Sie sind hier: Home > Leben > Liebe >

Liebe und Psychologie: Die Geliebte - Opfer oder Biest?

LIEBE | PSYCHOLOGIE  

Die Geliebte: Opfer oder Biest?

02.01.2008, 10:04 Uhr | ag

Die Geliebte: hassenswert oder zu bemitleiden? (Foto: Archiv)Die Geliebte: hassenswert oder zu bemitleiden? (Foto: Archiv)Geliebte, Zweitfrauen oder Mätressen gab es schon immer. Ihr Einbrechen in eine bestehende Beziehung wurde stets als gesellschaftliches Tabu betrachtet. Auch wenn sich die Moralvorstellungen im Laufe der Zeit etwas gelockert haben, als Schattenfrau an der Seite eines liierten Mannes genießen sie kein besonders hohes Ansehen. Sie werden entweder für ihr unmoralisches Verhalten gegenüber der "legitimen" Partnerin des Mannes als Betrügerin verurteilt oder gar bemitleidet. Das passiert dann, wenn die Geliebte die Rolle des Opfers einnimmt, das keinerlei Ansprüche stellt und in seinem Leben nur die zweite Geige spielt. Nur wenige schaffen es, selbstbewusst und ohne schlechtes Gewissen mit dem Status der Gelegenheitsfrau umzugehen. Handelt eine solche Frau deswegen automatisch unmoralisch?


Pro & Contra: Ist eine Geliebte moralisch zu verurteilen?


 (Grafik: Amely Maacken)

Sandra W. (41)
Ich finde es egoistisch, auf Kosten anderer glücklich zu sein

 (Grafik: A. Maacken)

Helene M. (27):
Eine Geliebte zerstört nichts, was nicht schon kaputt wäre

In einer langjährigen Beziehung kann es durchaus einmal vorkommen, dass sich einer der Partner in einen anderen verguckt. Mit dieser Person ein Techtelmechtel anzufangen, geht jedoch zu weit. Genauso verwerflich ist es, wenn eine Frau nicht akzeptiert, dass das Ziel ihrer Begierde bereits vergeben ist. Ich persönlich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, eine Familie zu zerstören und mein Glück auf deren Unglück aufzubauen.

Sicherlich ist es richtig, dass beim Ehebruch immer zwei Parteien beteiligt sind. Ich möchte den Mann auch gar nicht in Schutz nehmen. Wahrscheinlich kann er die Situation sogar mehr genießen als seine Geliebte - immerhin hat er alles, was er braucht: eine Familie, die ihm Rückhalt gibt, und gleichzeitig eine Zweitfrau, mit der er schöne und aufregende Stunden verbringen kann. Jede Geliebte sollte sich daher fragen, ob sie die Rolle der Frau für gewisse Stunden akzeptieren will. Ich fände das demütigend.

Was mich persönlich besonders ärgert, ist, dass sich viele Geliebte gerne aus der Verantwortung reden. Sie sagen, dass ihr Angebeteter sowieso todunglücklich in seiner jetzigen Beziehung lebt. Das ist doch kein Argument. Schließlich gibt es in jeder langjährigen Beziehung Probleme, die das Paar gemeinsam meistern muss. Schlimm wird es jedoch, wenn in einer solchen Situation jemand von außen einbricht. Das ist dann oft der Anfang vom Ende.

Auch höre ich immer wieder von Geliebten, dass ihre Liebe stärker als die Vernunft sei. Auch das kann ich nicht akzeptieren. Im Gegensatz zum Verliebtsein, wenn man auf rosa Wolken schwebt, ist Liebe zum großen Teil auch eine Entscheidung. Und die sollte von Herz und Verstand gleichermaßen getroffen werden. Wenn der Mann der Träume nun mal vergeben ist, ist das Pech. Je früher man das akzeptiert, desto besser ist es für alle Beteiligten.

Ich finde es ziemlich anmaßend, eine Frau moralisch zu verurteilen, die eine Liebesbeziehung zu einem Mann in festen Händen hat. Die Vorstellung vom gemeinen Biest, das hinter dem Rücken der treu sorgenden Ehefrau seine Fäden spinnt, um ihr den Mann auszuspannen, ist einseitig und ungerecht. Ich denke, keine Geliebte der Welt würde es jemals schaffen, in eine intakte Beziehung einzubrechen.

Seien wir doch ehrlich: Wenn sich ein Mann nach einer anderen umschaut, ist in seiner aktuellen Beziehung doch schon irgendetwas kaputt oder es fehlt ihm etwas zum Glücklichsein. Wenn ihm wirklich so viel an seiner Frau oder seiner Familie gelegen ist, wird er das auch gegenüber einer anderen Frau deutlich signalisieren und ihr klare Grenzen setzen. Wenn er sich dagegen mit einer anderen Frau einlässt, trifft diese nicht die Schuld. Schließlich ist es nicht ihre Aufgabe, seine Familie zu schützen.

Die Rolle der Geliebten ist ohnehin schon schwer genug. Wer es selbst noch nicht am eigenen Leib erfahren hat, wie demütigend es ist, seine Gefühle zu verheimlichen, immer auf seinen Anruf zu warten und jedes Weihnachtsfest allein zu verbringen, sollte sich mit seinen Anschuldigungen besser zurückhalten. Ich für meinen Teil habe mich stets rücksichtsvoll gegenüber der Familie verhalten und auch den Kindern nicht den Vater weggenommen.

Als die Beziehung dann zu Ende ging und mich mein Geliebter verließ, habe ich sehr gelitten. Schließlich hatte ich niemanden, der mich auffangen konnte oder ein Nest, in das ich zurückkehren konnte. Wenn ich wirklich ein Biest gewesen wäre, hätte ich mich an ihm rächen können und hätte so möglicherweise sein Familienglück zerstört. Das konnte ich aber moralisch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Es gibt sie eben doch: die faire Geliebte.



Mehr aus Lifestyle:
Hübsch, erfolgreich und solo Gründe für das Alleinsein
Was stimmt, was nicht? Fitnessmärchen unter der Lupe
Gut für die Figur Die zehn besten Hungerstopper
Kochtipps So erkennen Sie gutes Olivenöl

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal