist, dass wir als Ärzte ohne Grenzen allein die Menschen in Not, die Patient*innen, vor uns sehen. Dass alles andere egal ist. Es geht für uns nur darum, ihr Leben zu retten, ihre Schmerzen zu lindern. Dabei ist es entscheidend, dass wir außerhalb eines Konfliktes stehen.

Unparteilich und neutral

Wir gehören keiner Seite an. Wir sind unparteilich und neutral. Wir fragen unsere Patient*innen nicht nach Religion, Nationalität oder politischer Überzeugung. Gemeinsam haben wir nur ein Ziel: Menschen in Not zu helfen. Wir wollen jeden versorgen und allen unsere Hilfe anbieten. Ich fühle mich gut damit, für alle Menschen da zu sein. Das habe ich damals so sehr gespürt – das war ein besonderer Moment für mich. Ich war damals erst seit kurzem dabei. Die meisten unserer Patient*innen leiden unter Armut und den Folgen des Krieges, sie brauchen Fürsorge. Ärzte ohne Grenzen bietet ihnen Hilfe an – und zwar kostenlos.

Ärzte ohne Grenzen hat seine Geburtshilfe in Mossul unmittelbar nach der Rückeroberung der Stadt gestartet. Das Team versorgt dort viele geburtshilfliche Notfälle. (Quelle: © Peter Bräunig)Ärzte ohne Grenzen hat seine Geburtshilfe in Mossul unmittelbar nach der Rückeroberung der Stadt gestartet. Das Team versorgt dort viele geburtshilfliche Notfälle. (Quelle: © Peter Bräunig)

Nur dank vieler Spender*innen weltweit ist dies möglich. Vor allem Dauerspenden sorgen für unsere finanzielle Unabhängigkeit und eine planbare Basis. Dadurch können wir auf Gelder von Regierungen verzichten. So stehen wir wirklich außerhalb von Konflikten. Das ist sehr wichtig. Denn ich erlebe immer wieder, dass uns unsere Patient*innen oder Mitglieder von Konfliktparteien fragen, woher das Geld für unsere Hilfe stammt. Sie verstehen dann, dass wir nicht aus wirtschaftlichen oder staatlichen Interessen handeln, sondern allein im Sinne unserer Patient*innen – so wie bei dem sechsjährigen Jungen.

Unsere Hilfe in Mossul ist auch jetzt wichtig – Jahre nach der Rückeroberung der Stadt. Das ehemals größte Krankenhaus in Mossul wurde im Krieg zerstört, bis heute liegt es in Trümmern. Viele weitere medizinische Einrichtungen sind noch immer nicht voll funktionsfähig. Unser damaliges Krankenhaus, in dem wir den sechsjährigen Jungen versorgten, haben wir ausgebaut, und heute ist es eine Geburtsklinik mit Stationen für Neugeborene und Kinder.

Das einst größte Krankenhaus in Mossul wurde während des Krieges zerstört. Wie viele weitere Kliniken vor Ort ist es bis heute nicht funktionsfähig. (Quelle: © Peter Bräunig)Das einst größte Krankenhaus in Mossul wurde während des Krieges zerstört. Wie viele weitere Kliniken vor Ort ist es bis heute nicht funktionsfähig. (Quelle: © Peter Bräunig)

Zudem betreiben wir eine weitere Klinik in al-Nahrawan, einem der ärmsten Viertel Mossuls. In beiden Einrichtungen zusammen begleiten wir durchschnittlich bis zu 1.000 Geburten im Monat. Neues Leben in einer Stadt, die sich noch immer von der Zerstörung des Krieges erholt – das ist ein schönes Symbol, denke ich oft. Ich bin froh und stolz, dass wir gemeinsam wieder etwas aufbauen.

Zeichen der Hoffnung

Neulich berichtete mir meine Kollegin, Ibtisam Hasim, von einer ihrer Patientinnen: ‚Acht Jahre lang hatte die Frau versucht, schwanger zu werden‘, erzählte mir die Hebamme. ‚Nun entband sie ihr erstes Kind bei uns. Sie war ganz angespannt und voller Angst. Als wir ihr schließlich ihr Baby in den Arm legen konnten, war ihr Glück so groß. Es war ein magischer Moment. Die Eltern nannten ihre kleine Tochter nach mir – Ibtisam.‘

Tausende Frauen können in den Geburtskliniken von Ärzte ohne Grenzen im Westen Mossuls ihre Kinder sicher zur Welt bringen. Dafür stehen auch zwei Operationssäle und eine Früh- und Neugeborenenstation bereit. (Quelle: © Peter Bräunig)Tausende Frauen können in den Geburtskliniken von Ärzte ohne Grenzen im Westen Mossuls ihre Kinder sicher zur Welt bringen. Dafür stehen auch zwei Operationssäle und eine Früh- und Neugeborenenstation bereit. (Quelle: © Peter Bräunig)

Augenblicke wie diese machen unsere Arbeit so besonders. Neben der Geburtshilfe bietet Ärzte ohne Grenzen im Osten Mossuls im Al-Wahda Krankenhaus rekonstruktive Chirurgie und postoperative Versorgung an und an allen drei Standorten psychologische Betreuung und Gesundheitsberatung. Denn auch die psychologische Hilfe ist wichtig. Die Menschen hier haben eine Menge Elend erlebt. Doch jetzt schauen wir nach vorne.“

Ärzte ohne Grenzen ist eine internationale humanitäre Hilfsorganisation. Die Teams leisten medizinische Hilfe in Ländern, in denen Menschen durch Kriege, Epidemien oder Naturkatastrophen in Not geraten sind. Ärzte ohne Grenzen gewährt diese Hilfe ungeachtet der ethnischen Herkunft oder politischen und religiösen Überzeugungen. In mehr als 70 Ländern sind die Teams aktiv. Jährlich behandeln sie rund zehn Millionen Patient*innen. Regelmäßige Spenden sind besonders wichtig – werden Sie jetzt aktiv und informieren Sie sich unter: www.aerzte-ohne-grenzen.de/dauerspende 

SPENDENKONTO:
Ärzte ohne Grenzen e.V.
Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00
BIC: BFSWDE33XXX

Dies ist ein Angebot von Ärzte ohne Grenzen e.V., Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin.



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