Einlochen im Schnee

24.01.2012, 14:59 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Einlochen im Schnee. Schneegolf mausert sich zum beliebten Trendsport. (Quelle: Adi Hengstberger)

Schneegolf mausert sich zum beliebten Trendsport. (Quelle: Adi Hengstberger)

Knackige Kälte, strahlende Sonne – nichts wie rauf auf die Berge. Und dann auf zum Einlochen in den Schnee. Das geht wirklich. wanted.de hat Adi Hengstberger, den zweifachen Weltmeister im Schneegolf, über eine der außergewöhnlichsten Sportarten überhaupt befragt. Sie mausert sich in den Alpen zum beliebten Trendsport. Einen Eindruck von Schneegolf bekommen Sie in unserer Foto-Show.

Beim Schneegolf wird ein Traum für jeden Golfer war: Ein Handicap unter Null. Gemeint ist allerdings nur die Temperatur, nicht die Trefferquote. Spaß macht die Sache allemal, tatsächlich fragen sich viele Spieler, warum sie nicht früher auf die Idee gekommen sind. So auch Hengstberger: Für den Profi ist der Sport auch wegen des gesunden alpinen Klimas „eine sehr gute Alternative zum Golfen im Grünen". 

Schneegolf kann jeder

Laut Hengstberger hat jeder mit gutem Handicap, die Chance, ein guter Schneegolfer zu werden. „Schneegolf unterscheidet sich nicht besonders vom normalen Golf. Ein Anfänger braucht genauso lange, Schneegolf zu lernen wie Rasengolf.“ Auch die Etikette sind gleich: Was überhaupt nicht geht, ist das Herumlaufen vor den Mitspielern in der Puttlinie. Die Ausrüstung ist identisch mit dem normalen Equipment, ein Einsteiger-Set kostet etwa 500 Euro.

Die Spieler schlagen den Ball in den Bergen natürlich nicht in die Wildnis – die Gefahr in eine Eisspalte oder eine Schlucht zu stürzen, oder plötzlich eine Lawine auszulösen, besteht somit nicht. Vielmehr wird eine geeignete Ebene von Pistenbullys plattgewalzt, wobei die vom Skifahren bekannten Rillen mühsam von Hand beseitigt und extra vereist werden müssen. Interessant wird die Sache natürlich bei Neuschnee.

„Die Platzpflege ist sehr wichtig beim Snow Golf, der Platz wird speziell angefertigt und braucht wesentlich mehr Pflege als im Sommer.“ Logischerweise fallen Hindernisse wie Bunker oder Wasser weg.

Einbruch in den Tiefschnee

Die Unterschiede der skurillen Sportart zur Sommer-Variante sind minimal. In der alpinen Variante werden insgesamt neun Löcher gespielt, statt 18 auf dem grünen Parcours.

Das Fairway ist eben weiß statt grün, die Greens heißen logischerweise Whites, und das Rough besteht aus Tiefschnee statt aus hohem Gras. Spaßiger Nebeneffekt: Wer den Ball neben den Parcours schlägt, versinkt schon mal bis zur Hüfte im Schnee und kassiert dabei einen Strafschlag, denn der Tiefschnee wird wie seitliches Wasser behandelt. Immerhin sind alle Bälle aufgrund des kleinen Einschlagloches recht leicht zu orten, wenn eben auch nur schwer auszugraben.

Ansonsten bietet sich der Trendsport gerade für Anfänger an: Die von Greenkeepern gefürchteten „Hacker“, die mit ihren Schlägern mehr den Rasen umpflügen, als den Ball zu treffen, können beim Schneegolf keinen Schaden anrichten. Und ein besonders tiefer Krater lässt sich dank einer unauffälligen Fußbewegung elegant mit ein wenig Schnee vor den feixenden Mitspielern verstecken. Die Kleidung ist natürlich winterfest. Doch was gerne vergessen wird: Golf ist ein Sport, der die Körpertemperatur von alleine hochhält. Geputtet wird mit neongelben, grünen oder roten statt mit weißen Bällen.

Kolf auf den Grachten und in New England

Obwohl die Sportart bei uns in Deutschland noch sehr jung ist, hat sich schon eine lange Geschichte hinter sich. Genau wie beim Golf auf dem Rasen gilt das niederländische Kolf als Urform des Schneegolfs. Die Holländer schlugen sich schon im 17. Jahrhundert auf den zugefrorenen Grachten Bälle zu, wie zeitgenössische Gemälde von Aert van der Neer und Hendrick Avercamp belegen. In Alaska sollen Indianer schon seit Jahrhunderten in der Wildnis den Ball möglichst nahe an ein Ziel schlagen. Als Wiederentdecker der exzentrischen Sportart in der Neuzeit gilt der Schriftsteller Rudyard Kipling. Während der leidenschaftliche Golfer an seinem Bestseller Das Dschungel-Buch schrieb und dabei im winterlichen US-Bundesstaat Vermont verweilte, probierte er den Abschlag im Schnee aus.

Die Nachbarn in Neu-England staunten 1890 nicht schlecht, als der Träger des Literatur-Nobelpreises von 1907 die Golfbälle rot anstrich und rote Tassen und Büchsen als Lochersatz in den Schnee drückte. Der amerikanische Golfverband kürte Kipling deswegen später feierlich zum Begründer des Schneegolfs.

Schneegolf im Engadin

Inzwischen hat sich das Engadin zur Schneegolf-Metropole entwickelt. So fand gerade im ROBINSON Club Schweizerhof in Tarasp das Turnier Golf on Snow statt. Mitmachen konnte Jedermann und Jederfrau. Hengstberger führte die Teilnehmer dabei über den extra angelegten 9-Loch-Schnee-Parcours auf 1.250 Metern Höhe. Mitspielen wollte er nicht – „das wäre unsportlich gewesen.“ Bei durchwachsenem Wetter sind die Teilnehmer zum Teil trotz der Kälte doch ganz schön ins Schwitzen gekommen. Doch im Jugendstil-Palais des Schweizer Hof boten Kräuterdunstbäder, Finnische Saunen und eine Spa genug Möglichkeiten zur Entspannung im Schnee. Wer es einmal ausprobieren möchte, findet ferner im Schweizer Nobelstädtchen Gstaad einen Golfplatz auf knapp zweitausend Meter Höhe. Der Parcours führt über steile Hänge bergauf und bergab und liegt unmittelbar neben dem Skigebiet Wispile.

Falls er zufriert, ist der Weißensee in Kärnten eine gute Adresse: Neun ebene Spielbahnen werden dort durch Zweige abgegrenzt, die Schneedecke darauf gewalzt. Die Whites erfordern wegen des spiegelblankem Eises eine ganz besondere Präzision.

Auch der Platz am Hörnlepass im Kleinen Walsertal bietet sich an. Manchmal liegt dort das neunte Loch an einem Alpengasthof – womit ein Einkehrschwung der besonderen Sorte das Spiel beendet. Ist der Sport also eher eine Gaudi oder ist er bierernst? Hengstberger: „Der Spaß sollte immer im Vordergrund stehen - die Regeln müssen aber beachtet werden.“ 

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