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Partnersuche: Gibt es die virtuelle Liebe?

Internet-Liebe  

Gibt es die virtuelle Liebe?

16.11.2010, 12:15 Uhr | ag

Partnersuche: Gibt es die virtuelle Liebe?. Kann die Liebe zu einer Internetbekanntschaft echt sein? (Foto: imago)

Kann die Liebe zu einer Internetbekanntschaft echt sein? (Foto: imago)

Früher war die Partnersuche einfacher: Wir lernten uns im Verein oder auf einer Party kennen. Manchmal war es Liebe auf den ersten Blick. Meist funkte es nicht sofort. Dafür gab es viele Gelegenheiten, sich wieder zu treffen und irgendwann spürte man vielleicht Schmetterlinge im Bauch. Heute geht es auch ohne die klassische Kennenlernphase. Über Chats, Social Communities oder Partnervermittlungsagenturen im Internet haben wir die Möglichkeit, schnell und gezielt mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Nähe zu diesen aufzubauen. Doch wie echt sind die Gefühle, die wir für unsere virtuellen Traumpartner entwickeln?

Das geschriebene Wort als Liebesbote  

Das fieberhafte Warten auf eine eMail, das Date im Chat Room – das alles ist prickelnd und aufregend. Dass sich Liebe zwischen zwei Menschen auch über den Computer entwickeln kann, haben viele Paare schon erlebt. Die Erfolgsgeschichten der Online-Partnervermittlungsagenturen legen ein Zeugnis davon ab. Begonnen haben diese Geschichten nicht mit einer lebendigen Begegnung, sondern über das geschriebene Wort. Chat-Nachrichten und eMails werden zu virtuellen Liebesboten. Aus ihnen ziehen wir Rückschlüsse über die Persönlichkeit des anderen. Auch wenn dieses Bild verzerrt und wirklichkeitsfremd ist, können wir uns verlieben. "Dabei sollte man wissen, dass Gefühle auf virtueller Ebene immer in starkem Maße etwas mit unseren eigenen Wünschen zu tun haben“, gibt Volker Drewes, Diplom-Psychologe der Partnervermittlung "ElitePartner", zu bedenken. Er spricht daher von „Phantom-Gefühlen“. Denn nicht das unmittelbare Erleben des anderen hat die Verliebtheit bewirkt, sondern das Gefühl der eigenen Sehnsucht.

Echte Gefühle oder Projektion der eigenen Wünsche?  

Wie im realen Leben kommt es auch bei der Internet-Romanze zu einer starken Idealisierung des Partners, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Dabei empfinden viele sogar Symptome wie Herzklopfen, Kribbeln im Bauch oder Liebeskummer. Bestimmte Eigenschaften des anderen werden absolut gesetzt und auf die ganze Person übertragen. Trotzdem gibt es einen großen Unterschied zur Realität: „Wenn wir uns im Alltag begegnen, bekommen wir innerhalb kurzer Zeit jede Menge an Informationen vom anderen“, erklärt Drewes. Wir können ihn sehen, riechen, berühren – erfahren ihn mit all unseren Sinnen. Zudem erhalten wir ein direktes Feedback von ihm und können direkt auf ihn reagieren. Dieser lebendige Austausch fehlt im Netz gänzlich.

Tiefe Gefühle brauchen Vertrauen und Zeit

Welchen Stellenwert die Gefühle einer Liebelei im Internet haben und ob sie auch in der realen Welt behaupten können, hängt vom individuellen Fall ab. Fest steht jedoch, dass die meisten Menschen Vertrauen brauchen, um tiefer gehende Gefühle oder gar Liebe überhaupt erst zulassen zu können und das ist auf der rein virtuellen Ebene schwierig. Das Wort Liebe sollte man daher besser vermeiden, rät Drewes. "Die nämlich hat etwas mit Leidenschaft und Sorge zu tun und das kann man nur im Miteinander erleben". Gleichzeitig warnt der Psychologe vor zu viel Offenheit am Anfang einer Beziehung. Die Gefahr bestehe darin, den anderen als Therapeuten zu benutzen, eine Rolle, die ein potentieller Partner nicht einnehmen sollte.

Im Chat mutiger als im Café

Wenn zwei Menschen eine gefühlsmäßige Beziehung im Internet aufbauen, kommt meist der Wunsch auf, den anderen richtig kennenzulernen. Das erste Treffen wird zum Prüfstein der virtuellen Beziehung. Im anonymen Schutzraum des Internets sind die meisten nämlich mutiger als in ihrem Alltag. Besonders, wenn es um Beziehungen geht. Denn im Grunde genommen ist man sich fremd, auch wenn der andere einem schon viele intime Geheimnisse offenbart hat. Mit diesem Wissen umzugehen und sich unbefangen zu begegnen, ist nicht leicht. Hätte sich das Paar im Alltag kennengelernt, wären viele romantische Fantasien nicht so früh und unverblümt mitgeteilt worden. Kein Wunder, meint Drewes, denn im Internet fehle schließlich die soziale Kontrolle. „Menschen verhalten sich hier sehr viel extremer als im normalen Leben und geben mehr von sich preis.“ Schließlich reicht ein Klick und man ist weg. Bei einem persönlichen Gespräch dagegen wird es schwierig, sich einfach aus dem Staub zu machen. Man wäre möglicherweise peinlich berührten Blicken ausgesetzt gewesen oder wäre vor Scham errötet und hätte daher viele seiner verwegenen Gedanken für sich behalten. So jedoch ist es möglich, eine Beziehung ohne Risiken und Nebenwirkungen aufzubauen.

Die virtuelle Romanze im Realitäts-Check

Doch welche Chancen hat die virtuelle Liebe, real zu werden? Hier ist Drewes skeptisch. "Das Problem liegt darin, dass es bei der ersten Begegnung unweigerlich zur Desillusionierung kommt." Denn das Bild vom anderen könne nicht der Wirklichkeit entsprechen. Dafür seien Menschen zu facettenreich in ihrer Persönlichkeit. Nur wenn das Paar innerlich darauf vorbereitet sei, diese Enttäuschung zu akzeptieren und seine Erwartungen herunterzufahren, könne es klappen. Auch sollte man nicht dem Wahn verfallen, im gleichen Tempo an der gleichen Stelle die Beziehung weiter aufzubauen, sondern sich Zeit geben und sich neu kennenlernen. Drewes Tipp lautet daher: "Warten Sie nicht allzu lange mit dem ersten Treffen. Je länger Sie es aufschieben, desto schwieriger wird es." Doch es gibt auch Menschen, die ganz bewusst auf den Sprung von der virtuellen in die reale Welt verzichten. "Dahinter steckt oftmals die Angst vor Nähe", weiß der Psychologe. Kennenlernen im Internet sei wunderbar, wenn sie dem Informationsaustausch und der Freundschaft diene. Wer jedoch darauf hofft, die große Liebe zu finden, sollte spätestens nach dem dritten eMail-Wechsel den Sprung in die Wirklichkeit wagen. Dann nämlich ist es leichter, dass auf den Trümmern der Idealvorstellungen etwas Neues wachsen kann: eine Beziehung, die durch echte Gefühle begründet ist.

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