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Seine Frau hat häufig zugeschlagen

Judith Féaux de Lacroix

08.08.2011Lesedauer: 4 Min.
Partnerschaft: Gewalt gegen Männer.
Männer, die von Frauen geschlagen werden, schweigen oft aus Scham. (Quelle: imago)
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Bisse, Tritte, Schläge. Auch Männer werden Opfer von Gewalt. Und der Täter ist nicht immer ein Mann - sondern die eigene Freundin oder Ehefrau. Wie viele Männer von ihren Partnerinnen geschlagen werden, ist unklar. Denn die wenigsten offenbaren sich. Zu groß ist die Angst, sich lächerlich zu machen. Ein Betroffener erzählt.

Im Streit verliert sie die Beherrschung

Wie es ist, wenn die eigene Frau zuschlägt, hat Wolfgang T. (Name geändert) erlebt. Seit einem Jahr wohnt der 50-Jährige nicht mehr zu Hause, sondern im Gewaltschutzhaus in Ketzin (Brandenburg). Denn seine Frau (45) hat ihn nach einem Streit rausgeworfen. Auseinandersetzungen hat es oft gegeben in ihrer Ehe. "Vor drei, vier Jahren hat das angefangen", sagt Wolfgang T. Da waren seine Frau und er schon 16 Jahre verheiratet. Bei den Streitereien hat Wolfgang T.s Frau häufig zugeschlagen - immer dann, wenn ihr die Worte fehlten, erzählt er. "Ich konnte besser reden als sie, das hat sie geärgert." Ernsthafte Verletzungen hat er nicht davon getragen. "Sie hat mich eher psychisch verletzt", sagt er, "geschmerzt hat es im Herz."

Umfrage: Jeder vierte Mann erlebt Gewalt in der Partnerschaft

Jede vierte Frau in Deutschland wird Opfer häuslicher Gewalt - das hat eine Studie des Bundesfamilienministeriums ergeben. Aber wie viele Männer erleben Gewalt in der Partnerschaft? Hierzu gibt es keine genauen Zahlen. "Wir wissen noch viel zu wenig über dieses Thema", sagt der Soziologe Ludger Jungnitz, der am Institut Dissens über Männlichkeit und Gewalt forscht. Das liege zum Teil auch daran, dass Männer das Thema kaum ansprechen würden. "Gewalt wird von Männern häufig als normal und alltäglich wahrgenommen", erklärt der Experte. Zwar wurde im Auftrag des Bundesfamilienministerium auch eine Pilotstudie zum Thema Gewalt gegen Männer erstellt. "Allerdings war die Zahl der befragten Männer nicht repräsentativ", räumt Jungnitz ein, dessen Institut auch an der Studie beteiligt war. 200 Männer wurden befragt. Jedem vierten war von seiner Partnerin körperliche Gewalt angetan worden. Das Spektrum reichte von Ohrfeigen über Bisse und Kratzer bis hin zu Tritten und Stößen. Fünf Prozent der Befragten gaben an, von ihrer Partnerin verletzt worden zu sein.

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Bei der Polizei werden die Betroffenen ausgelacht

Keiner der befragten Männer hatte nach den Misshandlungen die Polizei gerufen. Kein Wunder: "Wenn eine Frau sich an die Polizei wendet, weil ihr Mann sie schlägt, dann sorgt die Polizei dafür, dass der Mann sich seiner Frau nicht mehr nähern darf", sagt Andreas Maria Baumeister vom Männerbüro in Trier. "Aber im umgekehrten Fall passiert nichts." Stattdessen begegne man ihnen meist mit Ungläubigkeit und Häme. Selbst im Freundeskreis finden die Betroffenen meist keinen Rückhalt: "Beim Männerstammtisch können Sie nicht sagen 'Meine Frau schlägt mich' - da werden Sie ausgelacht", erklärt er. Oft würden die geprügelten Männer am Ende von ihrer Partnerin vor die Tür gesetzt und wüssten dann nicht mehr, wohin. "Dann besteht die Gefahr der Verwahrlosung", sagt Baumeister. Deshalb sei es wichtig, Männern eine Anlaufstelle wie das Männerbüro zu bieten: "Die sind froh, wenn ihnen endlich mal jemand zuhört."

Auch Wolfgang T. hatte im Gewaltschutzhaus zum ersten Mal das Gefühl, verstanden zu werden. Vorher hatte er sich an die Polizei gewandt. "Die haben mich nur ausgelacht", sagt er. Er musste sich einem Alkoholtest unterziehen, obwohl er keinen Schluck getrunken hatte. Anzeige gegen seine Frau wurde nicht erstattet. Auch bei karitativen Einrichtungen suchte Wolfgang T. Hilfe - vergeblich. "Ich wurde nie ernst genommen", erinnert er sich, "das war eine unvorstellbare Demütigung". Rückblickend sagt er: "Ich würde mich heute nie wieder outen, dass ich geschlagen worden bin."

Kinder als Druckmittel

Männer, die von ihren Frauen misshandelt werden, sind keinesfalls Schwächlinge. "Es trifft auch Männer, denen man es nicht zutrauen würde", sagt Soziologe Jungnitz. Obwohl viele Männer körperlich in der Lage wären, sich zu wehren, tut es der Befragung zufolge nur jeder zweite. "Auch Männer können emotional oder wirtschaftlich abhängig von ihrer Partnerin sein", erklärt der Experte. Ein wichtiges Druckmittel seien zum Beispiel gemeinsame Kinder. So war es auch bei Wolfgang T. Die beiden haben eine Tochter (19) und einen Sohn (17). Der Sohn ist Autist. "Deshalb bin ich zuhause geblieben", sagt der 50-Jährige, "ich habe die Kinder groß gezogen, meine Frau hat Karriere gemacht."

Doch ausgerechnet seine Kinder darf er jetzt nicht mehr sehen. Denn seine Tochter hat vor Gericht einen so genannten Gewaltbeschluss gegen ihn erwirkt: Sie hat ausgesagt, dass sie sich von ihm bedroht fühle. Er darf sich ihr nun nicht mehr nähern. Auch sein Sohn will ihn nicht mehr sehen. Wolfgang T. ist überzeugt, dass seine Frau die Kinder gegen ihn aufgestachelt hat. Er selbst durfte im Prozess aber nie eine Aussage machen. "Es hat keinen Sinn, sich zu wehren", sagt Wolfgang T. "Ich habe damit abgeschlossen." Er glaubt nicht mehr daran, dass er seine Kinder je wiedersehen wird. Seine Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Wolfgang T. denkt darüber nach, Deutschland zu verlassen: "Wenn einem als Mann in diesem Land nicht geholfen wird, dann will ich hier nicht mehr leben."

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